Varroabekämpfung 2011




Hier stelle ich die von mir bevorzugte imkerliche Betriebsweise vor. Kritik und Diskussion sind erwünscht.

Varroabekämpfung 2011

Beitragvon hanjoheyer » Do 5. Mai 2011, 05:52

Meine Milbenzählerei führt zu dem vorläufigen Ergebnis, dass Völker, die letztes Jahr nur relativ wenige Milben aufwiesen und dementsprechend als gut bewertet wurden, dieses Jahr mitunter schlechter abschneiden, als Völker, die letztes Jahr schlecht und dieses Jahr gut abschneiden. In folgender Liste sind Ableger und schwache Völker, die zB lange weisellos waren, gestrichen, da sie die Stastistik verfälschen würden.

Platz / 2010 / 2011

1 -- 11 -- 05
2 -- 01-- 01
3 -- 09 -- 09
4 -- 12 -- 06
5 -- 14 -- 14
6 -- 06 -- 12
7 -- 21 -- 08
8 -- 08 -- 11
9 -- 05 -- 21

Wir sehen, dass die Völker 01 und 09 in beiden Jahren gut abschneiden

Die Völker 12, 14 und 06 halten sich im Mittelfeld auf.

Die Völker 21 und 08 sind hinten mit relativ vielen Milben.

Die Völker 11 und 05 haben ihre Positionen extrem verändert: Volk 5 verbesserte sich vom letzten Platz auf den ersten;
Volk 11 verschlechterte sich von Platz 1 zu Platz 8.

Die Völker 5 und 11 sind statistische Ausreißer, die der Idee, die Rangliste könnte so etwas wie beginnende Varroaresistenz der "guten Völker" aufzeigen, widersprechen. V5 war letztes Jahr schlecht, wurde recht häufig mit AS behandelt und ist diese Jahr gut. Volk 11 war letztes Jahr gut, wurde wenig behandelt und schneidet dieses Jahr relativ schlecht ab. Zudem muss ich ständig an diese wissenschaftliche Untersuchung denken, die besagt, an den relativ varroaresistenten Gotlandvölkern sei kein aktives Varroaabwehrverhalten feststellbar. Das Überleben der Völker sei vielmehr durch eine geringere Vermehrungsrate der Milben ermöglicht.

Hier noch einmal der Link, auf den ich mich beziehe: https://www.uni-hohenheim.de/67724.html ... lsfid=2079

In diesem Thread wurde über diesen Link diskutiert: 94856264nx35755/imkerverein-1894-niederbrombach-f9/beobachtungen-am-volk-t60-s10.html#p506

Ich überlege, ob ich mich von der Schadschwellenmethode verabschieden und besser wie folgt vorgehen sollte:

Neue Methode: Minimalbehandlung

Ich gehe von der Standardbehandlung, die heute in Imkerzeitschriften von Experten empfohlen wird, aus. Hier sind 4 AS-Behandlungen nach der 2. Honigernte im Abstand von je 5 Tagen und eine Oxalsäurebehandlung im Dezember vorgesehen. Die Überlebensquote soll möglichst hoch sein.

Da ich auf Vorroaresistenz züchte, muss ich eine Behandlung wählen, die nur etwa 50 bis 70 % aller Völker überleben lässt. Die Schadschwellenmethode macht wegen der Milbenzählerei viel Arbeit und berücksichtigt nicht die wissenschaftliche Erkenntnis, dass man bei varroaresistenten Völkern kein aktives Abwehrverhalten feststellen konnte. Die neue Methode lässt nun völlig offen, wodurch das Überleben bzw. das Sterben von Völkern, die varroabelastet sind, zustandekommt. Die Methode soll einzig garantieren, dass nicht alle Völker sterben, aber auch nicht alle überleben, denn es muss eine Selektion stattfinden.

Nach der 2. Honigernte bzw. vor Beginn der Winterbienenproduktion werden ALLE Völker einmalig mit Ameisensäure behandelt. Das war's dann schon. Die aufwendige Milbenzählerei erübrigt sich.

Imker, die vorsichtiger beginnen wollen, könnten die Standardbehandlung, die 4 x AS und 1 x Ox vorsieht, im Laufe mehrerer Jahre schrittweise reduzieren. Sie könnten beispielsweise 2 x AS und 1 x Ox nehmen, und wenn mehr als 70 % der Völker den Winter überleben, im Folgejahr noch einmal wie zuvor 2 x AS + 1 x Ox nehmen und bei Erfolg im 3. Jahr nur beispielsweise noch 2 x AS und kein Ox oder 1 x AS und 1 x Ox. Hauptsache, die Überlebensquote beträgt zwischen 50 und 70 %.

Vorerst werde ich mit der Milbenzählerei weitermachen und meine Entscheidung, wie oft und womit ich behandele, hinauszögern, bis ich aussagekräftigere Ergebnisse habe. Schließlich ist es möglich, dass mir dieses Jahr noch etliche Völker zusammenbrechen. Dann würde ich (vorher) 2 x AS und 1 x Ox nehmen. Sollten die Völker bis zum August gut über die Runden kommen, würde ich zB auf die Ox-Behandlung verzichten. Ich könnte mich auch entscheiden, die Völker im Garten nur 1 x mit AS und 1 x mit Ox zu behandeln und die Völker an den Außenständen nur 1 x mit AS. Ich habe noch keine Ahnung, was ich zu riskieren bereit sein werde.

