Neue Idee einer biotechnischen Varroabekämpfung




Hier stelle ich die von mir bevorzugte imkerliche Betriebsweise vor. Kritik und Diskussion sind erwünscht.

Re: Neue Idee einer biotechnischen Varroabekämpfung

Beitragvon Mannfred » Mi 1. Sep 2010, 21:16

Bei den Ende Juli geteilten Völker hier im Garten zeigte sich heute folgendes Bild:

Unterer, aus Flugbienen, zugeschüttelten Jungbienen und Königin gebildeter Teil: alle in Brut, schöne mittelstarke Völker. Vorrat teilweise ergänzungsbedürftig.

Oberer, über Folie gesetzter Volksteil mit aller Brut: nur 60% in Brut, alle mit reichlich bis überreichlich Vorrat.
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von Anzeige » Mi 1. Sep 2010, 21:16

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Varroasituation

Beitragvon hanjoheyer » Fr 10. Sep 2010, 11:49

Die derzeitige Varroasituation ist folgende:

Die starken Wirtschaftsvölker, von denen ich den meisten Honig geerntet habe, hatten auch die meisten Milben auf der Bodeneinlage. Deshalb behandelte ich sie bisher 3 x mit AS, je 2 ml pro Wabe.
Bei den Ablegern wurden fallen täglich zwischen Null und drei Milben und werden vorerst nicht behandelt.
Der eingefangene Schwarm erreicht nun leider die Schadschwelle von täglichen 10 Milben und muss wohl auch noch behandelt werden.

Die während der Saison zurückgebliebenen Völker, zB V11, V2 und V12, von denen ich kaum Honig erntete, haben erstaunlich wenig Milben. Auch das still umgeweiselte V1 liegt noch unter der Schadschwelle, obwohl es inzwischen wieder zu den starken Völkern zählt.

Die Temperaturen liegen um 17 Grad und die Luftfeuchte ist wohl auch recht hoch. Trotzdem scheint die AS-Behandlung noch zu funktionieren, denn bei den Völkern 5,6, 8 und 13 fielen zwischen 100 und 250 Milben. V13 wurde am 6.9. behandelt. Es fielen 500, 200, 150, 100 Milben.
V5 wurde am 8.9. behandelt. Es fielen gestern 500 und 100 Milben heute.
Die anderen Völker wurden gestern behandelt und es fielen etwa 100 bis 150 Milben.
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Re: Neue Idee einer biotechnischen Varroabekämpfung

Beitragvon Mannfred » Mo 13. Sep 2010, 06:50

Die Tendenz, daß Brutmenge und Anzahl der Brutzyklen sich im Ausmaß des Varroabefalls wiederspiegeln, ist klar gegeben.

In der Literatur findet sich immer wieder die Angabe und Annahme einer Verdoppellung der Varroapopulation im Stock pro Brutzyklus. Da kann ich mir einfach mit ein paar Zahlenspielereien ein Bild der Dynamik machen. Wir hatten heuer ein "spätes Jahr" , ein uneingeschränkt durchbrütendes Volk wäre somit unter den Bedingungen hier zur Zeit im 8. Brutzyklus.

Unter Zugrundelegung der Annahme einer Verdoppelung der Varroen pro Brutzyklus also demnächst 1,2,4,8,16,32,64,128fach über der Ausgangssituation.

Ein nach Vollendung des 2. Brutzyklus gebildeter vorweggenommener Schwarm startet demnach mit maximal der Hälfte der Ausganspopulation des Muttervolkes und hätte demnach jetzt rein rechnerisch das 0.5,1,2,4,8,16 fache an Milben intus.

Die nochmalige Teilung der Völker Ende Juli nimmt der Entwicklung nochmals die Spitze. Soweit die Theorie. Was sagt die Praxis? - Die bestätigt sie - ich sehe im Moment geringen Abfall von MIlben aus den Völkern. Die sind in guter Verfassung, halten immer noch ihre Drohnen, gestern hat es wieder ordentlich gebrummt, und ich bin recht zuversichtlich, daß mir die Bienenvölker bei dieser Behandlung ohne Behandlungsmittel zum Großteil am Leben bleiben.

