Bienengerechtes Imkern




Hier stelle ich die von mir bevorzugte imkerliche Betriebsweise vor. Kritik und Diskussion sind erwünscht.

Bienengerechtes Imkern

Beitragvon hanjoheyer » Mi 16. Jun 2010, 11:08

Ich möchte hier eine Liste anfertigen, in welcher beschrieben ist, was ein Imker machen sollte, und was er getrost den Bienen überlassen kann. Im Hinterkopf schwebt stets der Gedanke, das Beste für den Bien zu beabsichtigen.

Mittelwände im Brutraum: Braucht man nicht; ich gestatte meinen Bienen, selbst die Zellengröße der Brutwaben zu bestimmen. Schließlich könnte es sein, dass es einen Zusammenhang zwischen Zellengröße und Varroatoleranz oder sonstigen Eigenschaften des Biens gibt. Außerdem wird sicher die Harmonie und Gesundheit des Biens gefördert, wenn man die Bienen nicht in vorgegebene Zwangsjacken steckt. Es reichen 1 cm breite Anfangsstreifen an den Unterseiten der Oberträger. Ich lasse flüssiges Wachs an einem heißen Lötkolben herunterlaufen und benetze die Unterseite des Rähmchenoberträgers mit Wachs. Dann klebe ich einen 1 cm breiten Mittelwandstreifen unter den Oberträger. Dann gehe ich mit dem Lötkolben noch einmal über das Wachs am Oberträger. Es schmilzt und verbindet sich vollends mit dem MW-Streifen.

Absperrgitter: Nicht nötig. Die Honiggrenze bildet ein natürliches "Absperrgitter". Wenn man während der Erweiterungsphase im Frühjahr den 2. Brutraum unter den ersten plaziert und den Honigraum über die Brutzargen, bildet sich oben - idealerweise zwischen oberem BR und HR die Honiggrenze. Oben die Honigkappe im HR, darunter die Pollen- und Brutfelder in den BR. Bei Massentrachten wandert die Honiggrenze normalerweise nach unten. Der Imker sorgt dafür, dass die Grenze oben zwischen BR und HR bleibt, indem er Honigwaben aus den BR in den HR hängt und Leerwaben vom HR in den BR.

Rähmchen: Ich habe mich vorerst für senkrecht gedrahtete Rahmen entscheiden. (Bei ihnen lassen sich die Anfangsstreifen leichter einlöten.) In diesem Fall ist das Herausschneiden der (leeren) Drohnenzellen etwas schwieriger, aber mit einem in heißem Wasser (oder kurz in die Tülle des Smokers gesteckten und so) erhitzten Messer sollen sich die Drohnenzellen auch bei gedrahteten Rahmen leicht ausschneiden lassen. Waben, die völlig mit Drohnenzellen ausgebaut sind, lasse ich, wie sie sind. Ebenso lasse ich Rahmen, die nur am Rand ein paar Drohnenzellen aufweisen, unangetastet. Allerdings brauche ich auch ausreichend viele reine Arbeiterinnenzellenwaben für Jungvölker und BR-Erweiterungen im Frühjahr. Also schneide ich im Herbst, wenn die Waben leer sind, bei Waben mit schönen Arbeiterinnenzellen breitere Ränder mit Drohnenzellen heraus.

Nachtrag 29.3.11: Test mit ungedrahteten flachen Rähmchen mit Anfangsstreifen auch im HR. Werden die Honigwaben in diesen flachen Rähmchen, bei denen die Seitenteile dieselbe Breite wie Ober- und Unterträger aufweisen, in die Schleuder gelegt, liegen sie flach ans Gitter der Schleuder an und bleiben beim Schleudern heil - so meine Hoffnung. HW in Hoffmannsrähmchen stehen oben ja vom Gitter der Schleuder ab, was zu Wabenbruch führt. Es wäre eine erhebliche Arbeitserleichterung, wenn ich die Rähmchen nicht mehr drahten müsste. Ich könnte dann auch leichter HW in den Brutraum hängen und umgekehrt. Auch das Herausschneiden von Drohnenbrut geht leichter, als bei gedrahteten Rähmchen - falls man überhaupt Drohnenwaben herausschneiden will. Außerdem ist das Reinigen ausgeschmolzener Waben leichter.