Ich muss ausprobieren, wie ich die Überlebensquopte von 50 - 70 % erreiche.
hanjoheyer
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Re: Varroabekämpfung 2011

Beitragvon irbis » Do 5. Mai 2011, 20:46

Hallo Joachim,

ich habe mir am Anfang auch den Kopf darüber zerbochen, wie diese Wildvölker, mit allen Drohnen drin, denn so munter leben können.
Nun, wir hören, dass die Bienen ohne Behandlung mit Milben ganz gut überleben, an anderer Stelle, dass sie recht flott "resistent" werden. Das könnte einen auf die Idee bringen, dass das Ursache - Wirkungs - Paar: Varroa - Behandeln vielleicht so nicht stimmt.

Wir haben auch gelesen, dass die "resistenten" Völker nicht so viel Ertrag bringen. Was könnte nun das eine mit dem anderen zu tun haben, warum "bringen" die Bienen weniger, wenn man sie einfach nicht behandelt?

https://www.uni-hohenheim.de/67724.html ... ublikation

oben rechts - Poster download

Diese Fragestellung ist seit den 80er Jahren geklärt, und kann - wissenschaftlich - nur als Unterhaltungsprogramm gewertet werden. Die Funktion von Juvenilhormon u. verschiedener Fettsäuren im Verhalten der Milbe ist schon lang dokumentiert. Wie kommt es, das diese Leute immer wieder dasselbe aufwärmen können, ohne zu befürchten, dass irgendwer das beanstandet.

Wir wissen nun, dass die Drohnen einen erklecklichen Anteil der Ernte verputzen würden, in großen Völkern würde eine anteilsmäßig hohe Zahl produziert werden. Wie ich beobachten konnte, schmausen da nicht nur die eigenen, denn die müssten wohl gleich aussehen - tun sie aber nicht, müssen daher fremde Drohnen sein. Die werden freundlich empfangen, eingelassen und verköstigt. Wenn nun alle die Drohnen drinließen - hui. Und wenn da noch Wildvölker wären, die sich natürlich genauso bedienten, wären die tollen Züchtungen gleich weniger toll.
Aus diesem Grund ist mir verständlich, warum sie entfernt werden, das ist auch zu berücksichtigen, nur möchte ich mir nicht aufs Auge drücken lassen, es wäre im Dienste gegen Varroa. Die Milben waren ursprünglich auf die Drohnen fixiert, und wie ein user im anderen Forum berichtet, gab es "rote Drohnenwaben", vor lauter Milben. Er merkte weiters an, dass in den letzten Jahren in seiner Umgebung keine Milben mehr in Drohnen gefunden wurden - nur in Arbeiterinnen. Was Milben in Drohenzellen tun, ist für den Fortbestand egal, und parasitierte Drohnen gelangen nicht zur Verpaarung.

Dieses Patent
http://www.wipo.int/pctdb/en/wo.jsp?WO=2000065907

sagt aus, dass sich die Milben weltweit seit den 60ern verbreitet hätten, gemeinsam mit den Ölsaaten. Die Milbe wird als Folge einer beständigen Unterernährung gewertet, verursacht durch rein profitorientierte Völkerführung einerseits, durch Mangelernährung andererseits. Er behebt das durch Zufuhr vom Spurenelementen aus Kieselalgen, da ohne diese Spurenelemente eine gesunde Entwicklung der Larven nicht möglich sei. Alles in allen für mich recht einleuchtend.

Das Tüpfelchen auf dem i war für mich, dass ich in zweitausend Jahren alten Texten rumstöbern muss, um auf die Idee zu kommen, dass die vermeintlich toten Bienen wieder eventuell aufwachen - und tatsächlich, sie tun es. Und schaut man weiter, weiß man es ja eh, man sagts nur nicht. Da fühlt man sich behandelt wie ein Tölpl.

Aus diesem Grund, und anderen, ist mein Vertrauen in die Bienenforschung und in das, was mir irgendjemand sagt, auf null geschrumpft. Wir fangen einfach wieder bei null an, beim freilebenden Bienenvolk.
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Re: Varroabekämpfung 2011

Beitragvon Mannfred » Fr 6. Mai 2011, 06:32

Grüß Euch,

Ein behandeltes Volk ist und bleibt, was sein mikrobielles Symbionten-Milieu betrifft ein Nackerbatzl.

Entweder - oder. Beim Arsch oder beim Goder.

Ein bissl behandeln ist kontraproduktiv, wenn ich Völker, die es selbst schaffen, anstrebe.

Herzliche Grüße Manfred
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Re: Varroabekämpfung 2011

Beitragvon hanjoheyer » Fr 6. Mai 2011, 09:26

Also gut: Im Gartenstand (12 Völker) wird wie angekündigt, minimalbehandelt, damit mir nicht alle Völker wegsterben und ich von dort aus die sinkenden Bestände an den Außenständen jedes Jahr wieder auffüllen kann, bis ich endlich ein resistentes Volk habe.

An allen 4 Außenständen (mit je 2 Völkern) + 2 Ableger wird gar nicht mehr behandelt!

In den nächsten Tagen werde ich dies in "Meine Betriebsweise" einarbeiten.

Ich danke euch - Mannfred und Irbis - für die vielen, wichtigen Beiträge in diesem Forum. Ohne euch würde ich heute noch im Dunkeln tappen.
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Re: Varroabekämpfung 2011

Beitragvon irbis » Sa 7. Mai 2011, 19:49

Hallo Joachim,

ich denke, Du wirst überrascht sein, wie geschwind sich Erfolge einstellen. Hoffentlich hast Du Kollegen, die Deinem Vorhaben wohlwollend gegenüberstehen?
Geh nicht davon aus, dass sie Dir wegsterben - die Bienen werden schon genug totgeredet. Die halten schon was aus, sind, wie wir sagen, "oodraht", das meint etwas zwischen listig und clever.
Bienen sind was Besonderes, aber das weiß eh jeder, der welche hat.

Alles Gute in den Hundsrück!

Irbis
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