Schadschwellenmethode




Hier stelle ich die von mir bevorzugte imkerliche Betriebsweise vor. Kritik und Diskussion sind erwünscht.

Schadschwellenmethode

Beitragvon hanjoheyer » Sa 6. Nov 2010, 14:03

Varroabekämpfung und Varroatoleranzzucht mit der Schadschwellenmethode

Anmerkung 4.8. und 26.8.2019: Diese Texte sind veraltet. Wer wissen will, was ich HEUTE unter Schadschwellenmethode verstehe und sie anwende, lese im letzten Posting dieses Threads nach. Derzeit behandele ich Völker, die täglich 2 oder mehr Milben pro Zarge auf dem Bodenbrett liegen haben, und zwar mit Milchsäure und NICHT mit Ameisensäure. Ameisensäure benutze ich ausschließlich ab dem 15. August, und dann auch nur, nachdem ich die betroffenen Völker von der Vermehrung nächstes Jahr ausgeschlossen habe. Sie werden zur Umweiselung bestimmt. Da ich keinen Sommerhonig mehr ernte, kann ich viel früher, nämlich schon unmittelbar NACH der Ernte des Rapshonigs mit Behandlungen anfangen. Was ich sonst noch gegen die Milben unternehme, steht in "Meine "Ganz Neue Betriebsweise 2020".

Anmerkung 28.7.2013: Ich wende diese Methode nicht mehr an, da die Methode "Minimale AS-Behandlung" hinsichtlich einer gewünschten Varroaresistenzbildung besser ist. Alle Völker werden unabhängig des Milbenbefalls 2 x mit AS behandelt. Die Bodeneinlagen werden ausschließlich dazu verwendet, um evtl. resistente Völker schneller identifizieren zu können. -

18.5.13: Was ich am Ende wirklich umsetze, steht im ersten Posting in "Meine Betriebsweise".

In diesem Thread bringe ich stets den neuesten Stand meiner Methode unter. Der Thread wurde nötig, da mir heute wieder eine kleine Verbesserung der Schadschwellenmethode eingefallen ist - und ich denke, es wird weitere Verbesserungen geben.

Ab 2011 ist an meinen Bienenständen eine ganzjähige wöchentliche Kontrolle der Bodeneinlagen nach Varroamilben nötig. Bisher hatte ich als pauschale Schadschwelle wöchentliche 70 Milben (10 Milben täglich) angegeben. Meine heutige Neuerung ist, dass diese Zahl mit der Zahl vorhandener Brutwaben korreliert werden muss, da die Schadschwellenmethode sonst nicht nur zu weniger Milben, sondern auch zu weniger Bienen (und weniger Honig) führen würde. Aus diesem Grund lege ich die Schadschwelle ab sofort wie folgt fest: 70 Milben pro Woche pro 17 Brutwaben. Das macht 4 Milben wöchentlich pro Wabe.

Mit dieser Formel kann die Schadschwelle für große und kleine Völker ermittelt und zwecks Toleranzzucht verglichen werden. Ein Volk mit zwei Brutzargen hat etwa 17 Brutwaben. Daher die o.g. Zahl 17.

Weist ein Ableger mit 5 BW pro Woche mehr als 20 Milben auf, wäre die Schadschwelle überschritten. Bei meinem letztjährig größten Volk mit 26 BW wäre die Schadschwelle erst bei 104 wöchentlich gefallenen Milben überschritten.

19.6.2011: Behandelt werden ausschließlich die 12 Völker in meinem Garten. Die anderen 12 Völker an den Außenständen werden gar nicht behandelt.

Nach Überschreitung der Schadschwelle vor der letzten Honigernte im Jahr wird wie folgt verfahren:

Da vor der letzten Honigernte nicht mit Säuren oder Thymol behandelt werden darf, bleiben nur 2 Möglichkeiten:

1. Den Honigraum des Volkes, bei dem die Schadschwelle überschritten wurde, abnehmen und (bienenleer) auf den HR eines anderen starken Volkes aufsetzen. Danach mit AS (2 ml AS pro Wabe auf Schwammtuch) behandeln. Von diesem Volk darf kein Honig mehr geerntet werden. Der gesamte Honig, den das Volk danach noch sammelt, bleibt als Winterfutter im Volk.

Falls das Volk sich als nichttolerant gegenüber Milben erweist, ist konsequentes Drohnenschneiden und Umweiseln anzuraten.

2. Biotechnische Milbenbekämpfung: Zwischenbodenableger:

Wer nach meiner Methode Varroatoleranzzucht betreibt, muss ab Saisonbeginn regelmäßig die Bodeneinlagen einschieben und wöchentlich die natürlich gefallenen Milben zählen. Fallen in einer Woche 4 Milben oder mehr pro Brutwabe, wird ein Zwischenbodenableger erstellt. Sollte ein Volk in Schwarmstimmung geraten, kann dieser ebenfalls mit einem Zwischenbodenableger verhindert werden, aber ich gebe zu bedenken, dass ein vorweggenommener Schwarm - besonders bei einem guten Volk, auch etwas sehr Wertvolles sein kann.

Man stellt die Beute auf die Seite und gibt auf das Bodenteil eine leere Zarge, in die alle Brutwaben samt Bienen mit junger Brut (Stifte bis Rundmaden) mittig eingehängt werden. Außerdem alle Pollenwaben und ausreichend Futter. Sollte der Platz für eine Zarge nicht reichen, werden die Waben entsprechend der natürlichen Brutnestordnung auf zwei Zargen verteilt. Hinzu kommt die Königin. Obenauf kommt dann der Honigraum. Wer mit Absperrgitter arbeitet, müsste dieses natürlich unter dem HR plazieren.