6.6.11: Dieser Test ging gründlich in die Hose. Da mein Schleuderraum bei Sonnenschein sehr warm wurde, sind die ungedrahteten Waben, zumal die meisten nicht bis zum Unterträger der Rähmchen reichten, allesamt zerbrochen und große Wabenteile blieben an der Innenwand der Schleuder hängen. Es gab eine riesige Sauerei , eine Pampe aus Honig und Wachs.

Schwarmzellenkontrolle: 6.6.2011: Nach mehrern Jahren des Sammelns eigener Erfahrungen kann ich nun sagen, dass dieser riesige Aufwand, alle 9 Tage sämtliche Waben nach Weiselzellen zu durchsuchen, unnötig ist, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind: Man hat keine 50-Euro-Edelkönigin gekauft, deren Verlust (beim Schwärmen) man unbedingt verhindern muss. Wer mit dem Gedanken an Varroatoleranzzucht imkert, hat nichts gegen eine Beschleunigung des Generationenwechsels der Weiseln einzuwenden. Die Honigverluste wegen gelegentlichen Schwärmens des einen oder anderen Volkes hält man in Grenzen, indem man einfach ein paar Völker mehr halt. Wenn man darauf achtet, dass die Kö stets genug Platz zum Stiften hat, entsteht nur selten Schwarmlust. Ich habe immer rechtzeitig ausgebaute Leerwaben in den BR gehängt und Honigwaben vom Rand des BR in den HR hochgehängt. Außerdem gibt das Imkern ohne Absperrgitter der Kö immer genug Raum, sodass ein Schwärmen unwahrscheinlich ist. Ich habe jedenfalls mit dem Schwärmen überhaupt keine Probleme und verzichte seit 2011 auf diese wöchentlichen Schwarmzellenkontrollen.

Dunkle Brutwaben: Müssen an den Rand der Zarge verschoben und entnommen werden, sobald sie brutfrei sind.

Nachschaffungszellen brechen bei Brutablegern: Die Bienen legen bei Brutablegern meist mehrere Schwarmzellen an. Man bricht gern alle außer einer heraus. Ich meine, dass das nicht nötig ist. Die Bienen wissen am besten, welche Kö die beste ist. Sollte man vllt ganz auf Brutableger verzichten und ausschließlich Schwarmvorwegnahme machen?

Folie auf den Rähmchen der obersten Zarge: Ist sinnvoll, aber ich verzichte während der Trachtzeit darauf, weil ich das Flugloch im Deckel freihalten möchte, damit die Bienen den Honig besser trocknen können. Auch beim Füttern muss ich, je nach Methode, die Folie entfernen. Im Winter ist sie gut, weil sie Kondenzwasser sammelt, das die Bienen aufnehmen können. Das Kondenzwassser kann jedoch zu verschimmelten Randwaben führen, weswegen viele Imker die Folie auch im Winter lieber weglassen. Die "endgültige" Antwort auf die Frage "Folie - ja oder nein" muss ich leider schuldig bleiben. Im Winter 2010/2011 hatte ich keine Folie aufgelegt. Die Waben sahen im Frühjahr wesentlich besser aus, als im Vorjahr, als ich die Bienen mit Folie überwintern ließ.

Fütterung mit Zuckerwasser oder käuflichem Flüssigfutter: Provisorium. Ich muss erst einmal herausfinden, wieviel Honig ich verkaufen kann. Dann werde ich versuchen, so viele Völker zu halten, dass ich genug Honig zum Verkaufen habe und die Bienen auf Honig überwintern kann. Trotzdem sehe ich in der Fütterung mit Flüssigfutter derzeit kein Problem.

