Projekt Landbiene




Hier wird das "Projekt Landbiene" ausführlich vorgestellt. Verbesserungsvorschläge bitte im Unterforum "Diskussion des Projektes" veröffentlichen..

Projekt Landbiene

Beitragvon hanjoheyer » Mi 29. Apr 2009, 09:35

Vorwort:

11.4.2010: Gespräche mit hiesigen Imkern ergaben, dass die Ansicht vorherrscht, meine "Mission" sei unsinnig und unnötig, da wir die von mir angestrebte "Landbiene" bereits hätten. 90 % aller Imker hätten nie gezüchtet und ihre Weiseln nie zur Begattung auf die Belegstelle gebracht und sich nie Weiseln gekauft. Es gebe im Kreis Birkenfeld und Umgebung vielleicht vier Züchter, und die würden die meisten Reinzuchtweiseln nach Außerhalb verkaufen. Nun, ich denke, dass die Auswirkungen der Belegstellennutzung unterbewertet wird, denn jedes Jahr kommen im Schnitt 100 Weiseln zur Begattung zur Belegstelle. Das mögen nur wenige Prozent aller neugeborenen Weiseln des entsprechenden Jahres sein, aber "steter Tropfen höhlt den Stein"! Die Akklimatisation aller Bienen der Umgebung wird nach und nach zerstört; genetische Diversizität geht verloren. Der Kampf des Biens gegen die Varroamilbe wird behindert, da der "normal arbeitende" Imker die kleinen, aber sich summierenden Erfolge des Biens in diesem Kampf nicht bemerkt; die Züchter selektieren mit anderen Intentionen.
Hinzu kommt die Unsitte leider zu vieler Imker, sich alle paar Jahre eine Reinzuchtkönigin zu gönnen, um das Blut ihrer Bienen, das offenbar nach ein paar Jahren des Nichtstuns (des Imkers) abgestanden ist, aufzufrischen.

16.10.2010: Außerdem ist es mein Anliegen, die vorbildliche Pionierleistung unseres verdienstkreuzbehangenen Bruder Adams (Karl Kehrle) zu relativieren. An alles hat der Mann gedacht, nur nicht daran, dass die Bienenrassen, die er aus aller Welt gesammelt und in in seine Buckfastbiene eingekreuzt hat, lokal angepasste, also akklimatisierte - Bienen waren. Nur seine "Bucky" war und ist genau das nicht! Wenn er an italienischen, griechischen, ägyptischen oder den Bienen aus den Oasen der Sahara Vorzügliches entdeckt, so ist dies vorzüglich in Italien, Griechenland, Ägypten oder in der Sahara. Kehrle glaubte wohl, man könne Bieneneigenschaften losgelöst von der Heimat der Bienen importieren und als Bausatz im eigene Lande nach Bedarf zu einer neuen Wunderbiene zusammenfügen. Das kann er ja hinbekommen, aber die Akklimatisation bekommt man so nicht hin. Und die Akklimatisation ist das A und O der Bienengesundheit! Der akklimatisierten Bienen wegen ist Bruder Adam ja gerade in alle Welt gereist oder nicht? Also ist Akklimatisation ein wertvolles Gut. Kehrles Kunstbiene, die "Bucky" mag für eine ausgedachte Kunstwelt taugen, aber für eine reale Welt, in der es ausschließlich lokales Klima gibt, taugt sie langfristig nichts.

Schauen wir uns den internationalen Erfolg Kehrles' Bienenphilosophie an, und schauen wir uns die riesigen jährlichen Bienenverluste an, könnte eines mit dem anderen zusammenhängen. Freilich gebe ich nicht nur Bruder Adam Schuld. Schuld haben auch die vielen Reinzüchter, die ihren Bienen alles außer Akklimatitation anzüchten. Auch die Zunahme bienengiftiger Pflanzenschutzmittel und die Ausbreitung von Monokulturen trägt zum Bienensterben bei.

Karl Kehrle ist den leichten Weg gegangen. Als in England ein großer Teil der heimischen Bienen aufgrund der Tracheenmilbe ausgestorben war, führte er, statt sich um die Überlebenden zu kümmern, ausländische Rassen ein, um sie miteinander zu verkreuzen! Ich verstehe immer weniger, dass man derartige Leute überhaupt "Züchter" nennt. In meinen Augen sind das "Schwere Kreuzer" ( http://de.wikipedia.org/wiki/Schwerer_Kreuzer ). -

Version vom 16.10.2010:

Züchtergemeinschaft "Landbiene"

Die Landbiene ist (noch) keine Bienenrasse, sondern eine imkerliche Betriebsweise, die zweierlei bewirken soll:

1. Die die natürliche Herausbildung eines an das lokale Klima, die Trachtverhältnisse und die bakteriologische Umwelt (auch Krankheitserreger) angepassten Ökotyps. Die Brutentwicklung unserer Bienen (Brutbeginn, Zuwachsraten, Höhepunkt der Brutkurve, Brutabnahme im Sommer und Brutende im Herbst) ist - bei gelungener Akklimatisation - exakt an das langfristige Klima angepasst. Führen wir Weiseln aus anderen Gegenden ein, zerstörten wir die Akklimatisation der Biene. Das verursacht Stress und Stress schwächt das Immunsystem.

2. Die Entwicklung von Resistenz bzw. Toleranz gegenüber der Varroamilbe. 3 - 10 % aller Völker weisen Merkmale einer beginnenden Varroatoleranz auf. Die Betriebsweise sollte so organisiert sein, dass diese Völker identifiziert und zur weiteren Toleranzzucht herangezogen werden.

- 3.6.09: Langfristig geht es hier natürlich um die weltweite Anerkennung der Sinnhaftigkeit der Tatsache, dass sich in der Natur verschiedene Ökotypen herausgebildet haben. Die Imker und Züchter, die Bienen unterschiedlicher Rassen und Regionen seit über 100 Jahren miteinander verkreuzen, bis sie einen der Natur entrückten Bastard bekommen, den sie niemals haben wollten (!), widersprechen mit ihrem Tun ihren eigenen Wünschen nach einer reinrassigen Biene. Es ist nun einmal eine unwiderlegbare Tatsache, dass die Natur in unterschiedlichen Regionen unterschiedliche Ökotypen herausgebildet hat, und es ist äußerst wahrscheinlich, dass das sinnvoll und für die Bienen vorteilhaft war und ist. Die Falschzüchter und -halter ignorieren das alles sträflich. Damit Ökotypen (Mellifera Mellifera, M. Carnica, M. Ligustica, M. Kaukasica, M. Macedonica usw) weiterbestehen und - wo sie zerstört sind- sich wieder herausbilden können, muss die Weltimkerei in einigen Punkten (in jeder Hinsicht kostensparend!) geändert werden: Keine Transporte über 25 km, keine Belegstellen, keine Positivauslese (sondern Negativauslese (Erklärung im Text)), Standbegattung, Ameisensäurebehandlung der Varroose ausschließlich nach der Schadschwellenmethode, da meines Wissens nur diese Methode die Entwicklung des Biens zur Varroatoleranz nicht verhindert. -

Den Anfang möchte ich hier im Hunsrück mit der Hunsrücker Landbiene machen.

7.6.2008: Ich schlage die Gründung einer Züchtergemeinschaft "Hunsrücker Landbiene" als Vorbild für andere Regionen vor. Diese Arbeitsgemeinschaft vertritt eine Bienenzuchtmethode, welche dem Bien das langfristige Überleben ermöglichen will. Die herkömmlichen Zuchtbemühungen gehen leider auf Kosten des Biens, da sie auf Inzucht basieren und die Akklimatisation der Biene an die jeweilige Umwelt zerstören. Die Biene wäre längst ausgestorben, wenn die Züchter (und die sie begleitenden Wissenschaftler) mehr Erfolg hätten - wenn ihre Fehler nicht vom großen Heer der nichtzüchtenden Freizeitimker (die mehr oder weniger bewusst immer schon Landbienenzüchter waren und sind) einigermaßen ausgebügelt würden.

30.4.09: Wären die nationalen Volkswirtschaften in lokale mehr oder weniger autarke Untereinheiten gegliedert, die nur den nahen Grenzverkehr zuließen, würden die Menschen nicht so viel reisen (müssen), gäbe es ein natürliches Hemmnis für die Ausbreitung ansteckender Krankheiten. Es gäbe bessere Möglichkeiten für die Menschen, Resistenzen zu bilden. Wegen des internationalen Verkehrs - Handel und Tourismus - sind die Ansteckungswege nicht kontrollierbar; eine u.U. tödliche Epidemie breitet sich in kürzester Zeit über den gesamten Globus aus. Wir spielen mit einem gefährlichen Feuer, weil wir die wichtigste Brandmauer gegen ansteckende Krankheiten niedergerissen haben. Ähnliches tun wir unseren Bienen an, deren Immunsystem durch diesen Fernhandel (über 25 km) überfordert wird. Unsere Bienen bekommen es heute nicht nur mit lokalen Stämmen von Schädlingen zu tun, sondern mit allem, was an Schädlingen auf diesem Planeten kreucht und fleucht, und zwar fast gleichzeitig. So ist es eine Frage der Zeit, bis auch der Kleine Beutenkäfer - die nächste Bedrohung - zu uns kommt, ganz zu schweigen von den unsichtbaren Schädlingen, den Viren, Bakterien und Pilzen, von denen es ebenfalls tausende diverser Ökotypen gibt und denen keine Spezies bei gleichzeitigem Angriff gewachsen ist. -

Die Landbienenzucht stellt sich dem Bien, der stets um optimale Anpassung an seine Umwelt (= Akklimatisation) kämpft, nicht in den Weg, sondern unterstützt sie. Sie hilft dem Bien, sich an unsere radikal veränderte Umwelt anzupassen. Da es nicht genügend natürliche Baumhöhlen gibt, stellt der Imker dem Bien Bienenkästen zur Verfügung. Da das Zusammenleben von Bien und Mensch von gegenseitigem Nutzen bestimmt ist, sorgt der Imker für eine vielfältige Tracht und für Bienenwohnungen und stellt die Völkervermehrung sicher, wohingegen die Biene im Gegenzug für hohe Honigernten sorgt. Da nur schwarmträge Völker viel Honig liefern, und da der Imker die Vermehrung steuert, ist es auch im Interesse des Biens, vorsichtig auf Schwarmträgheit (und Stechunlust) gezüchtet zu werden.

