Fr 14. Jan 2011, 11:58
Bienensterben
Mein Beitrag in
www.hanjoheyer.de/Aktuelles35.htmlhttp://www.klaus-baum.info/2011/01/11/b ... rzeichnen/Ich bin selbst Imker und fühle mich vom großen Bienensterben besonders betroffen. Es sind nicht nur die modernen sog. Pflanzenschutzmittel, - ein positives Wort für die unschönen Pestizide oder Insektenvernichtungsmittel - die für Insekten und natürlich auch für Bienen hochgiftige Neonicotinoide enthalten; auch die Varroamilbe macht den Bienen (und Imkern) schwer zu schaffen, zumal die Bienenwissenschaft nicht müde wird, dem Imkern permanent zu empfehlen, die Bienen mit Medikamenten (Ameisensäure, Oxalsäure u.a.) zu behandeln, was kurzfristig hilft, aber langfristig die Varroamilbe resistent macht und die Bienen schwächt. Besonders in den USA sind die jährlichen Völkerverluste inzwischen derart hoch, dass die Bestäubung der Pflanzen kaum noch gewährleistet werden kann.
Vorgestern las ich wieder einmal in einer ganz normalen Tageszeitung (Nahe-Zeitung, 10.1.), dass der Bienenwissenschaftler Christoph Otten vom Fachzentrum Bienen und Imkerei in Mayen den Imkern eindringlich rät, ihre Völker konsequent gegen den Schädling zu schützen, was nichts anderes bedeutet, als die o.g. Medikamente zu verwenden. Aufgrund der zunehmenden Schwächung des Immunsystems der Bienen reichen immer weniger Milben aus, um einem Volk den Garaus zu machen, und immer mehr Medikamente werden benötigt. Ein unheilvoller Teufelskreis, den ich mit meinem Projekt Landbiene (einführender Artikel hier ) zu begegnen versuche. Wir müssen endlich mit dieser künstlichen Bienenzucht, bei der Bienen verschiedenster Rassen verkreuzt werden, aufhören, da sie sämtliche angepassten natürlichen Ökotypen vernichtet. Die Deutsche Biene, eine apis mellifera mellifera, wurde bereits ausgerottet. Was wir brauchen, ist eine ganz normal, unter natürlichen Bedingungen lebende Landbiene, bei der man auf medikamentöse Behandlung verzichtet. Dass das möglich ist, beweist zB ein südfranzösischer Imker (John Kefuss), der seine Völker schon seit Jahren nicht mehr behandelt. Die deutsche Imkerschaft nimmt das zwar zur Kenntnis, zieht daraus jedoch keine Konsequenzen und startet staatlich und von der Industrie geförderte Züchtungsvorhaben, die angeblich erst in Jahrzehnten zu Erfolgen führen sollen.
Die deutsche Bienenwissenschaft hat längst ihre Unschuld verloren, seit sie von der Pharmaindustrie zunehmend abhängig ist. Völkerverluste durch die neuen Pflanzenschutzmittel werden gern auf die Varroamilbe geschoben. Das bringt die Pharmaindustrie aus der Schusslinie und ermöglicht durch Medikamentenverkauf neue Geschäftsfelder. Als der neue Vorsitzende der Deutschen Imkerbundes Peter Maske derartige Zustände an die neue Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner schrieb, musste er beinahe seinen Hut nehmen - hätte er nicht sofort zurückgerudert und mitgeholfen, die alten Machtverhältnisse wiederherzustellen. Seitdem behauptet die deutsche Bienenwissenschaft wieder fast einstimmig, dass die von Kefuss propagierte "Bond"-Methode ("Leben und sterben lassen") in Deutschland nicht durchführbar sei, dass deutsche Imker nicht mit Honigeinbußen leben könnten und dass sich Nachbarimker mit Recht beschweren würden, wenn ein Imker seine Völker nicht mehr behandele. Dessen Varroamilben würden dann die Bienen des Nachbarn reinfizieren und dessen medikamentöse Bahandlung wirkungslos machen. Mit anderen Worten: Die deutschen Bienenwissenschaftler raten vehement von der einzig richtigen Methode ab, weil ihr Nachbarschaftsstreitigkeiten und Honigeinbußen entgegenstehen! Statttdessen werden ständig neue Behandlungsmethoden und Medikamente ausgetüftelt. Bayer hat gerade wieder was Neues auf den Markt geworfen. Das muss jetzt auch verkauft werden.
Die Bienenwissenschaft rät dem normalen Imker, mit Medikamenten zu behandeln. Die Varroatoleranzzucht soll der Wissenschaft und einem kleinen Züchterkreis überlassen werden, die im Erfolgsfall die Imkerschaft mit den Segnungen ihrer Arbeit beglücken soll. Auf diese Weise wird erreicht, dass die Wissenschaft noch viele Jahre ungestört den Geldsegen von Staat und Industrie genießen darf.
Hier ein Zitat aus
http://www.cbgnetwork.org/2757.htmlNach diesen Grundsatzbemerkungen möchte ich noch zwei spezielle Anliegen vorbringen, die uns derzeit am meisten auf den Nägeln brennen.
Welch fatale Folgen die "Selbstaufsicht der Chemiekonzerne" durch einen gefügig gemachten Staatsapparat hat, erfahren viele Imker infolge der zu laxen Kontrolle von Pflanzenschutzmitteln (PSM). Seit Jahren berichten Imker zeitgleich mit der Einführung sogenannter Neonicotinoide - einer hochwirksamen Gruppe von PSM zur Saatgutbeizung - wie z.B. Clothianidin, die das Immun- oder Nervensystem schädigen - von einer nie da gewesenen Steigerung des Bienensterbens von bis zu 25 % der Bienenvölker.
