So 14. Nov 2010, 22:55
So 14. Nov 2010, 22:55
Sa 4. Jun 2011, 05:44
Sa 4. Jun 2011, 08:27
Sa 4. Jun 2011, 10:17
Sa 4. Jun 2011, 10:29
Mi 17. Apr 2013, 07:34
Do 18. Apr 2013, 10:02
Di 17. Jun 2014, 12:20
hanjoheyer hat geschrieben:In der oben verlinkten wissenschaftlichen Arbeit wird der Niedergang der Dunklen Biene bedauert, und der Vorschlag zur Rettung der Dunklen ist die Einrichtung eines einzigen Reservates in Deutschland, in welchem die Dunkle Biene rückgezüchtet und dann erhalten werden soll. Der Autor lehnt eine in ganz Deutschland gestreute Wiedereinführung der Dunklen ab, wie sie der ehemalige Vorsitzende eines Vereins zur Rettung der Dunklen Biene (GEDB) durch seinen kommerziellen Verkauf Dunkler Weiseln an Imker in ganz Deutschland praktiziere. Wenn sich in Sachen Bienenzucht unqualifizierte Hobbyimker aus reiner Liebhaberei eine oder zwei Weiseln der Dunklen Biene zulegen, werde das Ergebnis dieser Bemühungen keineswegs die Renaissance der Deutschen Biene in Deutschland sein; das zuvor kritisierte züchterische Chaos würde bloß verstärkt werden. Das Rassegemisch, das heute aus Carnica, Ligistica und Buckfastbienen besteht, würde dann noch um die Dunkle erweitert und damit verschlimmert werden.
Ich glaube, der "verfehmte" ehemalige Vereinsvorsitzende hat recht und nicht der Autor der o.g. Arbeit, Steffan. Die Jahreszeiten, die Trachtverhältnisse und das Klima, also die langfristigen äußeren Lebensbedingungen des Biens bestimmen im Idealfall die Auslese, die in der Vergangenheit zur Entstehung der Dunklen Biene führte. Die Dunkle ist im Gegensatz zB zur Carnica oder Buckfastbiene eine Biene, die an das Atlantische Klima angepasst ist.
Was ist "Atlantisches Klima"? - Es bedeutet, dass es in der Übergangszeit vom Winter in den Frühling immer wieder zu Kaltluftdurchbrüchen aus dem Norden mit viel Schnee und Regen kommt ("Aprilwetter"), die im Verlaufe des Frühlings immer seltener werden, bis es endlich die Azorenhochs schaffen, von Westen kommend über Deutschland hinwegzuziehen und die Kaltluft zurückzuhalten. Trotzdem schaffen es die Kaltluftströme immer wieder, sich zwischen zwei Hochs zu schieben und für einige Tage, aber mitunter auch für einige Wochen - das kann das ganze Jahr über geschehen - für kaltnasses Wetter zusorgen. Außerdem können die regenreichen Westwinde ungehindert von Gebirgen über Deutschland hinwegziehen und abregnen.
Ganz anders ist das Klima im Windschatten der Alpen - wo Carnica- und Ligustica leben. Die Landschaften, in denen diese Bienenrassen leben, werden von den Kaltlufteinbrüchen aus dem Norden nicht erreicht, und die Alpen schützen diese Regionen vor den Westwinden. Aus diesem Grund wird das Klima dort im Gegensatz zum Atlantischen (See-) Klima "Kontinentales (Land-) Klima" genannt. Beim Landklima sind Frühling und Herbst viel weniger ausgebildet, und Sommer und Winter bewegen sich in extremeren Temperaturbereichen als beim Seeklima. Die Italienische und die Österreichische Biene fühlen sich wohl, wenn die Sommer früh und schnell kommen, heiß werden, lange anhalten und dann schnell der kalte Winter kommt.
Die Dunkle Biene ist an kurze Sommer und Winter angepasst und an langandauernde Übergangszeiten, bei denen es häufig unser typisches "Aprilwetter" gibt - im April, aber auch im Herbst.