Der Landbienenzüchter verhindert nicht die selbstgesteuerte Evolution der Biene. Im Gegenteil: Er sorgt dafür, dass die Biene ihr Jahrmillionen währendes Programm der Weiterentwicklung fortsetzen kann.

Aus diesem Grund verzichtet der Landbienenzüchter auf Reinzucht (=Inzucht), künstliche Besamung, Belegstellen (=Inzucht) und Bienenhandel von und nach außerhalb der jeweiligen Region (=Zerstörung der Akklimatisation). Für die Züchtergemeinschaft "Hunsrücker Landbiene" bedeutet dies die Beschränkung des Handels mit Völkern, Ablegern oder Königinnen im Wesentlichen auf den Hunsrücker Mittelgebirgsraum. Imker, die im Randgebiet des Hunsrücks leben, können durchaus auch mit Bienen in und von außerhalb des Hunsrücks handeln; dabei sollte jedoch eine Entfernung von etwa 25 Kilometern nicht überschritten werden. Aufgrund dieser Beschränkungen können die Bienen lokal angepasste Ökotypen (Akklimatisation) herausbilden.

8.9.2008: Was ich mit dem Landbienenprojekt erreichen will, ist, dass die natürliche Evolution der Biene nicht durch den Menschen verhindert wird. Wir sollten die imkerliche Betriebsweise derart gestalten, dass der Bien sich aus eigenem Antrieb weiterentwickeln kann. Als ich in Ruttners "Naturgeschichte der Honigbienen" über die Verbreitungsgebiete der Unterarten der Mellifera las, zB über den Grenzverlauf zwischen M. Carnica und M. Mellifera, kam die Frage auf, warum es diese natürliche Grenze überhaupt gab. Die Antwort war klar: Südlich der Grenze war die Carnica besser ans Klima angepasst, nördlich die Mellifera.

Was heißt das? - Das heißt, dass die Carnica, die ins Melliferagebiet eingeführt wird, sich unter natürlichen Bedingungen NICHT gegen die Mellifera durchsetzen konnte und kann. Das heißt: Die C. ist im M. - Gebiet benachteiligt, hat mehr Stress und ist dort krankheitsanfälliger. Ihr Immunsystem ist schlechter gegen neue Bedrohungen (zB durch die Varroamilben) gewappnet, als das der M.. (Entsprechendes gilt für die M. in Carnicagebiet.)

1.4.10: Selbst die moderne Bienen-Wissenschaft gesteht heute ein, dass es ein Fehler war, die Nordbiene auszurotten. Hätten sich die Züchter mit ihr, statt mit der in Deutschland vergeblichen Nachzucht der Carnica beschäftigt, hätten wir heute eine Nordbiene, die voll den heutigen Ansprüchen wie Frühtrachttauglichkeit angepasst wäre. Sie wäre sogar besser, als das heutige Bienenmaterial, da die züchterisch bearbeitete Nordbiene sich auch gegenüber Krankheiten als robuster erweisen würde. Leider sind dieselben Experten der Ansicht, man könne das Rad nicht zurückdrehen - und müsse den als falsch erkannten Weg weitermarschieren. -

Überzeugt hat mich auch die Aussage von Wolfgang Golz, dass die deutschen Züchter offenbar nichts Besseres zu tun haben, als in D. die Carnica, die es in ihrem Ursprungsgebiet von Natur aus gibt, erfolglos nachzuzüchten - erfolglos, weil die "Zucht" nicht ohne ständige Neuimporte aus der Heimat der C. auskommt. Mit anderen Worten: Unsere Züchter züchten gar nicht wirklich; sie bilden es sich bloß ein!!!! Wirklich züchten würden sie, wenn sie sich der heimischen M. annähmen und diese Biene weiterzüchten würden. Das aber machen sie nicht, schlimmer noch: sie sind verantwortlich für die Ausrottung unserer heimischen Biene. So stelle ich mir Freunde der Biene nicht vor!

Einige wenden ein, das Klima verändere sich gegenwärtig zu Gunsten der Carnica. Aber wissen wir denn wirklich, welche Biene für unser neues Klima die beste ist? Warum überlassen wir die Entscheidung nicht der Biene selbst, indem wir eine Betriebsweise wählen, nach welcher die jeweiligen Rassen ihre Verbreitungsgebiete selbst bestimmen?

Deshalb sollten wir eine Betriebsweise wählen, in der das möglich ist. Deshalb werbe ich dafür, dass Bienenhandel über 25 km unterlassen wird, dass nur Standbegattung zum Zuge kommt und dass keine positive Selektion betrieben wird. Wird diese Regel befolgt, bekommen wir hier auf jeden Fall die bestangepasste Biene, eine Landbiene, die in unserer Regien Hunsrückbiene heißen wird.

Völkervermehrung und Varroabekämpfung

siehe "Betriebsweise"

Landbienenzucht:

1. Keine Nutzung von Belegstellen**, keine Reinzucht, keine künstliche Besamung
2. Standbegattung selbstgezogener Königinnen, bzw. aus dem näheren Umkreis (25 km-Radius) gekauften standbegatteten Königinnen.
3. Jedem Volk (außer den etwa 5-10 % schlechtesten Völkern (Krankheitanfällige, Ertragsarme)) zB in einem Dreijahrezyklus (s.u.) die Möglichkeit der Vermehrung geben, nicht immer nur das "Stärkste" vermehren. Wer seine Völkerzahl nicht vermehren möchte, sollte trotzdem immer ein paar Ableger "zu viel" machen.
Einmal, um sie anderen Imkern der Umgebung zu verkaufen, falls er Verluste hatte. Einmal, um selbst Ersatz zu haben, falls bei einer Kontrolle eine Weisel aus Versehen zerdrückt wird.
Einmal, um eigene mögliche Winterverluste auszugleichen (5-10 % Verluste sollten immer einkalkuliert werden).
Einmal, um die eine oder andere Weisel, die sich nicht bewährt, gegen eine andere auszutauschen.
Einmal, um Kleinvölker zu haben, die mit den Sammelbrutablegern vereinigt werden können.

4. Ausselektiert werden nur 5 - 10 % der Königinnen mit schlechten Eigenschaften, als da wären: Schwarmteufel, Krankheitsanfällige, Stecher.

Wichtig wäre eine Hunsrücker Imkerbörse, in welcher Imker aus dem Hunsrück und 25-km-Umgebung überzählige Weiselzellen, Königinnen, Ableger und Wirschaftsvölker anbieten oder suchen können.

** - (13.10.10) Die Belegstellen könnten weitergeführt werden, wenn man als Drohnenvölker dort nur heimische Völker aufstellt, die sich als die besten der Region nach Anwendung der Schadschwellenmethode erwiesen haben. - 3.9.: Denkbar, evtl wünschenswert, wäre die Aufstellung von (rückgezüchteten?) Nordbienen auf die Belegstellen, falls sich erweist, dass das Genom der aktuellen Landbiene als zu reduziert (zu sanftmütig, zu geringe Propolisproduktion) erweist.
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Projekt "Neue Landbiene"

Beitragvon hanjoheyer » Mi 29. Apr 2009, 10:44

(letzte Korrektur: 21.4.2010)

Geschichtliches:

1.5.2008: Nach dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 15000 Jahren gelang nur einer im westlichen Mittelmeerraum (Südfrankreich) beheimateten Restpopulation der Honigbiene die Wiedereroberung West-, Mittel-, Ost- und Nordeuropas; die anderen Restpopulationen, die in Spanien, Italien und Griechenland Rückzugsgebiete gefunden hatten, blieben aufgrund hinderlicher Gebirge auf auf diese kleinen Gebiete beschränkt. In jedem dieser eiszeitlichen Rückzugsgebiete hatte sich eine eigenständige Rasse der Europäischen Honigbiene Mellifera herausgebildet: In Spanien die Mellifera Iberica, in Italien die M. Ligustica, im Balkan die M. Carnica, in Griechenland die M. Macedonica und im Kaukasus die M. Caucasica. Die Nordbiene M. Mellifera hatte sich über ganz Frankreich, England, Deutschland, Tschechei, Polen, Baltikum und von dort südlich einer Linie Moskau und südlicher Ural verbreitet. Deutschland befand sich vollständig im Lebensraum der Nordbiene Mellifera Mellifera.

Bis vor etwa 150 Jahren blieben die natürlichen Grenzen der jeweiligen Verbreitungsgebiete im Wesentlichen unangetastet; die Imker arbeiteten mit den Bienen, die bei ihnen heimisch waren. Im Norden Deutschlands wurde im Verlauf von Jahrhunderten aus der Mellifera eine schwarmfreudige Heidebiene herausgezüchtet, die hervorragend an die dortigen Spättrachtverhältnisse angepasst war. In unseren Breiten lebte die schwarmträge braune Deutsche Biene (Apis mellifera mellifera germanica Pollmann).