Umlarven: Ich halte nichts von der Idee, Königinnen am Fließband herzustellen.

Künstliche Befruchtung: Ich bin strikt dagegen, dass die Biene existentiell törichten ("wissenschaftlichen") Vorstellungen und aktuellen Moden unterworfen wird.

Auslese auf Stechunlust: Möglicherweise sinnvoll. Der Imker/Mensch ist kein Feind der Biene. Wir brauchen freundliche Bienen. Allerdings kann Stechlust vom Wetter (Gewitterschwüle) hervorgerufen sein und muss nicht erblich bedingt sein. Es könnte also ratsam sein, es beim Hantieren am Bien etwas ruhiger angehen zu lassen, einen weißen Kittel überzuziehen, statt in schwarzen Klamotten zu arbeiten und etwas Rauch zu geben. Ich hege zudem den Verdacht, dass zB ein zugiger Standort oder andere ungünstige Umgebungsbedingungen die Bienen aggressiv macht. Also nicht gleich umweiseln. Solange ich keine varroaresistenten Bienen habe, selektiere ich nicht auf Friedlichkeit.

Stilles Umweiseln ermöglichen: Da ist zwar mit Honigeinbußen verbunden, ist mir trotzdem ein sehr sympathischer Gedanke. Mein allererstes Volk, das ich 2007 kaufte, hat dieses Jahr 2010 still umgeweiselt. Statt 30 kg Honig gibt es dieses Jahr nur vllt 10 kg, aber was solls? Ich habe nun eine wunderbare neue Königin in Volk 1. Man kann Schwarmzellen von Weiselzellen, die ein stilles Umweiseln vorbereiten, voneinander unterscheiden. UZ: weniger als 10, nahe beieinander, im mittleren bis oberen Brutwabenbereich. SZ: mehr als 10, im gesamten BR verteilt, im unteren Bereich der BW.

Varroabekämpfung: (22.04.13): In den offiziellen Empfehlungen wird nach der letzten Honigernte eine viermalige Ameisensäure-Behandlung (60 %ig) plus einer einmaligen Oxalsäurebehandlung im Dezember genannt, und die neueste Entwicklung ist eine Erhöhung der AS-Behandlung auf fünf. Ich gehe den umgekehrten Weg: Im Jahr 1 nach Beginn der Resistenzzucht nur 3 x AS, keine Os, und nun 2013, 2 x AS auf Schwammtuch im Abstand von 10 Tagen. Sollten mehr 3/4 aller Völker überleben, wird um eine Behandlung reduziert.

Drohnenbrut herausschneiden

Um die für Widerstandskraft gegen Krankheiten wichtige Volksharmonie nicht zu stören, schneide ich in der Regel keine Drohnenbrut. Fehlt den Bienen Drohnenbrut, versuchen sie den Mangel durch neue Drohnenbrut zu beheben, was auf Kosten von Arbeiterinnenbrut geht. Im Rahmen meiner Varroatoleranzzucht schneide ich jedoch bei stark varroabelasteten Völkern, die keine Resistenzeigenschaften aufweisen, die Drohnenbrut heraus, um zu verhindern, dass ihre Drohnen ihr Genom an die anderen Völker weitergeben.

Standbegattung:

Die einzige für mich infrage kommende Methoden der Völkervermehrung - ob Brutableger, Schwarmvorwegnahme oder Königinnenableger - sind mit der Standbegattung der Jungköniginnen verknüpft. Außerdem gehört zur Landbienenhaltung, die Wert auf die Möglichkeit der Herausbildung und Existenzsicherung von Ökotypen (Unterrassen) legt, dass auf Bienentransporte (Kauf, Verkauf, Wandern) über 25 km verzichtet wird.