Herzliche Grüße Mannfred
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Re: Neue Idee einer biotechnischen Varroabekämpfung

Beitragvon hanjoheyer » Mo 13. Sep 2010, 09:40

Da die Jahreszeit bereits weit fortgeschritten ist und biotechnische Verfahren JETZT nicht mehr begonnen werden können, entschied ich mich, die stark befallenen Wirtschaftsvölker mit AS zu behandeln - s.o.. Auch auf meinem "Varroastand", einen willkürlich ausgewählten Bienenstand, an dem ich keine Behandlung durchführen wollte, stellte ich an einem Volk (V6) einen erhöhten Milbenbefall fest. Ich wollte nun nicht an meinem Dogma "Varroastand" festhalten, was den Verlust dieses Volkes zur Folge gehabt hätte. Also behandelte ich und überlegte mir, was künftig am klügsten zu tun sei.

"Integrierte Varroabekämpfung"

In Anlehnung an den "Integrierten Pflanzenschutz", bei dem zB Obstplantagen nicht mehr blind gespritzt werden wie noch in den 70er Jahren, sondern bei dem sorgfältig die Zahl der Schädlinge pro Baum festgestellt und erst nach Überschreiten einer vorgegebenen Schadschwelle mit einem Pestizid behandelt wird, nenne ich die Varroabekämpfung, die ebenfalls Schadschwellen berücksichtigt, "Integrierte Varroabekämpfung".

Die Völker 5,6,8,9,13,14,21 überschritten die Schadschwelle von 10 gefallen Milben täglich und wurden mit AS behandelt: 2 ml Pro Wabe. Mehrmals hintereinander im Abstand zwischen 5 und 7 Tagen.

Bei V9 fielen nach 2 maliger Behandlung insgesamt nur 140 Milben; bei V13 hingegen 1460. Obwohl V9 behandelt wurde, ist zu sehen, dass dieses Volk möglicherweise besser gegen die Milben ankommt, als das vegleichbare V14. V11 - auch ein Wirtschaftsvolk, allerdings brachte es nur wenig Honig, hat bei nur einmaliger Behandlung in 11 Zählungen zusammen nur 51 Milben verloren. V3, das geschwärmt hat und lange ohne Brut war, (die erste Jungkönigin kam vom Hochzeitsflug nicht zurück) hat bisher nur 8 Milben verloren.

Beim Ableger V16 fielen bisher 55 Milben; beim Ableger V20 nur 4. Um die Fehlerquote zu verringern, ölte ich die Bodeneinlagen ein. Nun konnten die Ameisen keine toten Milben mehr abtransportieren, aber die täglichen Zählergebnisse bleiben gleich: Bei V16 so um die 3-5 Milben, bei V20 meistens Null.

Mein Nachdenken hat ergeben, dass man zB eine Milbenbehandlung nutzen könnte, um den Resistenzgrad eines Volkes festzustellen. Was wäre, wenn ich zB nächstes Jahr jedes Volk einmal mit AS behandeln und am Milbefall dann entscheiden würde, welche Völker für die Varroaresistenzzucht in Frage kommen und welche nicht? Es würde sich dann deutlicher zeigen, ob V20 tatsächlich weniger Milben enthält, als V16.

Ich überlege zur Zeit ernsthaft, ab nächstes Jahr alle Völker einmal mit AS zu behandeln, und an der Zahl der gefallenen Milben wird entschieden, welche Völker für die Resistenzzucht verwendet werden. Die Hälfte meiner Völker mit den meisten Milben soll sich nicht weiter vermehren; die bessere Hälfte dafür um so mehr. Anschließend wird nur noch nach Überschreiten der Schadschwelle - 10 gefallen Milben täglich - behandelt. Auf diese Weise ist es möglich, die AS-Behandlung bei wenigstens einem Teil der Völker auf eine einmalige Behandlung zu reduzieren. Und vor allem: Man bekommt handfeste Zahlen in die Hand, die den Grad der Varroaresistenz der Völker beschreiben.

Völker, die mit einmaliger Behandlung überleben können, eigenen sich sicher besser zur Varroaresistenzzucht, als jene, die öfter behandelt werden müssen.

