Fr 26. Mär 2010, 17:31
http://bienenforum.iphpbb3.com/forum/78 ... 3-s75.htmlhttp://bienenforum.iphpbb3.com/forum/78 ... 3-s90.htmlEinige meiner Einträge in ein österreichisches Imkerforum:
Hallo Imker,
damit das mit dem Fachwissen nicht zuviel wird, hier mein Anfängerstatement:
Wozu immer dieses Herumzüchten am Bien? Seien wir doch glücklich damit, dass es dieses wunderbare Tier gibt und es ist, wie es ist! Vertrauen wir darauf, dass es sich von ganz allein auf die lokalen Gegebenheiten einstellt und sich auf diese Weise lokale Unterarten herausbilden mögen, wie die Natur es will?
Ich plädiere für die unverzüchtete Landbiene. Nehmen wir sie an, wie sie derzeit ist und bauen darauf auf. Schlimme Stecher können wir ja aussortieren - als einziges Zugeständnis an die enge Nachbarschaft des Biens zum Menschen, aber ansonsten sollten wir die Finger weglassen vom Gen, also jeglicher Zucht.
Bei ausschließlicher Standbegattung könnte zB die Carnica selbst bestimmen, wo ihre natürlichen Grenzen sind. Nach Norden hin, wo das Klima feuchter, kühler und unbeständiger ist, würde sich von selbst wieder eine Art Dunkle Biene etablieren, und jede Regien hätte die beste Biene, die auch zu dieser Region und ihrem Lokalklima passt.
Nach Italien hin würde sich eine gelbe Unterart einmischen - ganz von allein. Und in Italien selbst würde allein die Ligustica das Sagen haben. Besser gehts doch nicht!
Wir sollten mit der Biene imkern, die ursprünglich in der jeweiligen Region beheimatet war und es dem Bien selbst überlassen, wo ihre Grenzen liegen. Die imkerliche Betriebsweise sollte sich der Natur unterordnen, was bedeutet, dass wir alle nur noch Standbegattung zulassen, keine Belegstellen führen und keine fremden Weiseln einkaufen und einkreuzen.
joachim
-------------------------------------------------------
Hallo Imkers,
Prof. Gerhard Liebig hat in einem Vortrag, den er im März hier in der Nähe gehalten hat, gesagt, es gebe einen Unterschied zwischen Wissen und Glauben, und fast alles, was über Leistungsunterschiede zwischen Carnica und Buckfast gesagt oder geschrieben werde, gehöre in das Ressort "Glauben", für das er nicht zuständig sei. Sein Gebiet sei das Wissen, und er als Bienenforscher habe die Bucki und die Carni verglichen und keine Langzeitunterschiede festgestellt. Beide Rassen seien gleichgut.
Ich möchte dem hinzufügen, dass man sich auch auf das Wissen nicht allzuviel einbilden sollte. Die Natur - auch die Natur der Bienen - ist komplexer, als wir - selbst Teil der Natur - verstehen KÖNNEN. ES ist nicht nur praktisch, sondern auch theoretisch unmöglich, die Natur vollkommen zu verstehen. Haben wir ein Detail nicht verstanden, kann das bedeuten, dass ALLES bisherige Wissen falsch sein könnte.
Warum wollen wir ALLES kontrollieren? Warum vertrauen wir nicht der Natur - der Natur des Biens - und lassen den Bien entscheiden, was für ihn am besten ist? Warum zB gab es eine natürliche Grenze zwischen Carnica und Mellifera? Ich nehme mal an, es gab sie, weil die Melli südlich der Grenze mit dem Klima und der Tracht nicht so gut zurechtkam wie die Carnica, und dass die Carnica nördlich dieser Grenze weniger gut mit diesen Bedingungen zurechtkam wie die Mellifera. Für den Imker wäre es zumindest langfristig IMMER ein Fehler, diese Grenze zu ignorieren und die falsche Biene am falschen Ort zu halten. Rückschläge wären vorprogrammiert.
Selbiges dürfte für den Bucki-Carni-Vergleich zutreffen, nur dass die Bucki eine Kunstrasse ist, die eigentlich keinen natürlichen Platz in der Welt und dessen Klima und Trachtangebot hat. Langfristig würde sie sie nördlich der Grenze allmählich an die Melli anpassen und südlich an die Carnica. Bevor ihr die Anpassung gelungen ist, ist sie naturgemäß die schwächere Biene, als die, die schon ein paar Millionen Jahre in diesem Gebiet lebt.