Wahl der richtigen Bienenrasse:

In Ruttners "Naturgeschichte der Honigbiene", aber auch an vielen Stellen des Internetzes sind Karten mit den Verbreitungsgebieten der Ökotypen (Unterrassen) zu finden. Jeder Imker sollte die Biene halten, die naturgemäß in dem Gebiet, in dem er imkert, beheimatet ist oder war. Diese Forderung stellt in vielen Weltgegenden ein zunehmend größeres Problem dar, da in fast allen Ländern die Haltung heimischer Bienen zugunsten von m. ligustica, m. carnica oder der Buckfastbiene vernachlässigt wird. Besonders schwer ist die Forderung bienengemäßen Imkerns in Deutschland zu erfüllen, da ausgerechnet im Kernland der Dunklen Biene (mellifera mellifera germanica (pollmann) oder auch mellifera mellifera mellifera) ebendiese am erfolgreichsten ausgerottet wurde und nun über ehemalige Randgebiete ihres einstigen riesigen Verbreitungsgebietes wieder eingeführt werden muss. Wir sollten auf jeden Fall zur Dunklen Biene zurückkehren, und solange es (durch den Kauf reinrassiger Dunkler Bienen) nicht möglich ist, wenigstens Landbienenhaltung betreiben, da diese Betriebsweise die natürliche Herausbildung der Grenzen zwischen den Ökotypen ermöglicht. Lt. Wolfgang Golz entwickeln sich bei konsequenter Landbienenhaltung die heute noch Carnica-nahen Bienen in Deutschland nach einigen Generationen zu melliferanahen Bienen. Auch nach der Wiedereinführung der Dunklen Biene sollte die Landbienen-Betriebsweise beibehalten werden, da nur so Akklimatisation und Stabilisation von Ökotypen möglich ist.

Wird fortgesetzt.

Wer weitere Eintragungen machen möchte, schreibe sie als "Antwort" unten auf. Wir werden dann gemeinsam diskutieren, ob der betreffende Vorschlag in diesen ersten Beitrag, diese Liste hier, aufgenommen wird.
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Re: Bienengerechtes Imkern

Beitragvon Mannfred » Mo 21. Jun 2010, 13:27

Das Vermögen und die Eigenschaften eines Volkes kommen am Besten bei ungestörtem Verlauf der Entwicklung zur Geltung. Schröpfen, verstärken, umhängen von Waben oder Zargentausch sind imkerliche Praktiken, die störend wirken. Im Kern ihres Wesens sind Bienen für mich nutzbare Tiere, deren Instinktsicherheit und Angepasstheit an regionale Bedingungen ihnen das Überleben sichert.
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Re: Bienengerechtes Imkern

Beitragvon hanjoheyer » Mo 21. Jun 2010, 22:01

Richtig! Aber wir leben sozusagen in einer Symbiose mit dem Bien: Wir geben ihm eine Behausung und bekommen dafür Honig. Würden die Bienen keinen Honig liefern, würden wir sie behandeln, wie zB Solitärbienen oder Hummeln. Wir würden nicht einmal ihren Namen kennen und bestenfalls ein einziges Volk halten. Ich bin nicht zuletzt deshalb so naturverbunden, weil sich diese Verbindung als gegnseitiges Geben und Nehmen zeigt.
Die Bienen wollen eigentlich nur eines: überleben. Um zu überleben, opfern sie fast alles: ihre Drohnen, die nach einiger Zeit vertrieben oder gar umgebracht werden; auch die kurze Lebenszeit der Arbeiterinnen dient dem Überleben dees Volkes. Wenn ich ihnen Wohnung und Nahrung für den Winter garantiere, darf ich auch ihren Honig haben. Ich denke, die Bienen würden das Geschäft mit mir machen.

Mir geht es kaum anders: Auch ich will überleben und das geht nur, indem ich mich in die Natur einfüge. Die Alternative, mich den Mächtigen zu versklaven - einen Lohnjob zu machen - kommt nicht mehr in Frage. Ich bin froh und glücklich - irgendwann, vielleicht - von den Bienen leben zu können - und die Bienen von mir.