Mit dem Aufkommen des Eisenbahnzeitalters und der damit verbundenen Handelserleichterungen wurde es in der deutschen Imkerschaft modern, nach Winterausfällen nicht mehr unbedingt selber Völker nachzuziehen, sondern sich schicken zu lassen. Was bot sich mehr an, als auf die Heidebiene zurückzugreifen, von denen die Heideimker nach der Ernte sehr viele Völker, die sie ehemals abschwefelten, übrig hatten**? Die Heideimker lernten es schnell, einen lukrativen Bienenhandel aufzuziehen. Auf diese Weise wurde unsere ursprünglich schwarmträge heimische Mellifera immer schwarmfreudiger. Es stellte sich als schwerer Fehler heraus, Winterverluste der heimischen schwarmträgen Nordbiene durch die verwandte schwarmfreudige Heidebiene auszugleichen.

Aber nicht nur der Handel mit Heidebienen florierte; auch mit den Krainer Bienen, heute Carnica genannt, wurden immer bessere Geschäfte gemacht. Tausende von Krainer Bauernkästen wurden jedes Jahr nach Deutschland und bis nach Übersee geschickt. Aber auch die Carnica war wesentlich schwarmfreudiger, als die heutige Carnica. Wieder einmal war es ein Fehler, die heimische Bienen durch Importe zu ersetzen.

Trotzdem wurde nicht gelernt: Es entstand ein Faible für Experimente mit allen möglichen Bienenrassen; immer mehr Imker wollten das Fremde ausprobieren; sie kauften sich die Italienische, die Kaukasische, die Macedonische - und es entstand in Deutschland ein heilloses züchterisches Chaos. Die Deutsche Imkerschaft hatte alles falsch gemacht und sie hatte ihre wertvolle heimische Nordbiene zerstört und dafür schwarmfreudige Stecher bekommen, die keiner haben wollte. Also wollte man das, was man bisher so grottenfalsch "gezüchtet" hatte, so schnell wie möglich wieder los werden. Um 1850 begann in Deutschland die Auslöschung der völlig verhunzten "Nordbiene".

Man importiere (um 1900) die Schweizer "Nigra". Doch wie es so üblich ist in deutschen Landen, war man auch auch mit ihr nicht zufrieden; schließlich hatte man diesem Rassegemisch nur eine weitere Rasse zugesellt. Statt Ordnung in den Zuchtbetrieb zu bekommen, hatte man das Chaos nur vergrößert, einfach weil die Imkerschaft nicht die Geduld aufzubringen imstande war, konsequent an der Nigra festzuhalten. Nach dem gescheiterten Zwischenspiel der Nigra-Einfuhren erinnerte man sich (um 1930) wieder an die Carnica. Diese Rasse war inzwischen züchterisch sinnvoll bearbeitet worden. Man hatte ihr (in ihrer angestammten Heimat) die übertriebene Schwarmfreudigkeit ausgetrieben. Nun wurden die deutschen Belegstellen mit C-Bienen bestückt und C-Königinnen wurden zu Tausenden in Deutschland eingeführt. An der wertvollen Zuchtarbeit der Österreicher wollte man unbedingt teilhaben; schließlich hatte man selbst nichts zustandegebracht.

Dieser Versuch mit der C-Biene war schon wesentlich "erfolgreicher"; um 1950 gab es die Nordbiene nicht mehr (Ruttner). Wenn heute ältere Imker von früheren Zeiten erzählen, in denen noch mit der (angeblich!) Dunklen Bienen geimkert wurde, die derart aggressiv war, dass man ihr nur mit Vollmontur nähern konnte, übersehen sie, dass sie die Dunkle nie kennengelernt haben! Sie verwechseln die Dunkle mit dem o.g. Heilosen Rassegemisch!

Deutschland war Carnicaland geworden. Man hatte in Deutschland einen flächendeckenden Belegstellenbetrieb aufgebaut, um auch hier eine möglichst reine Carnica züchten zu können, aber immer wiederkehrende Massensterben (die es bereits lange vor der Varroamilbe gab) zwangen die Imker immer wieder, sich im Ursprungsland der Carnica neues Bienenmaterial einzukaufen. Es entstand eine seltsame Mentalität unter den Bienenzüchtern, die eigentliche Profession, die Biene wirklich zu züchten, fast völlig aufzugeben und stattdessen eine Biene, die es im Balkan von Natur aus gab, in Deutschland recht erfolglos nachzuzüchten. Ohne die permanenten Importe aus dem Balkan und Österreich wäre das grandiose Scheitern unserer "Züchter" sofort deutlich geworden.

Das Scheitern ist natürlich und unausweichlich vorprogrammiert. Es konnte nicht anders kommen, denn die Carnica ist eine Biene, die an das kontinentale Klima im Südostalpenraum angepasst ist und bei unserem feuchten atlantischen Klima früher oder später schwächelt und schließlich ausstirbt. Die natürlichen Grenzen der einzelnen Rassen haben sich nicht ohne Grund herausgebildet. Die Carnica ist außerhalb ihres natürlichen Lebensraumes allen jeweils heimischen Rassen unterlegen. Sie wird dort geschwächt und stirbt aus. Selbiges gilt für alle anderen Rassen, die in Regionen verbracht werden, an die sich nicht akklimatisiert sind, auch.

Das allumfassende Scheitern sichert sich die deutsche Imkerschaft auch mit der Einfuhr der Kunstrasse "Buckfastbiene", die Karl Kehrle, ein deutscher Mönch "Bruder Adam", der in einem englischen Kloster lebte und dort die M. Mellifera und die M. Ligustica (und andere) kreuzte. Mit der Ausbreitung dieser Kunstrasse werden derzeit beiderlei Bemühungen der deutschen "Züchter", eine gute Carnica und eine gute Buckfast nebeneinanderzuhalten, zunichtegemacht. Neuseeländische Importbienen erledigen dann den Rest.

Es wird nicht mehr lange dauern, bis wir in Deutschland wieder vor demselben Desaster stehen, wie bereits um 1930: vor einem heillosen züchterischen Durcheinander zu stehen und keine einzige an unsere Umwelt angepasste Biene mehr zu haben. Ohne ständige Bienenimporte aus Gebieten, in denen es noch reinrassige Bienen gibt, läuft dann in Deutschland gar nichts mehr. Wir werden aufgrund unserer Unfähigkeit, eigene Bienen nachzuziehen, auf diese teuren Importe dauerhaft angewiesen sein. Wir werden nie mehr Herr werden über die regelmäßig auftretenden Massensterben, denn die importierten Bienen werden, sobald sie in unsere Gefilde verpflanzt sind, kränkeln und schließlich sterben. Die Varroamilbe verschärft dieses Dilemma zusätzlich!!

Wann werden endlich die richtigen Lehren aus dem vergangenen Scheitern gezogen? Wann wird endlich begriffen, dasss die deutschen Imker solange scheitern werden, bis sie sich besinnen und beginnen, echte Zuchtarbeit zu leisten? Wann akzeptieren wir endlich die Bienen, die wir haben - egal welcher Rasse sie sind - und bearbeiten diese züchterisch, ohne die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen?

Zukunft hat ausschließlich der Landbienenzüchter, denn er ist der einzig wahre Züchter.

Was getan werden muss:

Wir müssen uns von dieser Sackgasse abwenden, müssen wieder zu echten, richtigen Züchtern werden, und das heißt, keine Bienenimporte mehr, keine Künstliche Besamung, keine Belegstellenbetriebe, keine Wanderungen in Trachtgebiete, die weiter als 25 km vom Heimatstand entfernt liegen. Kein Bienenhandel über 25 km..

Wir müssen wieder zur Landbiene, einer unserer alten Nordbiene ähnlichen Biene, die züchterisch durchaus weiterbearbeitet werden kann/soll, zurückkehren. Drei Wege zu diesem Ziel sind möglich:

1. Wir könnten auf die Restbestände der Nordbiene, die es noch in der Schweiz, in einem abgelegenen Tal in Tirol, in Belgien, in Schweden und in Polen gibt, zurückgreifen und in Deutschland via Verdrängungszucht diese aus den o.g. Restbeständen rückzuzüchtende Nordbiene wieder einführen.

2. Wir könnten die Biene, wie wir sie derzeit haben, also dieses Rassegemisch aus Carnica, Buckfast, Ligustica und Nordbiene, zur Grundlage einer neuen, echten Zucht nehmen. Hierbei käme uns zu Hilfe, dass sich nach einer flächendeckenden Einfühung der Standbegattung und Minus-Auslese das Genom der Nordbiene im Verlaufe von Jahrzehnten wieder durchsetzen würde. Die Landbiene würde im Laufe der Zeit wieder dunkler, wieder melliferaähnlich werden.

3. Wir könnten 1. und 2. kombinieren. Wir können nicht sicher sein, dass das ursprüngliche breite genetische Spektrum der Ur-Nordbiene in unserer Landbiene noch vorhanden ist. Aus diesem Grund erachte ich es als ratsam, die Dunkle Biene aus allen vorhandenen Restbeständen zurückzuzüchten und in unsere Landbiene einzukreuzen. Die Ur-Nordbiene, entstanden in Jahrtausenden, ist die einzige Biene, die über länge Zeiträume in unseren Breiten leben kann, ohne krank zu werden. Sie ist die einzige Biene, die bei uns gesund leben kann und die Robustheit besitzt, in Deutschland auch mit der Varroamilbe fertigzuwerden.