Anpassung bedeutet, dass das genetisch verankerte Verhalten des Biens genau auf die jeweiligen klimatischen Verhältnisse abgestimmt ist. Die Kärntner- und die Italienische Biene haben in freier, natürlicher Konkurrenz zur Dunklen Biene in Landschaften mit Atlantischem Klima keine Chance. Sie würden binnen weniger Jahrzehnte verdrängt werden, wenn nicht die deutschen Imker aus ideologischen Gründen den bis heute andauernden Ausrottungsfeldzug gegen die Dunkle betreiben und die Carnica in unseren Breiten künstlich am Leben erhalten würden.
Würden die Versuche, die Karntner-Biene hier reinrassig zu etablieren, aufhören, würden die Dunklen, die noch in einigen kleinen Reservaten in Österreich, Schweiz, Belgien, Südfrankreich, Dänemark, Norwegen, Schweden und Polen existieren, ihre Reservate verlassen und ihre angestammten Gebiete zurückerobern. Das Genom der Dunkle würde sich schnell in Deutschland ausbreiten, viel schneller, als wenn wir darauf hoffen, dass der "dunkle" Anteil des mischrassigen Genoms unserer gegenwärtig existierenden Landbiene sich allmählich wieder durchsetzte.
Was nützt der deutschem Imkerschaft ein kleines Naturschutzgebiet an der Rhön, wenn sie doch in ganz Deutschland eine akklimatisierte Biene braucht, also die Nordbiene? Uns ist in der Tat ausschließlich mit der flächendeckenden Wiedereinführung der Dunklen Biene in ganz Deutschland gedient.
Wir haben also die Wahl zwischen sechs Alternativen:
1. Den Ausrottungsfeldzug gegen die Dunkle vollenden und ganz auf Carnica umsteigen.
2. Den Ausrottungsfeldzug gegen die Dunkle vollenden und ganz auf Buckfast umsteigen.
3. Den Ausrottungsfeldzug gegen die Dunkle vollenden und ganz auf Carnica und Buckfast umsteigen.
4. Den Ausrottungsfeldzug gegen die Dunkle ausschließlich in kleinen Reservaten beenden. Außerhalb der Reservate wird weiterhin auf Carnica und Buckfast gesetzt.
5. Den Ausrottungsfeldzug gegen die Dunkle beenden und auf Landrasse konzentrieren.
6. Die Dunkle so viel und so schnell wie möglich in Deutschland wiedereinführen.
1. und 2. sind theoretisch durchführbar.
3. ist undurchführbar, aber genau das wird gemacht!!! Es ist unmöglich, in Deutschland gleichzeitig Carnica und Buckfast zu halten. Es würde sich ein Rassegemisch herausbilden, das keiner haben will - weder Carnica- noch Buckfasthalter/züchter.
4. Das wäre nichts anderes, als 3., denn die im Reservat lebende Dunkle würde trotzdem früher oder später aussterben.
5. Wenn wir die Biene rassezüchterisch nicht mehr manipulieren würden, würde sich im Verlauf weniger Jahrhunderte wieder eine melliferaähnliche dunkle Biene entwickeln. Dieser natürliche Selbstreinigungsprozess des durchmanschten Bienengenoms würde beschleunigt werden, wenn die Dunklen, ausgehend von den derzeigigen Reservaten, nicht gehindert würden, in ihre angestammten Lebensräume vorzudringen.
6. Dieses Vorgehen würde das ermöglichen, was die Dunkle auf natürlichem Wege auch tun würde: die Reservate verlassen und Deutschland "zurückerobern".
Da ich nichts von dauerhaften Reseraten halte, plädiere ich für Praktizierung von Punkt 5. Da ich jedoch keine Hoffnung habe, dass unsere Imkerschaft den natürlichen Ausleseprozess zulässt und damit zulässt, dass die Dunkle sich über die Reservate hinaus ausbreitet, ist wohl 6. der einzige sinnvolle Weg, wieder zu einer klimatisch angepassten, robusten Biene zu kommen. Ich bin jedenfalls nicht bereit, gegen die Natur hier eine Biene zu halten, der nicht erlaubt wird, sich an unsere klimatischen Verhältnisse anzupassen.
Fr 1. Nov 2019, 11:26
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