Um unser Zusammenleben zu verbessern, darf die Bienen auf Sanftmut gezüchtet werden. Schließlich bekämpfen wir sie nicht; sie muss uns nicht stechen. Da wir nicht unendlich viele Beuten für sie bauen können/wollen, dürfen wir auch den Schwarmtrieb dämpfen, auch weil es nur dann Honigernten für uns gibt. Bienen müssen sich auch nicht so stark vermehren, weil wir ihnen ja ihr Überleben erleichtern. Ich biete 20 Völkern eine Überlebensmöglichkeit; also darf ich ihr Schwärmen bändigen. In freier Natur haben sie sowieso keine Chance.

Reinzucht, Belegstellen, künstliche Befruchtung, positive Auslese - das ist für mich eine Vergewaltigung, denn hiermit schützen wir nicht den Bien, sondern manipulieren ihn zu Ungunsten seiner eigener Interessen.

Auslese auf Friedlichkeit und Schwarmunlust - das sind die einzigen formenden Eingriffe, die die Symbiose Mensch-Biene verstärken.
Wohnung gegen Honig ist sozusagen die Geschäftsbeziehung.

Jetzt kommt die Varroamilbe ins Spiel. Ohne uns Menschen hätte der Bien längst eine Antwort auf die Bedrohung gefunden. Seine Methode: 99 % aller Völker wären gestorben; ein Prozent hätte überlebt, sich vermehrt, und von diesen Völkern wären dann nur noch 80 % gestorben usw. bis die Bienen durch ihre Opfer eine Milbe "gezüchtet" hätten, mit denen sie hätten zusammenleben können.

Der Mensch aber lässt diese Reaktion nicht zu. Die Behandlung des Biens mit Ameisensäure verhindert dies und verschärft langfristig das Überlebensproblem, denn die Arznei stärkt die Milbe und schwächt die Biene. Die Bienen würde diesen "Krankenversicherungsvertrag" mit uns nicht abschließen, ebensowenig wie den Vertrag "Reinzucht" oder "Belegstellen".

Anm. 16.9.10: Die "normale" Behandlung des Biens mit AS, also viermalig und öfter im Abstand von 5 Tagen und einmalig Oxalsäure im Dezember verschärft das Überlebensproblem. Deshalb suche ich nach einer besseren Methode, und die lautet derzeit (22.4.13) 2 x AS, kein Os.

Anders die "technischen" Varroabehandlungen wie Drohnenwabenschneiden oder Entnahme aller Brutwaben. So etwas machen die Bienen selbst, wenn sie an Brutkrankheiten leiden: sie verlassen das Nest und lassen die Brut im Stich. Ihre Drohnen behandeln sie selbst nicht immer gut. Wenn Drohnen mehr schaden als nützen, werden sie vertrieben und getötet. Wenn die Milben einem Volk schaden, und wir entnehmen Drohnenwaben und Arbeiterinnenbrutwaben - die Bienen würden das freiwillig mitmachen, weil sie selbst sowieso schon ähnliches tun.

Was ich nun mache, ist der Versuch, für die Bienen das Beste zu tun. Muss ich nun 99 % aller Bienen sterben lassen - was die Milben milder züchtet - oder gibt es bessere Wege, trotz Milbe zu überleben? Wie können wir die Bienen behandeln, ohne dabei zu verhindern, dass sie eigenständig Varroaresistenz entwickeln. Wie erreichen wir, dass die Milben weniger aggressiv werden?

Ich darf den Bienen nicht so viel helfen, dass auch die Anpassungsunfähigsten überleben. Meine Idee ist, zB nur einmal alle Brutwaben zu entnehmen und nicht zweimal wie Lau empfiehlt. EINE Entnahme aller verdeckelten Brut reicht vllt bei 50 % aller Völker nicht, um das Überleben zu garantieren, aber das ist besser, als ein Sterben von 99 %. Bei Brutstopp durch Schwarmvorwegnahme (Mai) und einmaliger Entnahme aller Brutwaben (Juli) - beispielsweise - könnten vllt 75 % aller Völker den Winter überleben. Damit können auch wir Menschen leben, denke ich.