Alle drei Punkte wollen ein einziges, klar umrissenes Ziel erreichen: die Erlangung einer möglichst Ur-nordbienenähnlichen Rasse - der Neuen Landbiene. Ich persönlich plädiere für Punkt 2.

Jeder Imker im ursprünglichen Lebensraum der Nordbiene, der sich am Projekt der Wiedererlangung der Nordbiene (Neue Landbiene) anschließen möchte, sollte bei der Biene, die er derzeit hat, bleiben. Aber er sollte sich nichts Fremdes mehr hinzukaufen, und Wanderungen gibt es, wenn überhaupt, nur noch innerhalb des ehemaligen Melliferagebietes. Er stellt seine Imkerei auf Standbegattung um und macht nur noch Minus-Auslese. Das heißt, er vermehrt nicht nur das beste Volk und weiselt alle anderen um, sondern er vermehrt von allen Völkern außer den wenigen, die zu Krankeiten neigen. Diese Methode garantiert, dass das genetische Spektum seiner Völker nicht weiter eingeengt, sondern erhalten oder gar erweitert wird. Nur Völker mit reichem genetischen Spektrum sind robust genug, keinen Massensterben mehr anheimzufallen.

Die Neue Landbiene ist (vorerst) keine neue Rasse, sondern eine Betriebsweise, aus der die Neue Landbiene hervorgeht.

Def. "Landbiene": Biene, die ausschließlich durch Standbegattung vermehrt wird. Jedes überwinterte Volk außer einem niedrig zu haltenden Prozentsatz (möglichst <5 % der Gesamtvölkerzahl) hat das Recht, einen Nachkommen zu erzeugen. Umgeweiselt werden ausschließlich jene, die zu Krankheiten neigen. Kein überregionaler Bienenhandel, keine Wanderungen über das ehemalige Nordbienengebiet hinaus. Vermeidung jeglicher Form der Inzucht. Einkreuzung ausschließlich aus Restbeständen der Nordbiene gegebenenfalls erlaubt, bzw. geboten, bis gewährleistet ist, dass alles genetisches Gut, das aufgrund der Arbeit der Falschzüchter möglicherweise ausgemerzt worden ist, wieder vorhanden ist. Danach ist nur noch echte Zucht erlaubt:

Echte Zucht ist das Gegenteil von Inzucht. Sobald wir wieder unsere Nordbiene wieder haben, wird nur noch auf gemäßigte Schwarmträgheit, Stechunlust und Robustheit (Gesundheit) gezüchtet.

Zauberwort "Akklimatisation"

(2.5.08) Was ist eigentlich eine Bienenrasse, also das Fundament einer jeden Zucht? Die Falschzüchter, die sich selbst lieber Kreuzungszüchter nennen, brauchen mindestens zwei Rassen, (die die Reinzüchter noch nicht in ihre alleszermalmenden Finger bekommen haben,) die sie kreuzen können. Die Kreuzungen bringen aufgrund des Heterosiseffektes oft sehr gute Leistungen, die sich jedoch ins Gegenteil verkehren, sobald von diesen Völkern nachgezogen wird. Karl Kehrle sprach in diesem Zusammenhang von Blendern. Würde man mit diesen Blendern weitermachen, hätten wir zwar wieder echte Zucht, aber leider eine recht erfolglose, denn die Nachkommen der Blender sind schlechter als das "Ausgangsmaterial" (Es geht bei Blendern zumindest die Akklimatisation verloren). Die Falschzüchter züchten deshalb auch nicht von den Blendern nach, sondern sie versuchen, das "Ausgangsmaterial" rein zu halten, um von ihm ausgehend immer wieder Blender zu erzeugen. Diese Methode hat den enormen wirtschaftlichen Vorteil, indem sie, die Falschzüchter, an die Imker jedes Jahr für teures Geld neue Blenderköniginnen, von denen am eigenen Bienenstand nicht nachgezogen werden soll, verkaufen können. Die Buckfastbiene zB kann nicht auf dem normalen Bienenstand erfolgreich nachgezogen werden; Buckfastimker müssen sich jedes zweite Jahr neue Königinnen von den sog. "Reinzüchtern" nachkaufen. Ein florierendes Geschäft, dass sich kein Reinzüchter (= Falschzüchter) verderben lassen will.

Eine Bienenrasse ist eine an die jeweilige Umwelt (Klima, Trachtverhältnisse) angepasste Biene. Die Akklimatisation ist keine Sache von ein paar Jahren, sondern - was die grundlegenden Anpassungen betrifft - von Jahrhunderten!!!* Aus diesem Grund ist es nicht möglich, innerhalb weniger Jahre eine echte neue Bienenrasse zu züchten. JEDE Kreuzungszucht von Bienen weit auseinaderliegender Herkünfte zerstört die Akklimatisation an jedwede Umwelt. Karl Kehrle und die heutigen Falschzüchter (für die Kehrle leider das große Vorbild ist) unterschätzen die Wichtigkeit der Akklimatisation sträflich.

Eine nichtakklimatisierte Biene wird krank oder ist zumindest einer akklimatisieren Biene unterlegen. Dieser Satz gilt umso mehr, je langfristiger der Beobachtungszeitraum gesteckt ist. Das heißt: Eine nichtakklimatisierte Biene kann sehrwohl ein Jahr, gar zehn Jahre lang, bessere Ergebnisse liefern, als eine akklimatisierte, aber sie kann es in keinem Fall in einem längeren Zeitraum von sagen wir einmal mehr als zehn Jahren.

- 14.6. Man frage sich, warum die natürlichen Grenzen zB zwischen dem Verbreitungsgebiet der Carnicabiene und der Nordbiene über Jahrtausende so stabil waren. Warum konnte sich die Carnica nördlich dieser Grenze (also im Nordbienengebiet) auf Dauer nicht halten? Warum starben sie dort aus? Und warum soll das heute anders sein? Ich behaupte, sie sterben auch heute in Deutschland aus - wenn nicht mit viel Chemie und viel Aufwand die Carnica am Tropf dieser teuren und unnatürlichen Methoden am Leben gehalten werden. -

Es gab und wird in Deutschland nur eine einzige akklimatisierte Biene geben, und das ist die Nordbiene Mellifera Mellifera. Kein Züchter kann innerhalb weniger Jahre oder Jahrzehnte eine andere Biene akklimatisieren. Deshalb nenne ich jene, die behaupten, es zu können, Falschzüchter. Mit (immunsystemzerstörender) Inzucht, dem außer (akklimatisationszerstörender) Kreuzungszucht einzigen Instrument der Falschzüchter, ist sowieso kein langfristig positives Ergebnis möglich!

Wie kommen wir in Deutschland unsere gute alte Nordbiene zurück? Die Antwort, die ich fand, heißt: durch Standbegattung und negative Auslese. Standbegattung ist Verdrängungszucht: Das Akklimatisierte verdrängt das Nichtakklimatisierte. Die in unserer gegenwärtigen Biene, die eine Mischung von vielleicht 70 % Carnica und 30 % Mellifera ist, schlummernden Nordbienengene werden im Laufe der Zeit wieder zum Vorschein kommen. Unsere Biene würde sich bei Landbienenzucht von allein wieder genetisch entmischen und dunkel werden; das Carnicaerbgut würde langsam wieder verschwinden. Es würde einige Jahrzehnte dauern, aber besser einige Jahrzehnte als Jahrhunderte, wie sie die Natur benötigt hatte. Eine weitere Beschleunigung der Wiederherstellung der Deutschen Dunklen ist vielleicht möglich, indem - wie oben bereits geschildert - die Dunkle Biene aus den Restbeständen (aus Schweiz, Schweden, Belgien, Polen) zurückgezüchtet und in die bestehende Landbiene eingekreuzt wird.

-8.8.: Wir können die Carnica oder die Neue Landbiene nicht akklimatisieren - das würde zu lange dauern, aber wir können die im Erbgut der Landbiene rezent verborgenen Gene, die die Akklimatisation speicherten, reaktivieren.-

- 9.5.: Friedrich Ruttner schreibt in "Naturgeschichte der Honigbiene", S. 37ff: "Allgemein lässt sich sagen, dass es kaum möglich ist, in Mitteleuropa Bienen aus gänzlich anders gearteten Klimabereichen zu halten. Manchmal mag es für einige Zeit ganz gut gehen, dann aber rafft ein ungünstiger Winter den ganzen Bestand hinweg. Die Bienenrassen verfügen über ein im jahrtausendelangen Kampf mit den Umweltbedingungen herausgezüchtetes Inventar erblicher Anlagen, das es ihnen ermöglicht, in ihrer Heimat alle kurzfristigen Klimaschwankungen zu überstehen. Das setzt eine große Anpassungsfähigkeit voraus, deren Grenzen gleichwohl durch den heimatlichen Schwankungsbereich der Umweltbedingungen markiert sind. Diese Grenzen sind durch imkerliche Zuchtauslese nur schwer zu überwinden. ... Die erstaunliche Fähigkeit dieser Biene, sich an kühle, nasse Sommer mit mageren Trachten an lange, bitterkalte Winter in einer neuen ... Umgebung anzupassen, findet in der wissenschaftlichen wie in der imkerlichen Welt weit weniger Beachtung als die Eigenschaften mancher exotischer Rassen ... . Ferner ist viel zu wenig bekannt, dass es wirklich Gebiete und Bedingungen gibt, in bzw. unter denen keine andere Biene mit solchem Erfolg gehalten werden kann wie die Dunkle."