In 15 meiner 21 Völker liegen Bodeneinlagen, auf denen ich den Milben-Totenfall feststellen kann. Die 6 anderen Völker sitzen in vergrößerten Ablegerkisten oder durchgesägten Trogbeutenhälften mit je 15 Waben. Bei ihnen kann ich leider keinen Milbebefall zählen. Deshalb habe ich sie 2 mal behandelt und warte nun ab, was der Winter bringt. Ich hoffe dieses Jahr noch ein paar "richtige" Beuten bauen zu können, in die die provisorischen umgesiedelt werden können. (Ich habe dieses Jahr alle Ressourcen zur Vermehrung genutzt. Deshalb sind auch die Ablegerkisten besetzt. Allerdings schmolz ich mit einem heißen Draht die Böden von 3 Ablegerkästen ab, um die oberen Teile als 2. Zargen benutzen zu können. So habe ich nun "Ablegerkästen" mit je 12 Waben.)

Die anderen Völker habe ich zu Prüfzwecken je einmal behandelt. Die o.g. sieben Völker, bei denen die meisten Milben fielen, habe ich weitere 2 x behandelt. Es fielen insgesamt pro Volk zwischen 181 und 1460 Milben. Die restlichen acht Völker weisen zwischen 4 und 156 Milben auf. Sie werden nur dann behandelt, wenn sie die Schadschwelle überschreiten. Trotzdem sind sie im Vorteil gegenüber völlig unbehandelten, denn einmal AS haben ja auch sie bekommen. Da es jahreszeitlich spät mir erforderlichen Behandlungen werden kann, werde ich mir wohl auch Oxalsäure zulegen. Dann kann ich auch behandeln, wenn es für AS zu kalt geworden ist.

Ich habe meine AS im Rahmen einer Sammelbestellung erworben und hatte eine Menge bestellt, wie sie für meine Völkerzahl offiziell empfohlen wurde. Bisher habe ich nicht die Hälfte verbraucht. Es wäre ein echter Fortschritt gegenüber der konventionellen Imkerei, wenn ich mit weniger AS auskäme, als sie.

Um die Ableger GANZ ohne Behandlung lassen zu können, muss ich ab nächstes Jahr Schwarmvorwegnahme machen, statt Brutableger. Da ich dieses Jahr hauptsächlich Brutableger machte, sind die Ableger höher varroabelastet. Entnehme ich einem Volk zwecks Ablegebildung nur Bienen und Königin, sind die Ableger fast milbenfrei und brauchen hoffentlich gar keine Behandlung. V4 ist mein erster Schwarm, dem ich auf diese Weise entnommen habe. Das Restvolk von V4, das in V8 umbenannt wurde, hat sich eine Kö nachgezogen. V8 musste behandelt werden. V4 hat bis heute die wenigsten Milben aller Ableger.

Bei nichtresistenten Völkern - also bei jenen, die im Vorjahr das volle Behandlungsprogramm "genossen" hatten, werden im Folgejahr die Drohnen herausgeschnitten. Sie sollen sich ja nicht vermehren und auch ihre Gene nicht weitertragen. Die Völker aus dem Resistenzzuchtprogramm behalten die Drohnen. Da sie bei der Ablegerbildung ihre Könioginnen an die Ableger verlieren, erhalten die Völker des Resistenzprogramms eine Brutpause, die ebenfalls die Milben reduziert. Bei diesen Völkern wäre auch eine 2. Brutpause, wie Mannfred sie vorgeschlagen hat, sinnvoll. Dieses biotechnische Verfahren könnte helfen, dass die Schadschwellen nicht überschritten werden. Die Völker würden dann nur eine einzige AS - Behandlung erhalten.

Da ich von jedem nachzuchtwürdigen Volk einen Schwarm samt Kö abzweige, habe ich dann auch genug "überzählige" Völker, sodass etwaige Winterverluste berücksichtigt sind, denn: Der Winter ist immer noch der beste Zuchtmeister. (Überzählig heißt: Wenn ich nur 15 Völker haben will, aber samt Ableger auf 21 komme, sind 6 Völker überzählig. Ich habe sie erstellt, weil ich aufgrund meiner geringeren AS-Behandlung mit höheren Winterverlusten rechnen muss)
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Varroaresistenzzüchtung

Beitragvon hanjoheyer » Do 16. Sep 2010, 12:02

Biotechnische Verfahren sind möglicherweise geeignet, unsere Bienenvölker ohne medikamentöse Behandlung am Leben zu halten. Mir allerdings stellt sich die Frage, inwiefern sie auch geeignet sind, die Bienen varroaresistent zu machen. Wie erreichen wir, dass die Bienen milbenbesetzte Brut ausräumen und im Falle, dass sie selbst Milben tragen, den Stock verlassen und nicht zurückkehren? Oder: Wie bringt man den Bienen bei, den Milben die Beine abzubeißen (wie der österreichische Berufsimker Alois Wallner von seinen Bienen behauptet, dass sie es können)?