(22.4.13): Ich verzichte jedoch auf diese biotechnische Methode. -
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Re: Bienengerecht Imkern

Beitragvon Mannfred » Di 22. Jun 2010, 01:00

Was ich mache, ist sowenig wie möglich zu tun. Das ist für die Bienen das Beste.

So vermenschlicht betrachtet, wär das für mich kein akzeptables Dasein, wenn da ein ganz Großmächtiger käme, mich an einen Ort und ein Quartier seiner Wahl verfrachtet, dann regelmäßig das Dach vom Haus nimmt, alles durchkramt, die Möbel verstellt, mir Speck und Käse aus der Speisekammer fort und dafür Fastfood vor die Tür stellt. :shock:

Der Bretschko wurde dazumal von der Imkergemeinde recht abgelehnt, als er den Begriff Stress in die Diskussion brachte. Mit unseren Kistln mildern wir grad mal die ärgste Wohnungsnot. Ob die sooo optimal sind und der Erstarkungsbetrieb aus bienlicher Sicht der Entwicklung förderlich oder hinderlich, ist wieder ein eigenes Kapitel. Was wir da imkernd machen, ist eine Form von Kultur und mit der stehts im Großen und Ganzen, wenn wir den Blick im Flugkreis schweifen lassen wirklich nicht zum Besten. Die systematische systemische Vergiftung weitet sich zunehmend aus und wir stehen vor unseren Kisten und wiederholen mantramäßig was man uns vorbetet: Varroa, Varroa, Varroa, Nosema ceranae und bekämpfen, bekämpfen, bekämpfen.

Herzliche Grüße Mannfred
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Re: Bienengerechtes Imkern

Beitragvon hanjoheyer » Di 22. Jun 2010, 22:18

Volle Zustimmung!

Auch ich möchte möglichst wenig störend in ein Bienenvolk eingreifen, möchte nur das Allernötigste tun. Aber ich möchte auch Honig ernten, sonst hätte ich ja auch zB Ameisen halten und vermehren können (was ich auch schon gemacht habe mit der Lasius Niger), was mich billiger gekommen wäre. Ich habe 20 Bienenvölker und habe ein paar 1000 Euro in die Imkerei gesteckt. Das hätte ich sicher nicht gemacht, wenn ich mir vor der Investition nicht einen kleinen Gewinn durch den Honigverkauf ausgerechent hätte.

Ohne mich hätte es in meiner Heimat keine Bienen gegeben. Dank meiner Hilfe gibt es jetzt immerhin 20 Völker. Ich denke, die Bienen hätten mit mir das Geschäft "Wohnungen gegen Honig" gemacht. Um Honig zu ernten, muss man das Schwärmen zT verhindern oder lenken. Ich habe bisher pro Volk nur 6 kg Honig im Schnitt geerntet. Die Bienen wären im Winter verhungert, wenn ich sie nicht gefüttert hätte. Dieses Jahr ist das erste, in dem ich einmal einigermaßen zufriedenstellende Ergebnisse habe, 12 kg Frühtracht pro Volk im Schnitt. Die Völker in den Trogbeuten haben fast nichts gebracht. Ich werde die Völker in den Trogbeuten demnächst in normale Beuten unquartieren und die Trogbeuten zum Wabensammeln nehmen. Das still umgeweiselte Volk hat auch nix eingebracht. Ergo habe ich von 7 Völkern 82 kg Frühtracht geerntet. 10 kg wurden mir geklaut (jemand hat die HZ eines Volkes abgeschleudert und die leere Zarge wieder aufgesetzt).

Gäbe es die Milbe nicht, wäre meine Betriebsweise sehr einfach. Im Frühjahr werden alte Waben entnommen und eingeschmolzen, neue Rähmchen mit Anfangsstreifen eingehängt, die Beuten bei Bedarf Schritt für Schritt um Zargen erweitert. Setzt ein Volk Schwarmzellen an, wird Schwarmvorwegnahme gemacht. Dann wird der Honig abgeschleudert und mit ApiInvert gefüttert. Fertig.