Das bedeutet, alle Bienenrassen außer der Dunklen in Deutschland früher oder später krank werden und ohne imkerliche Hilfe aussterben. Sie sind und bleiben der Dunklen unterlegen. Der Imker kann den Fremdländischen zwar zu überleben helfen, aber unter extremen Bedingungen lassen sich Massensterben nicht verhindern - wie die Geschichte uns fast jedes Jahr beweist. Die fremden Rassen leiden in Deutschland unter mehr Stress, als die Dunkle. Besonders in Zeiten von Varroa-Milbe, intensiver Landwirtschaft mit Pestiziden, Monokultur und Flurbereinigung.

Würden die Imker beim Leistungsvergleich der Rassen längere Zeiträume und die Winterverluste an Völkern in ihre Berechnungen einbeziehen, wäre es vorbei mit der Überlegenheit von Carnica, Buckfast oder Ligustica.

Es gibt keinen anderen Weg als den zurück zur Dunklen Biene, der Nordbiene. -

4.5.2008- Negative Auslese = Minusselektion

Die meisten Imker (jeden falls die meisten, von denen es Texte zu lesen gibt) glauben, die positive Auslese führe schneller zum Erfolg, als die Negativauslese. Wobei der Begriff "Erfolg" vom Imker, nicht von der Biene, definiert wird. Das klingt banal, ist es jedoch nicht. Die Biene "will" möglichst viele gesunde, kräftige Nachkommen; der Imker will möglichst viel Honig und wenig Arbeit. Er will Gewinnmaximierung. Langfristig klüger wäre es, er wollte jedoch "nur" Gewinnoptimierung. Gewinnoptimierung heißt, einen langfristigen Gewinn anzustreben, statt einen (höheren) kurzfristigen bei steter Erhöhung des Verlustrisikos. Gewinnmaximierer unterscheiden sich von Gewinnoptimierern grundsätzlich dadurch, dass sie für kurzfristige Gewinne ihr SICHERES Scheitern, das jedoch jenseits ihres intellektuellen Horizonts liegt, unbewusst herbeiführen. Das gilt für Imker gleicherweise wie für Wirtschaftskapitäne. Ihr Lebensmotto lautet - wenn auch oft genug unbewusst: "Nach mir die Sintflut!"

Gewinnoptimierer wissen, dass sie ihr Ziel nur erreichen können, wenn sie ihre Definition von "Erfolg" mit der des Biens (und der Natur überhaupt) in Übereinstimmung bringen. Die frei lebende Biene "betreibt" in ihrem natürlichen Spiel der Kräfte Minusselektion. Das heißt: Die Schwächsten (und die Pechvögel) sterben, der möglichst große Rest überlebt und vermehrt sich nach Kräften. Was die Natur in KEINEM Fall tut, ist Plusselektion: Das stäkste Volk überlebt; alle anderen sterben. Das wäre zu riskant. Der kurzsichtige Imker macht es trotzdem. Er vermehrt das vermeintlich beste Volk zigfach und weiselt alle anderen Völker mit den neuen Königinnen um. Das ist Plusselektion, das ist Inzucht. Man bekommt erfolgreichen Nachwuchs mit derartigen Inzuchtschäden, sodass ein Massensterben vorprogrammiert ist. Wären die Belegstellen so gut, wie die Züchter hoffen und glauben, wäre die Biene längst ausgestorben, meint Wolfgang Golz.

Merke: Gewinnoptimierung ist nicht dasselbe wie Gewinnmaximierung. Beide, Gewinnoptimierer und -maximierer, wollen möglichst viel Gewinn. Unterschiedlich sind ausschließlich die Reichweiten der Pläne. Der Optimierer plant wesentlich langfristiger. Wie die Biene! Sie ist ein reiner Optimierer! Ihre Anpassungen an die Umwelt braucht viele, viele Jahrhunderte!!! Weil sie ihre eigene Volksentwicklung langfristig, also optimal, an die Umwelt anpassen will. Eine akklimatisierte Biene ist eine optimierte. Die Bienenimporteure, Kreuzungszüchter und "Reinzüchter" sind Maximierer. Sie zerstören die Akklimatisation der Biene. Ihnen sind kurzfristige Gewinne wichtiger, als langfristige. (10.9.) Sichtbar ist ihr falsches Denken, wenn man sie nach ihren Durchschnittsernten fragt. Erst gestern erzählte mir ein Hobbyzüchter, dieses Frühjahr hätten sich 8 von 18 Völkern kahlgeflogen. Gefragt, wie hoch der durchschnittliche Honigertrag sei, antwortete er: "nur 30 kg pro Volk!" Mein Nachhaken ergab, dass er die 8 kahlgeflogenen Völker nicht in seine Rechnung mit einbezogen hatte. Typisch! So rechnen sich die Falschzüchter und deren Nachahmer ihre Erfolge zurecht. -

21.4.10: Die schlimmsten Gewinnmaximierer sind jene, die auf die Blender hereinfallen. Blender entstehen durch die Kreuzung verschiedener Rassen. Als die ersten ausländischen Rassen nach Deutschland eingeführt wurden, war man von den Honigleistungen deren Nachkommen positiv überrascht. Die F1-Kreuzungen brachten hervorragende Ergebnisse. Spätere Generationen leisteten sehr viel weniger, als die Landrasse, die man zuvor hatte. Man war auf den Blendereffekt hereingefallen. Die experimentierfreudigen Deutschen fallen regelmäßig alle paar Jahre auf die Blender herein. Anders ist nicht zu erklären, dass wir zuerst unsere Nordbiene ausgerottet haben, und jetzt, da wir Carnicaland sind, mit Hurra die Buckfastbiene ins Land holen, um die Carnica auszurotten. Dabei ist heute bereits sicher, dass sich die Bucky in Deutschland auf Dauer nicht halten kann. Sie ist für unser Klima nicht geeignet, wie Wolfgang Golz in seiner Broschüre "Auf dem Weg zu einer neuen Landrasse" schrieb. Er hatte die Bucky 10 Jahre lang getestet. -

8.5.2008- Basiszucht: Ich fand in der "Union der Basiszüchter" Gleichgesinnte. Und Kritik an diesen Basiszüchtern fand ich natürlich auch. ZB in http://www.bienenzucht.de/ mit http://www.bienenzucht.de/stellungnahme ... szucht.htm zu finden. Es heißt:

"Standbegattung

In jüngster Zeit gibt es immer wieder Stimmen, die behaupten, bei entsprechender Selektion lassen sich auch bei Standbegattung erhebliche Fortschritte erzielen und der ganze Aufwand mit dem Betrieb und der Beschickung von Belegstellen lohne sich nicht. Diese von GOLZ als sog. „Basiszucht“ propagierte Auffassung geht fälschlicherweise von einer „mütterlichen Dominanz“ aus, wobei der väterliche Einfluß auf die Anlagen eines Bienenvolkes und auf die nachfolgenden Generationen vernachlässigt wird. Mit Zahlen wird diese „Zuchtarbeit“ jedoch nicht belegt."

Mein Kommentar: Die Aussage ist berechtigt, aber kein Argument gegen die Standbegattung. Die vom Autor propagierte Zuchtmethode berücksichtigt zwar in vorbildlicher Weise die Erkenntnisse der Wissenschaft über Genetik und Vererbung, aber sie vernachlässigt sträflich die ebenfalls wissenschaftliche Erkenntnis der extremen Inzuchtananfälligkeit und die Wichtigkeit der Akklimatisation der Biene. Die immer häufiger auftretenden Massensterben sind Folgen dieser zwar funktionierenden, aber dennoch falschen Zuchtarbeit und der industriellen Bienenhaltung.

Die Standbegattung nach Golz ist die einzige Methode, mit der wir - und der Bien - langfristig erfolgreich sein können. Die Drohnen sind das genetische Kommunikations- sowie Immunsystem des Superorganismusses der Bienenvölker. An ihm sollte nicht nicht herumgepfuscht werden. Wer es dennoch tut, zählt für mich zu den Maximierern - er will alles kontrollieren und verliert genau deshalb ebendiese Kontrolle.

Die ausschließliche und zudem vorsichtige züchterische Beeinflussung der weiblichen Linie entspricht dem ehrfürchtigen Eingeständnis des Menschen, den Bien, da er lebt, nie ganz erforschen zu können und dem daraus notwendig folgenden Entschluss, ihm möglichst viel Autonomie zuzugestehen, damit er sein Leben samt aller unentschlüsselten Geheimnisse weiterleben kann. Der Versuch der Wissenschaft und Wirtschaft, den ganzen Bien trotz beschränktem Wissen völlig unter (notwendig reduzierende) Kontrolle zu nehmen, endet mit Sicherheit in der Katastrophe. Je größer die "Erfolge" bei der genetischen Manipulation des Biens sind, desto sicherer ist das Scheitern.

Die einzige Selektion, die am Bien möglich (und nötig) ist, ist die auf Gesundheit, Friedlichkeit (aufgrund des engen Zusammenlebens von Bien und Mensch - die Biene hat es nicht mehr nötig, sich mit Stichen gegen menschliche Räuber zu wehren!) und Jahreshonigertrag. Der Jahreshonigertrag ist nicht nur von wirtschaftlichem Interesse, sondern auch ein Zeiger für gute Akklimatisation, Schwarmträgheit (und Gesundheit). Nachgezogen wird nicht nur vom ertragreichsten und friedlichsten Volk - das wäre Inzucht - sondern es werden bloß am wenigsten einträglichen Völker mit Jungköniginnen aus einem der besten Völker umgeweiselt. (Negative Zuchtauslese statt positiver.)