Warum wollen wir der Narur ins Handwerk pfuschen? Warum überlassen wir die Anpassung = Optimierung (im Gegensatz zu unseren Maximierungsbemühungen, die fehlschlagen müssen) nicht dem Bien selbst?
Für mich jedenfalls gibt es nur EINEN Weg: Ich habe mir standbegattete Bienen aus meiner Heimat besorgt und überlasse die "Züchtung" dem Bien selbst. Dann habe ich Erfolg, auch wenn ich die Natur nicht vollständig verstanden habe. Ich bin nur zu EINEM Zugeständnis bereit: Da meine Bienen im Garten wohnen, wären ihre Überlebenschancen als schlimme Stecher sehr gering. Die Nachbarn würden sie nicht lange dulden. Deshalb lese ich die Stecher aus. Das wars dann aber schon.
Leider sind die Mellifera ausgerottet worden. Von wem? Freunden der Biene? Bestimmt nicht! Das müssen SEHR falsche Freunde gewesen sein, die sie ausrotteten. Ich habe hier eine zumindest carnicaähnliche Biene. Ich lehne Belegstelle und Reinzucht (=Inzucht) ab. Ich lasse Standbegattung zu. Soll der Bien selbst entscheiden, in welche Richtung er sich entwickelt.
Ihr Österreicher könnt euch glücklich schätzen, eine echte heimische Biene zu haben. Warum wollt ihr sie kaputtmachen mit der Buckfast? Wir hier in Deutschland haben keine heimische Biene, weil wir sie, dumm wie wir sind, aus Gier und Dummheit ausgerottet haben. Ach hätten wir doch noch unsere alte Mellifera. Jetzt müssen wir mit der Carnica improvisieren und hoffen, dass sie sich in ein paar Tausend Jahren wieder an die alte Mellifera - und so wird es kommen - angeglichen hat. Es braucht womöglich tausend Jahre, um 50 Jahre Falschzucht wiedergutzumachen.
----------------------------------
Ich meine, wir sollten bei der Beurteilung der Rassen nicht nur die vordergründige Nützlichkeit in Betracht ziehen, sondern die langfristigen Konsequenzen unseres Handelns einbeziehen.
Es mag ja schön sein, wenn die Buckis friedlicher sind und mehr Honig bringen. Aber es sollte auch berücksichtigt werden, dass die Biene ein Recht auf Unversehrtheit hat. Wir dürfen sich nicht einfach so nach unserem Gusto modellieren. Wir wissen zu wenig von ihren Jahrzehntausende- oder gar Jahrmillionen währenden Anpassungsanstrengungen.
Kreuzungen wie die bei der Züchtung der Buckfast bringen Disharmionie ins Erbgut der Biene und bereiten Stress, was das Immunsystem schädigt bzw. schwächt. Die Bienen sind bereits durch Pestizide und Monokultur gestresst. Vielleicht ist diese neue Krankheit CCD nichts anderes, als als eine Folge unseres Züchtungsgebarens.
Der Mensch ist im Begriff, zwei große Sünden zu begehen, die ihn selbst ins Fegefeuer führen werden. Er hat sich an zwei verbotenen Früchten, bzw. deren KERNEN, vergriffen, dem Atomkern und dem Zellkern. Da ALLE Lebewesen ihr Erbgut miteinander tauschen - über Bakterien, das ist erwiesen - wird es auch schlimme Folgen für uns haben, wenn wir das Erbgut von Pflanze und Tier (und unser eigenes) nach unseren derzeitigen primitiven wissenschaftlichen Theorien, die nichts als Zwangsvorstellungen sind - ummodeln.