Die einzige Antwort, die mir einfällt, ist der Überlebensversuch: Man vermehrt seine Völker, behandelt sie nicht und hofft, dass das eine oder andere Volk überlebt. Ich fürchte nur, dass die Völker dann das häufige Schwärmen lernen, falls sie überhaupt überleben. Falls sie überleben, bringen sie jedoch dem Imker keinen Tropfen Honig.

Nun, wir können den Bienen das Überleben wenigstens etwas erleichtern, indem wir sie zB einmalig mit Ameisensäure (AS) behandeln (2 ml AS Pro Wabe). Dann überleben von 200 Völkern statt eines nun vielleicht 50. Diese Völker werden vermehrt, und da sie im 2. Jahr sicher mehr Milben aufweisen, als im ersten, als der Test bestartet wurde, mussen sie allesamt vllt 2 x behandelt werden. Ihre Ableger, die nach dem Verfahren der Schwarmvorwegnahme gemacht werden, müssen nur 1 xbehandelt werden, da sie kaum Milben enthalten. Erst mehrere Jahre später genügt vllt wieder eine einmalige AS-Behandlung.

Ich möchte also erreichen, dass wir die AS so einsetzen, dass ausreichend viele Völker überleben, aber nicht alle! Es muss eine Selektion gewährleistet werden. Dies garantiert, dass die Bienen allmählich varroaresistent werden. Der völlige Verzicht auf AS würde die Völker bloß ausrotten. Die regelmäßige viermalige Behandlung aller Völker wie in allen Imkerbüchern und -zeitschriften empfohlen, garantiert zwar das Überleben der Bienen uind gute Honigerträge, aber es findet keine Selektion statt, die die Biene gegen die Milben resistent macht.

Aus diesem Grund plädiere ich dafür, dass die Imker, ausgehend von der gewohnten Varroabehandlung mit AS, die AS-Menge, die sie verwenden, von Jahr zu Jahr senken, bis pro Jahr mindestens 20 % aller Völker an Varroose zugrundegehen. Besser als eine gleichmäßige Behandlung aller Völker wäre eine individuelle.

Dies gelingt durch Einführung von Schadschwellen. Ich habe mehr oder weniger willkürlich die Schadschwelle bei 10 Milben täglich, die auf die Bodeneinlage fallen, gewählt. Möglicherweise muss ich diese Zahl noch nach oben oder unten korrigieren. Ich habe nun alle meine Völker einmalig mit AS behandelt. Bei den Ablegern ist die Milbenpopulation noch so gering, dass dieses Jahr keine weitere Behandlung nötig werden wird. Die Wirtschaftsvölker stellen sich SEHR unterschiedlich dar. Die besten Völker, die sehr viel Honig einbrachten, haben weit über 1000 Milben insgesamt. Die hohen Zahlen ergaben sich durch täglich mehr als 10 natürlich gefallene Milben plus die gefallenen Milben nach mehreren AS-Behandlungen. Die nur einmalig behandelten Völker haben sehr viel weniger Milben, weil der natürliche Milbenfall geringer war, aber auch, weil sie seltener mit AS behandelt wurden. Die Zahlen sind nur bedingt vergleichbar. Würde ich ein Volk, das bisher nur einmal behandelt wurde, auch viermal behandeln, wäre ihr milbenfall wahrscheinlich höher - aber nicht immer wesentlich höher! Ich habe Volk 9, das nur täglich 3 Milben verlor, entgegen meiner Ratschläge zu Testzwecken ein zweites mal behandelt. Einen Tag nach der 2. Behandlung fiel keine Milbe. An den darauf folgenden Tagen 28, 35, 16, 15, 1. Es kamen nie die großen Milbenmengen der resistenzschwachen Völker zustande. Hier die Zahlen des Volkes mit der größten Varroabelastung: V13: Vor der ersten Behandlung: 20 Milben täglich. Dann AS-Gabe, dann: 100, 500, 200, 150, 150, 150, 150, 60 (AS-Gabe), 280, 250, 150.

Ich denke, diese Methode ist besser, als die bisher von mir propagierten.
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