- 14.6.: Selbst Landbienenzüchter wie Wolfgang Golz oder die Union der Basiszüchter halten sich meines Wissens nicht an das Gebot, von jedem Volk (außer den 5 % Stechern und Kranken) zu vermehren, sondern sie ziehen der Einfachheit halber (?) nur vom besten Volk viele Königinnen nach und bestücken damit die Ableger. Das ist unzulässige Inzucht! -

23.5.2008: Ein Argument für die akklimatisierte Landbiene aus der Ameisenforschung (Quelle: http://ameisenforum.de/exotische-ameise ... hread.html

4. "Intraspezifische Homogenisierung" – ein übersehenes Risiko

Mit "intraspezifischer Homogenisierung" ist gemeint, dass nicht nur die Einschleppung fremder Arten in eine native Fauna oder ein Ökosystem gefährlich werden kann, sondern auch das Einbringen von Angehörigen einer Art in entfernte Populationen derselben Spezies.
In Europa leben zahlreiche Arten mit sehr großen Verbreitungsgebieten, vom Mittelmeerraum bis in subarktische Regionen. Es ist anzunehmen (und zum Teil bewiesen, z.B. HEINZE & al. 1998), dass ihre lokalen Populationen Anpassungen u.a. an das örtliche Klima entwickelt haben. Werden sie an einen hinreichend entfernten Ort gebracht, gehen sie entweder zugrunde, oder sie hybridisieren mit der ortsansässigen Population, wobei deren lokale Anpassung verringert wird. Die vorhandene Untergliederung einer Art in Ökotypen, eventuell Unterarten, wird verwischt, die Art unter Umständen eine homogene Mischpopulation, die möglicherweise Anpassungsmerkmale an bestimmte Habitate verliert.

Das heißt: Wer Bienen aus fremden Gegenden einführt, zerstört die Akklimatisation aller Bienen der Umgebung. Aufgrund dieses Zusammenhangs kann das Landbienenprojekt auch nur als Gemeinschaftsarbeit möglichst vieler Imker erfolgreich durchgeführt werden.


* "Jahrhunderte der Akklimatisation (21.4.2010): Die Nordbiene war bereits akklimatisiert. Wenn duch Landbienenzucht - wie ich sie vorschlage - sich das Genom der Nordbiene langsam wieder durchsetzt, kommt auch das akklimatisierte Verhalten wieder zum Vorschein - und zwar innerhalb weniger Jahre oder Jahrzehnte. Jahrhunderte dauert die Herausbildung einer völlig neuen genetischen Eigenschaft wie zB die der aktiven Varroaabwehr durch Beineabbeißen. Da die Biene lernfähig ist, kann sie jedoch die neue Eigenschaft innerhalb weniger Jahre oder gar Monate lernen und sogar an nachfolgende Generationen weitergeben, aber genetisch verankert wird das neues Verhalten wie gesagt erst nach Jahrhunderten.

** Heideimker sind Spättrachtimker. Sie haben die Zeit, ihre Völker im Frühjahr und Sommer reichlich zu vermehren, bis diese im Herbst zur Heideblüte ihre volle Stärke zur Einbringung der Heidetracht erlangt haben. Nach der Ernte wurden 2/3 bis 3/4 aller Völker abgeschwefelt, um die Kosten für die Einwinterung (Honig, Zuckerwasser) zu sparen. Im darauf folgenden Jahr wurde die Schwarmfreudigkeit der überwinterten Bienen genutzt, um schnell wieder auf die gewünschte Völkerzahl zu kommen.

Ich empfehle: Wolfgang Golz: "Auf dem Weg zu einer neuen Landrasse" und "die Standbegattung, Grundlage der Zuchtauslese der Biene".

Es gab im größten deutschen Imkerforum eine hämische Bemerkung zu dieser Arbeit:

http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=15248

Einzig zwei Kritikpunkte erachte ich einer Überprüfung für wert:

1. dass Faulbrut nicht von mit Faulbrutsporen verseuchten Honigen übertragen werden kann. Das widerspricht allerdings einer anderen Expertenansicht, auf die ich mich bezogen hatte. In "die biene" vom Mai 2010 finden wir den Artikel "Alles Öko oder was". Auf S. 11 heißt es, dass dass der Erreger der Amerikanischen Faulbrut mit zugekauftem Honig eingeschleppt werden kann.

2. dass die Biene keine Jahrtausende oder Jahrhunderte braucht, um sich an das Langfristklima anzupassen. Nun, auch diese Behauptung steht im Widerspruch zu dem, was ich in einem Bienenfachbuch gelesen habe. Auch hier muss ich rechercheren. Ich gehe jedoch davon aus, dass es kurzfristige Anpassungsmöglichkeiten der Biene gibt und solche, die Jahrhunderte oder gar Jahrtausende benötigen.

Henri, ein Mann, der sogar Honigkurse anbietet, meinte:

"Moin Archeologen,

früher schrieb er sowas in andere Foren - auch in dieses. Dort - und hier - gab es Widerspruch. Und nun schreibt er seine Sachen halt auf die eigene Web-Site, weil es da keinen Widerspruch gibt. Er kann nun ungestört (also nicht ungestört, sondern ungestört) schreiben wasser so will. Allen Unsinn. Sogar daß die Faulbrut hauptsächlich durch belasteten Honig übertragen wird.

Traurig ist nur, daß so viele seine Seite lesen und begeistert zustimmen, ohne wirklich nachzudenken und zu hinterfragen. Steht ja nu alles im Internet - muß also stimmen. "

Anmerkung Heyer: Ich habe mich nicht aus dem Staub gemacht, sondern wurde von den Betreibern des Forums wegen meiner Kritik an ihren Betriebsweisen gesperrt.
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Belegstelle

Beitragvon hanjoheyer » Mi 29. Apr 2009, 14:22

Es sei hiermit ausdrücklich festgestellt: Die Hunsrücker Belegstellen, von denen ich bisher nur eine kenne, die Belegstelle bei Thranenweiher, sind uns Landbienenhaltern ein Dorn im Auge, da die Belegstellen die Zerstörung der Anpassung unseres heimatlichen Bienenbestandens an die örtlichen klimatischen Bedingungen betreiben. Die Belegstellen sorgen zudem für eine grundsätzliche genetische Verarmung des Biens, was die Anpassungsfähigkeit des Biens an unsere örtlichen Begebenheiten ein weiteres mal reduziert und zudem das Immunsystem schwächt.

Belegestellen

- reduzieren die genetische Vielfalt: Inzuchteffekte, Reduktion der genetischen Anpassungsfähigkeit (nur wenige Vatervölker an der Belegstelle)

- zerstören die Anpassung (Vatervölker der Belegstelle stammen nicht aus heimischer Region)

- vermehren den Aufwand des Imkers (Die Vermehrung erfordert einen wesentlich höheren imkerlichen Aufwand: EWK kaufen, mit Bienen und Wabenstücken bestücken, Fahrt zur Belegtelle usw.. Außerdem muss die Belegstelle selbst in Stand gehalten werden, Vatervölker und Edelköniginnen müssen gekauft werden usw..)

Weitere Hindernisse für die Landbienenhaltung

Immer wieder höre ich Imker erzählen, dass sie sich alle paar Jahre einmal eine teure Reinzuchtkönigin "gönnen" oder dass sie planen, die Buckfastbiene oder die Italienische einmal auszuprobieren. Das ist natürlich nicht mit dem Landbienenprojekt vereinbar.

Zukunft der Belegstellen

Sollte sich die Landbienenhaltung im Hunsrück einmal etabliert haben, muss das nicht das Ende der Belegstellen sein. Die Belegstellen könnten zB genutzt werden, um varroaresistente Bienen zu "züchten", indem die dort aufgestellten Völker nicht gegen Varroose behandelt werden. Siehe "Meine Betriebsweise" - Varroabekämpfung mit Schadschwellenmethode.

Außerdem könnten dort - falls es sich als nötig erweisen sollte - echte Dunkle Bienen, Mellifera Mellifera als sog. "Vatervölker" gehalten werden. Eine Notwendigkeit zu ihrer Haltung könnte sich ergeben, falls sich herausstellen sollte, dass das Genom unserer Landbienen unwiderruflich geschädigt und reduziert ist, sodass eine Renaturisierung nicht mehr möglich ist. In diesem Fall könnten an der Belegstelle die Dunklen vermehrt werden. Von dort könnten dann die Imker der Region ihre neuen befruchteten Weiseln beziehen.
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Die Zukunft der Biene

Beitragvon hanjoheyer » So 3. Mai 2009, 11:57

Überlegen wir uns einmal, wie sich die Bienen entwickeln werden, wenn sie weiterhin der herkömmlichen Behandlungsweise ausgesetzt bleiben. In Deutschland, ja in ganz Europa und der Welt, werden die lokalen Mellifera-Rassen verschwinden. Eine Mellifera Iberica, M. Caucasica, M. Carnica, M. Ligustica, M. Macedonica und auch eine Buckfastbiene werden verschwunden sein, da sich alles mit allem vermischen wird. Sämtliche Anpassungen an lokales Klima und die jeweiligen Trachtverhältnisse werden verschwunden sein. Wir werden eine unangepasste "Weltbiene" bekommen, die ausschließlich in menschlicher Obhut mehr schlecht als recht leben kann, da sie keine Resistenz gegen die Varroamilbe entwicklen kann. Die schon gewohnheitsmäßige Säurebehandlung der Bienen macht jede Entwicklung zur Resistenz unmöglich.