Von Industrie, Behördenvertretern und Politikern wird uns stattdessen weiß gemacht, die wahre Ursache sei ein zu starker Varroa Milben Befall. Die unter unabhängigen Wissenschaftlern völlig unstreitige Tatsache, dass es gerade die Schwächung des Immunsystems der Bienen durch diese PSM-Nervengifte ist, welche diese in einer Weise anfällig für die Varroa-Milbe machen, wie wir es noch nie kannten, wird unterschlagen.
Nachtrag 12. + 13.01.: Diese Links im Bienenartikel eingefügt:
http://www.bnc.bayer.com/bayer/bnci.nsf ... ccm=010010 und
http://diepresse.com/home/politik/eu/61 ... ihre-ImkerAngesichts der Tatsache, dass es bereits varroatolerante/-resistente Bienen gibt, erscheinen Forderungen wie diese
"Gleichzeitig soll mehr Geld in die Erforschung der Ursachen von Bienenkrankheiten und in Maßnahmen dagegen investiert werden. Gefragt sind vor allem Mittel gegen die Varroa-Milben. Außerdem sollen die Imker geförderte Tierarzneimittel bekommen"
unverständlich, ja kontraproduktiv. Wozu braucht man Medikamente, wozu Forschung, wenn die positiven Ergebnisse bereits vorliegen?
In
http://www.cbgnetwork.org/2757.html heißt es:
Ende Dezember waren aus Empörung über einen offenen Brief des Deutschen Imverbundes (DIB) und des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes (DBIB) zahlreiche Wissenschaftler aus dem Beirat des Imkerbundes zurückgetreten. Der Bauernverband findet "Diktion und Inhalt" des Schreibens "unmöglich". Einige Landesverbände des DIB hatten ein Abwahlverfahren gegen den erst seit Oktober amtierenden Präsidenten Peter Maske angestrebt - erfolglos. Die Mehrheit der Imker steht hinter ihrem streitbaren Präsidenten.
Dieser hatte gemeinsam mit seinem Kollegen Manfred Hederer von den Berufsimkern Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) schriftlich im Amt willkommen geheißen. In ihrem Begrüßungsschreiben beklagten sich beide bitter über die "Verflechtung von Wirtschaftsinteressen, Forschung und Behörden".
Forschung benötige Geld, und dieses Geld werde "gerade im Bereich der Agroindustrie ausnahmslos von Firmen wie Bayer, BASF, Syngenta etc. zur Verfügung gestellt". Dies habe etwa dazu geführt, dass im Bienenmonitoring, in dem Imker und Bienenforschungsinstitute seit fünf Jahren gemeinsam versuchen, dem vermehrten Bienensterben auf die Spur zu kommen, vor allem Bienenkrankheiten wie die Varroa-Milbe untersucht worden seien. Der Frage, welche Rolle Pflanzenschutzmittel oder gentechnisch veränderte Pflanzen spielten, seien die Wissenschaftler hingegen nicht nachgegangen.
Ausschnitt aus dem Brief Peter Maskes an die Landwirtschaftsministerin:
Lassen sich Zusammenhänge zwischen Giften und Bienenschäden gar nicht mehr leugnen, werden die Versuche abgebrochen oder - wie kürzlich im Fall Oberrhein - die Gründe für das Bienensterben verzerrt dargestellt. Für weitere Versuche fehlt dann das Geld, während gleichzeitig Millionen zur sogenannten Akzeptanzforschung bereit gestellt werden, die letztlich nichts anderes sind als Marketingmaßnahmen für die Agroindustrie durch öffentliche Stellen.
Ein besonders krasses Beispiel für diese Ausschaltung staatlicher Kontrolle über die Agroindustrie ist das deutsche Bienenmonitoring, welches von den Bieneninstituten zusammen mit den Imkern durchgeführt wird. Eigentlich wurde es eingeführt, um die Rollen von bienengefährlichen Pestiziden und Insektiziden beim Bienensterben aufzuklären. In Wahrheit unternahm es das Bienenmonitoring bisher nicht, die Rolle von Pflanzenschutzmitteln beim Bienensterben zu untersuchen. Vielmehr wurde nach allen möglichen Ursachen (regionale, klimatische Bedingungen, Haltung, Milben etc.) gesucht. Ob in der Nähe von Bienenbeständen Pflanzenschutzmittel angewandt wurden, wurde nicht einmal erhoben. Diese bewusste Blindheit hat einen Grund: Das Bienenmonitoring wird im Wesentlichen von der Agroindustrie finanziert. Genau dieses Bienenmonitoring wird aber seit Jahren von Wissenschaft, Aufsichtsbehörden und Politik angeführt, um die angebliche Unbedenklichkeit von Pestiziden, Insektiziden und Saatgutbeizen zu belegen.
Das gleiche Muster findet man bei der Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen. Obwohl die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA bis heute keinen einzigen Langzeittest für gentechnisch veränderte Pflanzen durchführte, wird behauptet, diese Pflanzen seien sicher.
Das Vorgehen der Bienenwissenschaft bei mehreren Großversuchen, die im Grunde Kefuss' erfolgreiche Methode wiederholten, war ähnlich des oben beschriebnen Verhaltens: Die Tests wurden abgebrochen, als sich der Erfolg abzuzeichnen begann. Unter Beibehaltung des Namens dieser Versuche wurden völlig andere Projekte zwecks Verschleierung durchgeführt. Mehr darüber ist in meinem "Projekt Landbiene" zu finden.