Um 1900 bis Mitte des 20. Jahrhunderts glaubte die Elite, der Mensch sei eine Maschine. Nun stellt euch vor, er hätte die Macht gehabt, sein Genom zu "verbessern". Er hätte es auf jeden Fall verschlimmbessert und sich zur perfekten Maschine umgebaut. Er hätte sich seine eigene Hölle gemacht, sich selbst zur Höllenmaschine umgeformt. Heute wissen wir, dass die Naturwissenschaft aufgrund methodischer Defekte Qualitäten wie Willensfreiheit, Bewusstsein, Subjektivität, Leben usw nicht ermitteln kann, und dass es sie trotzdem GIBT. METHODISCH richten wir uns und die Welt zugrunde, weil wir sie für mechanisch halten. (Kein Mensch glaubt, sie sei mechanisch, aber der Wissenschaftler behandelt sie zwanghaft so, als ob sie mechanisch sei, weil Wissenschaft und Technik nichts anderes KÖNNEN.)
Die Bienen braucht den Stachel nicht mehr so dringend wie vor 10000 Jahren, weil es keine Bären und andere Honigräuber mehr gibt und weil wir als Imker die Schutzfunktion übernommen haben. Deshalb dürfen wir unsere Hausbienen auf Stechunlust auswählen, bzw. die freundlichen Bienen bevorzugen. Aber auf Qualitäten wie Anpassung an das lokale Klima und Flora, die Anpassung des Immunsystems an lokale Keime usw sollten wir keinen Einfluss nehmen, weil wir zu wenig davon verstehen. Aber jede Kreuzung von Rassen, die vormals weit voneinander getrennt gelebt haben, zerstört die Anpassung an das lokale Klima und zerstört die Ausgewogenheit des Immunsystems.
Zum Schluss noch eine Frage: Die Mellifera Mellifera gibt es so gut wie nicht mehr. sie wurde nahezu ausgerottet. Von wem? Können das Bienenfreunde sein, die eine Bienenrasse ausrotten? Was geschieht mit der Carnica, wenn in ihr Stammland Buckfast eingeführt werden?
--------------------------------------------------------
Hallo Heinz,
du sprichst mir aus dem Herzen. Das mit dem Ökotyp bringt die Sache auf den Punkt. Es bilden sich lokal optimierte Ökotypen, wenn man den Bien auf natürliche Weise machen lässt. Das sinnlose Herumkutschieren von Königinnen und ganzen Völkern über zT Hunderte, ja Tausende von Kilometern zerstört diese Optimierung zugunsten einer globalisierten Biene, die wie die globalisierte Ökonomie zum Untergang verurteilt ist. Die globalisierte Ökonomie zerstört ja auch jede lokale Anpassung der Betriebe wie wir sehen. Störungen, Krankheiten, breiten sich dann ebenso global aus, wie die internationle Finanzkrise und auch die Varroamilbe zeigen. Wäre die Wirtschaft dezentral organisiert, bliebe eine Krise lokal bergrenzt. Da nun alles vernetzt ist, löst eine Krise eine Weltkrise aus -. eine Welt-Katastrophe. Das Sytem wird instabil!!
Genauso ists beim Bien. Der Handel mit Bienen macht jede lokale Krise zu einer globalen Katastrophe.
Wir müssen dem entgegenarbeiten.
Wir haben hier in meiner Gegend eine Belegstelle, in welcher Vatervölker mit von irgendwoher teuer gekauften Edelköniginnen aufgestellt sind. Niemand hatte sich beim Kauf dafür interessiert, ob die Weiseln aus dem Rheingraben kommen, wo die Entwicklung der Flora und des Biens 3 Wochen vor der unsrigen stattfindet oder ob die Weiseln aus dem Hochgebirge kommen, wo jetzt noch Schnee liegt. Man war nur an der Information interessiert, wieviele Kilogramm Honig die Völker in ihrer Heimat brachten, und wie lang der Stammbaum der Weiseln war. Was dort gut war und einen langen Stammbaum vorweisen kann, muss auch hier gut sein.
Obwohl Prof. Liebig sich in seinem Vortrag gegen Belegstellen ausgesprochen hatte, führte man danach ungerührt das Alltagsgeschäft weiter: Festlegung des Termins der Belegstelleneröffnung und des Belegstellenfestes, Gejammere über die von Jahr zu Jahr schwindende Belegstellennutzung samt dam,it verbundener Einnahmerückgänge usw.. die heimischen Mühlen mahlen langsam.
---------------------------------------------------------------------------
Hallo Wolli,
zu: "was bleibt also von der reinzucht wenn es die ganzen grenzgenialen züchter nicht mehr gäbe? und wieviele "züchter", vielleicht in der nachbarschaft, kennt jeder von euch persönlich von denen ihr nie und nimmer auch nur geschenkt eine königin möchtet?"