Sollte sich die von mir vorgeschlagene Idee der Landbienenhaltung durchsetzen, bleiben alle lokalen Unterarten erhalten und die Bienen können Resistenzen gegen ihre Krankheiten/Parasiten entwickeln!
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Union der Basiszüchter e.V.

Beitragvon hanjoheyer » Mo 4. Mai 2009, 11:46

Auf den ersten Blick scheinen die Ideale der Union der Basiszüchter mit den meinen übereinzustimmen. Ich hatte sogar einmal erwogen, dem Verein beizutreten. Auch die Basiszüchter setzen ganz auf Standbegattung. Allerdings stehen sie, was die Zukunft der Biene anlangt, auf der völlig entgegengesetzten Position wie ich. Was ich in "Zukunft der Biene" als abschreckendes Szenario darstellte, ist genau das, was die Basiszüchter anstreben. Mit ihren eigen Worten liest sich das so:

"Zweifellos hat die Landbiene in den vergangenen Jahrzehnten von der Carnica- und dann auch von der Buckfast-Zucht erheblich profitiert. Carnica- und Buckfast-Drohnen haben die Landbiene positiv beeinflusst. Gern wird allerdings übersehen, dass auch die Carnica- und die Buckfast-Zucht von der Landbiene profitieren. ... Was Rassezüchter "Fremd- und Fehlbegattung" (an unsicheren Belegstellen) nennen, wirkt der genetischen Einengung ihrer Zuchtstämme entgegen, verbessert Leistung und Vitalität der Völker und vermindert die Inzucht-Probleme. Das ist eine ungewollte Einkreuzung mit positiver Wirkung. ... So haben Rassezüchter und Standzüchter in der Praxis kooperativ auf dasselbe Zuchtziel hingewirkt, die einen bewusst und organisiert, die anderen für sich allein und geräuschlos. ..." (die biene, 4/2009, S. 24, Text von Rainer Rodenwald)

Das alles ist hanebüchener Unsinn! Da gibt es also diese wissenschaftlich ausgebildeten, professionellen Reinzücher, die zwar bewusst der Basiszucht entgegenstehen, unbewusst jedoch dasselbe Zuchtziel wie sie erreichen, weil die Belegstellen, die sie eingerichtet haben und natürlich auch nutzen, gar nicht funktionieren und es zum Segen aller zu "Fremd- und Fehlbegattungen" kommt. Trotzdem muss ja etwas funktioniert haben, denn sonst hätte die Landbiene ja nicht von den Erfolgen der Reinzüchter profitieren können.
Ich sage nur: Saft- und kraftloses pazifistisches Geschwätz der Basiszüchter, die sich mit den Reinzüchtern nicht anlegen wollen! Die Landbiene wird also von den Reinzuchtbienen bereichert. Von Schädigung, zB Schädigung der lokalen Anpassung - Vernichtung der Ökotypen - und Stress aufgrund genetisch verursachter disharminisch gemischter Verhaltensmuster kein Wort. Was die Basiszüchter schreiben, ist ein schlechter Witz!
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Re: Hunsrücker Landbiene

Beitragvon hanjoheyer » Di 5. Mai 2009, 08:14

Heute schrieb ich folgendes in ein anderes Imkerforum:

Hallo Imkers,

auch ich beschäftige mich schon seit Jahren mit dem Thema. Basiszucht, wie sie die Union der Basiszüchter betreibt, ist nicht meine Sache, seit ich von ihrem Vorsitzenden Rodenwald gelesen habe (s. die biene Nr. 4/2009, S. 24), dass die Landbiene von allen Reinzuchtbemühungen (an der B und der C) profitiert habe! Ich fürchte, hier wurden die eigenen Ideale zugunsten des Wunsches der Konfliktvermeidung verraten.

Die natürliche Biene entwickelt Ökotypen, das sind Anpassungen an lokales Klima und lokale Trachtverhältnisse. Wir sollten alles tun, um diese Ökotypen zu erhalten und/oder wiederherzustellen, bzw. zuzulassen. Die o.g. Basiszüchter sind leider am großen Werk der Reinzüchter, diese Anpassungen zu zerstören, mitbeteiligt. Sonst würde Rodenwald nicht von "profitieren" durch Einmischung von Genen aus aller Herren Länder schreiben.

Ökotypen haben ihre Berechtigung. Sonst hätte sich zB nördlich von Wien, in West-Ost-Richtung verlaufend, keine GRENZE zwischen Mellifera und Carnica herausgebildet (Ruttner). Die C. war nördlich dieser Grenze weniger angepasst als die Nordbiene. UND das ist auch heute noch so! Die C hat auch heute nördlich dieser Grenze mehr Stress und ein schwächeres Immunsystem und wäre einer Nordbiene, gäbe es sie noch, unterlegen. Die Buckfast als Kunstrasse weist gar keine lokale Anpassung auf.

Wenn die Imker so weitermachen wie bisher, kriegen wir die allüberall unangepasste kränkliche "Europabiene", ein Mischmasch aus allem, was so herumfliegt. Alle Ökotypen werden aussterben.
Um dem entgegenzuwirken, sollten wir unser imkerliches Verhalten derart ändern, dass sich Ökotypen erhalten und/oder wiederherstellen lassen.

D.h.: KEIN Bienenhandel über 25 km Maximaldistanz mehr. Als Übergangsregelung könnte die Bestimmung eingeführt werden, dass Wandern für Imker nur innerhalb des Lebensraumes des jeweiligen Ökotyps erlaubt sind.

Wir sollten nicht auf Rassereinheit züchten, nicht kreuzen!! Ökotypen sind keine Angelegenheit der Rasse, sondern der Betriebsweise!!! Da ich zB den Ökotyp Mellifera haben will, wandere ich nie über die Grenzen dieses Ökotyps hinaus, kaufe und verkaufe auch nicht über diese Grenze hinweg. Und da ich sogar den Ökotyp "Hunsrückbiene" will - ich lebe im Hunsrück - bewege ich meine Beuten und Bienen nicht über einen Radius von 25 km hinaus.

Je nach Beschränkung meines Wander-, Kauf- und Verkauf-Verhaltens kann ich dann die Bezeichnung meines "gezüchteten" Ökotyps bestimmen. Wer sich nicht an diese Regeln hält, trägt zum Verlust aller Ökotypen bei. Er bekommt eine Biene, die nicht mehr richtig auf auf das lokale Klima eingestellt ist und demzufolge kränkelt.

Standbegattung ist sozusagen Pflicht,
Ablehnung jeglicher Künstlichen Befruchtung, der Reinzucht, der Belegstellen, sind selbstverständlich.

Ich habe hier den natürlichen Weg zurück zu unserer alten Mellifera beschrieben. Wir können diesen Weg möglicherweise beschleunigen, indem wir die Dunkle im ursprünglichen Verbreitungsgebiet wieder einkreuzen. Mit diesem Schritt werde ich allerdings warten, bis ich mir meiner Sache sicher bin.
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Re: Hunsrücker Landbiene

Beitragvon hanjoheyer » Di 5. Mai 2009, 09:12

Es gab Kritik: "Ohne Reinerhaltungszucht und ohne Königinnentransport würden wir die als rein definierte Dunkle Biene Apis mellifera mellifera niemals erhalten bzw. verbreiten können.

Die Dunkle Biene als reine Population ist doch per DNA-Analyse genau definiert, es ist keine Mischmaschbiene! Ohne Hilfe des Menschen mittels Reinerhaltungszucht wäre die Dunkle Biene heute wahrscheinlich restlos ausgestorben.

Deine Thesen, lieber Hanjo, würden die Ausrottung der Mellifera nur fördern! "

Meine Antwort:

Ich stimme dir im Wesentlichen zu. Und was du und die anderen Nordbienenzüchter machen, ist auch richtig und gut. Wir müssen die alte Nordbiene erhalten.

ABER: Wir sollten auch auf einem 2. Gleis fahren, und das ist der von mir beschriebene Weg. Hier geht es darum, dass sich die natürlichen Verbreitungsebiete aller Ökotypen und deren Grenzen auf natürliche Weise wiederherstellen. Ich bin GEGEN diese Mischmaschbiene. Ich weiß nicht recht, wie du aus meinem Schrieb herauslesen konntest, die von mir bevorzugte Methode würde dem Rassenmischmasch Vorschub leisten.

Dieser Mischmasch liegt bereits großenteils vor, und meine Methode würde dazu führen, dass sich wieder lokale Anpassungen herausbilden würden. Die heutige Mischmaschlandbiene würde wieder eine reine Landbiene, ein echter melliferaähnlicher Ökotyp, werden.

Und um diesen natürlichen "Rückzüchtungsprozess" zu unterstützen, kommen die Mellifera-Reinzüchter wie Du ins Spiel. Wir brauchen ja keinen neuen Ökotyp. Wir haben ihn ja bereits mit der Nordbiene. Aber wir müssen Bedingungen schaffen, dass die Nordbiene wieder auf natürliche Weise bei uns leben kann, ohne dass Reinzüchter ständig diese große Anstrengungen leisten müssen. Ohne ein richtiges Umfeld kann die Nordbiene nicht überleben. Für dieses Umfeld sorgt meine Methode, da nur bei ihr gewährleistet ist, dass Ökotypen und deren natürliche Grenzen respektiert werden.
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Re: Hunsrücker Landbiene

Beitragvon hanjoheyer » Di 5. Mai 2009, 09:53

http://13689brzyd.forumprofi.de/thema-a ... 5-s15.html

Die Diskussion entspann sich weiter: "Deine Thesen in Ehren; es ist ja nichts schlechtes, sich auf die lokale Bienenpopulation zu beschränken; auch wenn es ein Rassenmischmasch wie in Deutschland ist.