Erst durch die Milbe wird alles so furchtbar kompliziert. Am liebsten würde ich gar nichts machen, aber dann ginge es mir wie jenem Imker, der fast alle Völker der Milben wegen verlor.
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Re: Bienengerechtes Imkern

Beitragvon Mannfred » Mi 23. Jun 2010, 09:10

Grüß Dich, Joachim

Der Beitrag, den Bienen als Botinnen der Fruchtbarkeit für den Erhalt einer blühenden Landschaft leisten, ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Ein summender, brummender, duftender Bienenstand ist einfach was faszinierendes. Gestern ist mir mitten in der Arbeit am Bienenstand ein Kind aus der Nachbarschaft reingeschneit. "Stechen mich die ? " - "Recht unwahrscheinlich, die sind heute ganz gut aufgelegt" - "Darf ich zuschauen?" - "Ja gern, paß auf ich hole Dir einen Hut mit Schleier, dann bist ganz sicher" - "Macht das Spaß, so mit Bienen arbeiten" - "Ich hab' mit zwölf Jahren meine ersten Bienen gehabt und es macht mir immer noch Spaß." - usw. War ganz vergnüglich, und da Bienen gerade Thema in der Schule sind, ist die Kleine heute sicher der Star in der Runde. Begeisterung ist ansteckend und life ist life.

Der Schwarmtrieb, den ich nicht missen will, läßt sich auf einfachste Weise überleiten in den Erhaltungstrieb:

http://www.beesource.com/files/wright-nectar101-1.jpg

Das Prinzip ist watscheneinfach. Sorge dafür, daß bis zur optimalen Entwicklung des Brutnests zur Zeit der Apfelblüte, keine geschlossene Honigkappe über dem Brutnest vorhanden ist. Das Thema wurde leider in einem deutschen Imkerforum völlig vergeigt. Ich habe dazumal versucht, mich in die Diskussion einzubringen, nur da waren längst schon die falschen Bilder in den Köpfen. Selber denken scheint bei den Meisten der Forumsnutzer eine unbeliebte Sportart zu sein. :lol:

Der Bretschko war der Ansicht, daß die Milbe zum Gewissen der Imkerei werden wird.

Herzliche Grüße Mannfred
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Re: Bienengemäßes Imkern

Beitragvon hanjoheyer » Fr 2. Jul 2010, 12:44

Ich hatte diese Threads - ich glaube es ging um eine Methode namens Checkerboard (Schachbrett) oder so - ebenfalls gelesen und mir so meine Meinung gemacht.

Ich vermute, es geht gar nicht um das Auseinanderreißen der Honigkappe über der Brut, (indem an jede zweite Stelle im Honigraum Mittelwände oder Leerwaben zwischen die Honigwaben gehängt werden), sondern darum, dass die Bienen schwärmen, wenn der Brutraum verhonigt und für die Brut zu wenig Platz ist (die Kö nicht mehr genug leere Zellen zum bestiften findet). Wenn genug Brutraum da ist, kann die Honigkappe meiner Meinung nach ruhig geschlossen sein, und das Volk schwärmt trotzdem nicht. Bei mir ist erst ein einziges Volk geschwärmt, und die Ursache ist, dass ich es versäumt hatte, für ausreichend Brutraum zu sorgen wie bei den anderen Völkern. Das Volk war ein Stecher. Ich hatte es im Wald abgestellt und hatte keine Brutwaben für Ableger entnommen und durch Leerwaben oder Mittelwände ersetzt. Als ich die Situation entdeckte, war der ganze Brutraum verhonigt. Kein Wunder, dass ein Schwarm abgegangen ist.