Ich vermute, du willst sagen, dass es im Verhältnis zu nichtzüchtenden Imkern nur sehr wenige Züchter gebe, und dass aus diesem Grund ihr Tun keine oder kaum Auswirkung auf den Bien habe.
Nun, es stimmt: Es gibt nur wenige Züchter, aber ihr Tun ist sehr wirkungsvoll. In dem Landkreis, in dem ich wohne, gibt es meines Wissens keinen einzigen echten Züchter. ABER: Es gibt eine Belegstelle, wo es acht Vatervölker einer einzigen Zuchtlinie gibt, die mit Königinnen aus einer sog. Reinzucht bestückt sind. Es gibt im Landkreis vielleicht 1000 Bienenvölker; auf der Belegstelle werden jedes Jahr etwa 100 Königinnen begattet. Diese Königinnen erzeugen jede Mengen Drohnen, die dann auch jene Weiseln begatten, die von Imkern gehalten werden, die ihre Könignnen nicht zur Belegstelle bringen und von dieser Sache nichts bis gar nichts halten. Im Laufe weniger Jahrzehnte wird auf diese Weise der gesamte genetische Pool aller Bienen dieses Landkreises ausgedünnt - mit allen fatalen Konsequenzen. Je kleiner der Genpool ist, desto anfälliger für Krankheiten sind die Bienen. Ihre Anpassungsfähigkeit sinkt jedes Jahr, solange diese genetich verarmten Inzuchten ungefragt auf unsere Landbienen losgelassen werden.
---------------------------------------------------------------------------------
Hallo Supernova,
zu: "Warum werden denn jedes Jahr hunderte Carnica-Königinnen nach Ägypten veschickt und dort die standorttypische A.m. Lamarckii ausgerottet? Genauso nach Anatolien. Ich finde es ziemlich wild, sich einerseits darüber zu beklagen, dass in Österreich andere Bienen gehalten werden, um dann in enormen Ausmass zu exportieren!":
Die Gier nach dem, was andere haben, ist offenbar global. Kaum einer gibt sich mehr zufrieden mit dem, was die Natur ihm bietet. Jeder will die Biene der andern haben. Warum? die eigene Biene kennt man, die der Andern nicht. Also ranken sich Mythen und Märchen ausschließlich um die Bienen der Andern.
Leider sind die ägyptischen und anatolischen Imker nicht klüger, als die österreichischen und deutschen. ALLE machen ihre eigene Biene kaputt, bzw. zerstören ihre lokale Anpassung. Und die Wissenschft schweigt. Warum? Ich fürchte, weil sich mit unangepassten Bienen mehr Geld machen lässt. Man kann Geld verdienen mit dem Bienenhandel, mit Medikamenten und mit Vorträgen, die man Imkern hält, die ihre Bienenvölker durch ihre Zuchtbemühungen geschädigt haben. Das ist wie beim Menschen: Am Gesunden und Toten verdient der Arzt nichts. Also hält er die Leute chronisch krank...
Unsere Züchter sind allesamt Versager!!! Statt unsere Nordbiene weiterzuzüchten, kreuzten die deutschen Züchter die Carnica ein und rotteten die Nordbiene aus. Die österreichischen Züchter zerstören nun die Carnica, und die ägyptischen die ihre. Wann fangen sie endlich mal zu züchten an? Wissen sie eigentlich noch, was das eigentlich ist, das Züchten?
Zucht darf keine Inzucht sein. Heutzutage ist zucht immer Inzucht und damit verwerflich, da besonders Bienen sehr inzuchtanfällig sind. Eine echte Zucht verkrüppelt nicht das Genom der Biene, sondern baut es sozusagen auf. Er erhält das naturgegebene Genom, bzw. die Biene, damit der Bien seine Anpassungsfähigkeit, seine Reaktionsfähigkeit auf Umwelteinflüsse, nicht verliert. Echte Zucht ist natürlich schwer, als dieses einfache Kreuzen, aber das sollten die Züchter tun.
Gibt es Züchter, die versuchen, den Bien resistent gegen die Am. Faulbrut zu machen? Was ist aus den Bemühungen geworden, eine varroaresistente Biene zu bekommen?