ABER: es ist falsch zu sagen, dass sich bei Deiner Methode "langsam wieder die Mellifera-Biene herausbilden würde". Was entstehen würde, wäre eine genetisch völlig konfuse Landbiene, die aber nichts mit der hier ursprünglich verbreiteten Dunklen Biene zu tun hätte.

Für uns in diesenm Forum kann es nur heißen: ErhaltungsREINzucht der Mellifera mit den sichersten Mittel, die es gibt!"

Meine Antwort: Diese "genetisch vollkommen konfuse Landbiene" ist derzeit die einzige, die wir zB hier im Hunsück haben - außer die der 2 oder 3 Reinzüchter, die Bienen haben, die gar nichts mit unserer Region zu tun haben, sondern mit einer aus Österreich. Bei uns muss sie jedoch mit hohem züchterischem Aufwand reingehalten werden, was natürlich alle paar Jahre scheitert und zur Folge hat, dass sich die Züchter neues Material aus dem Stammland kaufen. Genaugenommen züchten sie folglich gar nichts. Das einzige, was sie machen, ist, unsere Biene hier zu verhunzen - ihr die Anpassung ans lokale Klima zu verhindern.

Wenn das, was ich vorschlage, nicht gemacht wird, wird es mit dem Mischmasch immer so weitergehen, und auch die von dir angestrebenten Veränderungen werden auf Dauer keine Chance haben, da auch die Mellifera da, wo sie heute noch rein vorkommt, bald nur noch in Mischform existieren wird. Weil das Umfeld nicht stimmt. Die Reinform der Mellifera kann nur erhalten werden, wenn die von mir vorgeschlagene Methode überall angewendet wird.

Bei der von mir vorgeschlagenen Methode würden die Spielregeln der Evolution wieder greifen und eine natürliche Auslese betreiben, die die reine Mellifera in Deutschland sozusagen als Ziel hätte, denn die Mellifera war ja bereits die hier am besten Angepasste. In dieses Umfeld gesetzt, hätten Mellifera-Nachzuchten die besten Karten für die Zukunft, denn sie weisen bereits die Gene auf, die die Landbiene erst noch erhalten wird in ihrem Jahrhundertelangen "Rückentwicklungsprozess", der in Wahrheit ein Fortschritt ist. Das Einkreuzen der Mellifera in unser "Mischmasch" würde die Rückentwicklung wesentlich beschleunigen.

Vor allem wären bei Anwendung der von mir vorgeschlagenen Methode auch alle anderen die Ökotypen, so es sie noch gibt, also die M. Macedonica, Carnica, Ligustica usw. vor der künftigen sicheren Ausrottung bewahrt.
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Vortrag Prof. Gerhard Liebig

Beitragvon hanjoheyer » Di 5. Mai 2009, 17:48

In einem Vortrag, den Prof. Dr. Gerhard Liebig vor einigen Wochen hielt, erfuhr die von mir angestrebte imkerliche Betriebsweise volle Bestätigung. Liebig lehnt ausdrücklich die Belegstellen ab und erklärte zudem, dass standbegattete Weiseln, bei denen nur die Untauglichen (Stecher, Kranke usw) ausgelesen werden (= Negativauslese) mindestens genausogut seien, wie diese teuren "Edelköniginnen". Wenn man auf Liebigs Rat hört, kauft man sich also keine auswärtigen Weiseln mehr ein und verzichtet auf Belegstellen. Dann hat man bereits das, was ich mir für den Bien wünsche.
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Austausch aller Weiseln im 2-Jahres-Turnus

Beitragvon hanjoheyer » Mi 31. Mär 2010, 10:52

In "die biene" Nr. 4/2010 heißt es in den Monatsbetrachtungen: "Wir tauschen grundsätzlich alle Königinnen nach der 2. Saison aus, auch wenn sie noch einen guten Eindruck machen und dieses durch den Aufbau eines vitalen Volkes unter Beweis stellen."

Ich vermute, dies geschieht mit wissenschaftlichem Segen, denn letzlich las ich in einer bienenwissenschaftlichen Abhandlung, dass die Eier bereits ab dem 3. Jahr (1. Jahr: Geburtsjahr, 2. Jahr: volle Leistungsfähigkeit im Wirtschaftsvolk, und bereits im 3. Jahr abnehmende Leistung, weshalb die Kö gegen eine jüngere ausgetauscht werden soll) dünner und die aus ihnen entstehenden Bienen kurzlebiger sind. Außerdem sinke die Schlupfrate dieser kleineren Eier.

Nicht erwähnt wird, dass
1. die natürliche Lebensspanne einer Königin von bis zu 5 Jahren das Ergebnis einer vieltausendjährigen Optimierung ist, die der Mensch nicht anzuzweifeln berechtigt ist, und
2. die Weiseln bei zunehmendem Alter klüger werden. Bienen sind nicht zu 100 % vom Erbgut determiniert, sondern sie sind, da sie Lebewesen und keine Maschinen sind - lernfähig. Sie können etwas lernen, und die Lerninhalte können Genschalter an- und ausschalten, d.h. bestimmte Abschnitte der DNS aktivieren oder deaktivieren und damit unterschiedliches Verhalten auslösen. Dazu braucht es allerdings eines möglichst breiten genetischen Spektrums des Biens, das nicht durch Inzucht eingeschränkt werden darf.

Da die von mir praktizierte Landbienenzucht darauf abzielt, eine lokal angepasste, gesunde Rasse zu erhalten, und da ich leider davon ausgehen muss, dass aufgrund jahrzehntelanger Belegstellennutzung der normalen Imkerschaft und Belegstellenbelieferung durch Rein - = Inzüchter, das genetische Spektrum unserer Bienen inzwischen eingeschränkt und damit ihr Immunsystem geschwächt ist, tendiere ich immer mehr zur Anschaffung einer unverzüchteten Nordbienenkönigin zwecks Drohnenerzeugung auf meinem Bienenstand. Mit diesem Schritt werde ich allerdings mindestens noch ein Jahr warten, bis ich diese Sache eindeutig geklärt habe.

Neben der Wiederherstellung eines breiten genetischen Spektrums ist es wichtig, die Weiseln leben zu lassen, bis die Bienen sie selbst durch eine neue Königin ersetzen ("stilles Umweiseln"). Die durch stilles Umweiseln erzeugten Königinnen sind die allerbesten. Bis sich das hier vorgestellte neue Wissen über die Einflüsse von Gelerntem auf die genetischen Schalter des Biens in der Bienenwissenschaft handlungswirksam durchgesetzt hat, dürften noch einige Jahre vergehen, Jahre, die wir nicht abwarten müssen.

Der Bien kann es lernen, mit den Varroamilben umzugehen. Er kann es zB lernen, den Milben die Beine abzubeißen, wie bereits bewiesen wurde. Es kann lernen, befallene Brut rechtzeitig auszuräumen. Erst wenn wir unseren Weiseln ein weiteres Lebensjahr gönnen, können sie dieses Wissen erwerben und ins Genom einbauen und weitervererben. So funktioniert die Evolution und nicht anders!

Nachtrag: Am 20.11.2007 hatte ich schon einmal in einem Imkerforum etwas über die Lernfähigkeit der Biene geschrieben:

Leben ist kein Begriff aus dem naturwissenschaftlich/physikalischen Denkmodell. Nach ihm kennt man nur die Erscheinungen, Äußerungen von Lebendigem wie Stoffwechsel, Vermehrung, Wachstum usw..
Aber grundsätzlich ist ALLE im Nat.-wiss. Denkmodell unbelebt: tote Atome, die sich nach toten phys. 'Gesetzen' in ihrer räumlichen Konstellation verändern.

Viren zB kann man auskristallisieren lassen. Sie sind nicht ohne Wirt vermehrungsfähig. Man sagt, sie seien etwas zwischen Tot und Lebendig. Die Frage, ob tote Materie ab eines gewissen Organisationsgrades als lebendig zu bezeichnen ist, lässt sich wissenschaftlich nicht beantworten.

M.E. ist Leben ein metaphysischer Begriff. Die Physik (und Biologie) beschäftigt sich nur mit Erscheinungen, nicht mit der Sache selbst. Aufgrund dieser methodischen Beschränktheit kann die Wissenschaft nichts über Geist, Seele, Bewusstsein, Leben usw. aussagen, obwohl es das alles gibt.

Um etwas Substantielles über LEBEN sagen zu können, muss man also das nat.-wiss. Denkmodell verlassen und zur Philosophie übergehen. In ihm ist Leben das, was Erscheinungen hervorruft, also GEIST. Geist ist das, was denkt, Theorien machen kann, und Erscheinungen, Vorstellungen hervorrufen kann. Alles was denkt und fühlt, lebt. Unsere Körper wären demzufolge Vorstellungen unserer Seelen von sich sich selbst.

Dieses Denken und Fühlen muss allerdings von naturgesetzlichem Verhalten abgegrenzt sein. Hier kommt die Entscheidungsfreiheit ins Spiel: Was blind den Naturgesetzen folgt, ist tot; was sich über diese Gesetze stellen und Entscheidungen fällen kann, lebt.

Da der Bien zweifelsfrei lebt, kann er Entscheidungen fällen. Das haben wir zu respektieren.
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