Bei einigen Völkern hatte ich volle Honigwaben, sowie Waben mit viel Honig und etwas Brut aus dem Brutraum in den Honigraum gehängt, um Leerwaben in den Brutraum geben zu können, da ansonsten dort zu wenig Platz für Stifte wäre. Auch diese Völker setzten keine Schwarmzellen an, obwohl oben im Honigraum die Honigkappe geschlossen war.
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Re: Bienengemäßes Imkern

Beitragvon Mannfred » Fr 2. Jul 2010, 14:17

Grüß Dich Joachim,

Hat ein Volk das Vermögen, die Kraft,
daß es Zehrung bis ans Limit schafft,
füllt es mit Nektar den Raum
und dann hängts am Baum.

Aus einem Rührei
wird kein Hendl mehr.
Mit Deiner Rührerei
machst Du den Viechern
das Leben schwer.

Mittelwände früh im Jahr
fressen das Fett
das für die Brut da war.

Herzliche Grüße Mannfred
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Re: Bienengemäßes Imkern

Beitragvon hanjoheyer » Fr 2. Jul 2010, 18:38

Auch ich bin für ein möglichst bienenfreundliches Imkern, aber wenn man gar nichts macht, bekommt man auch keinen Honig. Ich halte es für völlig in Ordnung, den Bienen im Frühjahr Platz zu verschaffen für die Brut. Ich glaube, das gefällt auch den Bienen sehr gut. Viel Brut - viele Bienen - viel Honig. Wenn man die Bienen eng hält, schwärmen sie und man bekommt kaum Honig. Da die Schwärme keine Baumhöhlen finden, gehe sie allesamt kläglich ein.

Ich kümmere mich nun mal "rührend" um meine Bienen, aber ich denke nicht, dass ich in den Beuten herumrühre, nur weil ich Honigwaben aus dem Brutraum in den Honigraum hochhänge. Es ist genug Honig im Brutraum über den Brutfeldern. Die Pollenbretter, die auch viel Honig enthalten, lasse ich natürlich außen im BR hängen...

Wie bekommst du 40 kg Honig pro Volk, wenn du derartige Sachen nicht machst? Ich bin schon froh, wenn ich die Hälfte ernte.
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Re: Bienengemäßes Imkern

Beitragvon Mannfred » Fr 2. Jul 2010, 23:35

Grüß Dich Joachim,

Ich habe einen ausgeprägten Spieltrieb und aus diesem Grund meist verschiedene Betriebsweisen am Laufen. Allen gemeinsam ist, daß ich im Brutbereich keine Veränderungen vornehme und absperrgitterlos imkere.

In der Standard-Flachzargenbetriebsweise schaut das so aus, daß die Völker auf drei Flachzargen in den Winter gehen. War die letzte Tracht mager, habe ich mich bei der Raumgabe verspekuliert und das Brutnest sitzt zu hoch, dann könnens auch vier sein, damit der Himmel über Ihnen, eine Zarge voll Honig komplett ist.

Im März hebe ich dann die Zargen bis aufs Bodenbrett ab, die unterste mit den ältesten Waben wird beiseite gestellt, die verbliebenen in der gehabten Ordnung wieder aufeinandergestellt und eine Zarge mit ausgebauten unbebrüteten Waben wird draufgestellt.

Im weiteren Verlauf lupfe ich ab und an den Deckel und wenn sich die Gassen mit Leben füllten, wird eine weitere Zarge mit Waben draufgesetzt.

Ist mein Waben-Zargen-Vorrat zu Ende folgt je nach Situation eine Schleuderung oder eine Zarge Mittelwände. Solange die Sonne steigt, gehts hoch und dann gehts langsam wieder nieder. Von anfänglich 3 auf 5-6 und retour.

Bienen haben einen ausgeprägten Raumsinn, im Speicherbereich sind Veränderungen nicht so heikel, im Brutbereich sind sie stressig für die Viechers.
Laß Sie wachsen, wie Sie wollen und schöpfe oben aus dem Vollen.

Herzliche Grüße Mannfred
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