Oben auf den HR kommt eine Plastikfolie (= der Zwischenboden), die über den Rand der Zarge hinausreicht. Darauf kommt dann eine Zarge mit sämtlicher verdeckelter Brut und Streckmaden - der Zwischenbodenableger. Man achte darauf, dass auf wenigstens einer Wabe ein paar Stifte sind, damit sich der nun weisellose Ableger eine neue Königin ziehen kann. Wichtig: In der Zarge muss sich ein ausreichend großes Flugloch für die Bienen über der Folie befinden. Ich habe in meine Zargen Löcher gebohrt, die so groß sind, dass ich sie bei Nichtgebrauch mit Flaschenkorken verstopfen kann. Wer den Ableger behalten will, kann ihn auch sofort in eine eigene Beute einlogieren und in der Nähe aufstellen. Der Zwischenboden wird nur dann benutzt, wenn eine spätere Wiedervereinigung beider Volksteile beabsichtigt ist.

Der Ableger wird in der Nähe des Muttervolkes aufgestellt, wenn man Wert auf eine gute Honigernte legt. Wer keinen großen Wert auf Honig legt, bringt die Ableger mindestens 1 km (besser: 2-3) entfernt weg, damit der Ableger seine Flugbienen behält. Wer auf eine gute Honigernte angewiesen ist, stellt den Ableger wenigstens einen Tag in der Nähe des Muttervolkes auf, damit die Flugbienen zum Muttervolk, auf dem die Honigzarge sitzt, zurückfliegen und weiter Honig sammeln. Falls im Volk Schwarmlust herrschte, ist sie nun mit Sicherheit vorbei.

Das Muttervolk mit der Altkönigin ist weitgehend milbenfrei. Die Milben sitzen in der Brut des Ablegers über der Folie. Die Brut des Ablegers läuft aus; die Milben gehen mangels Bienenbrut, die sie parasitieren können, auf die Bienen und verschwinden zum Teil aus dem Ableger mit den abgehenden Altbienen. Nach dem Schlupf der letzten Brut des Ablegers wird eine Fangwabe (bienenfreie Brutwabe mit relativ "alter", aber vorwiegend noch unverdeckelter Brut) zB vom Muttervolk in die Mitte des Ablegers gehängt und mit einer Reißzwecke markiert. Ist sie verdeckelt, wird sie entfernt. Sie enthält einen Großteil der Milben des Ablegers. Auch die erste verdeckelte Brut der Jungkönigin des Volkes kann als Fangwabe genutzt werden, sobald sie verdeckelt ist.

Wir haben nun zwei Völker übereinander, durch eine Folie getennt. Wir können nun die Folie entfernen und beide Völker wieder vereinigen (angefeuchtete Zeitung mit Löchern verwenden). Obenauf wieder der HR. Man kann mit der Wiedervereinigung natürlich bis zur Fütterungszeit nach der Honigernte warten. Da sich die Altkönigin als wenig varroatolerent gezeigt hat, empfiehlt es sich, die neue Königin weiterzuverwenden.

Nach Überschreitung der Schadschwelle nach der letzten Honigernte im Jahr wird wie folgt verfahren:

Es werden 2 ml 60%ige Ameisensäure pro Wabe auf Schwammtuch gegeben. Da nach etwa 12 Tagen die Wirkung der Behandlung beendet ist und sich wieder der "natürliche" Milbenfall einstellt, steht nach 12 Tagen wieder die Entscheidung an, ob mehr als 4 Milben wöchentlich pro Brutwabe fallen und damit die Schadschwelle erneut überschritten wird. Es wird so oft behandelt, bis nach jeweils 12 Tagen Wartezeit die Schadschwelle nicht mehr überschritten wird. Sobald ab Anfang Oktober die Völker langsam aus der Brut gehen, werden sowieso immer weniger Milben fallen.

Die Schadschwellenmethode mag vielen Imkern als nicht sehr konsequent erscheinen, da die AS-Behandlungen, wenn überhaupt, dann im 12-Tage-Rhythmus vorgenommen werden, obwohl die maximale Milbenvernichtung (bei "konventioneller" Imkerei) bei einem 5 - 7 - Tage-Rhythmus und zudem häufigeren Behandlungen (.- 4 Stück) erfolgen.
Bei der Herbstfütterung halte ich es für angebracht, nicht zu viel zu füttern, da im Sinne der Varroatoleranzzucht Völker mit langer winterlicher Brutpause erwünscht sind. Völker, die durchbrüten und demzufolge viel Futter verbrauchen, haben in Sachen Varroatoleranz schlechtere Karten. Wenn sie verhungern, könnte das vorteilhaft für die Biene als Spezies als Ganzes sein.

Entweiselung nichtresistenter Völker:

19.6.2011: Ist man sich bei einem Volk sicher, dass das Erbgut der Weisel Ursache mangelnder Varroatoleranz/resistenz ist, schlage ich das Entweiseln des betreffenden Volkes vor, falls die Jahreszeit noch noch nicht so weit fortgeschritten ist, dass eine nachgeschaffene Jungkönigin nicht mehr sicher begattet werden kann. Bis Anfang Juni sollte ein Volk problemlos entweiselt werden können.
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von Anzeige » Sa 6. Nov 2010, 14:03

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Re: Schadschwellenmethode

Beitragvon hanjoheyer » Sa 23. Apr 2011, 00:04

Seit einigen Wochen überprüfe ich sporadisch die Bodeneinlagen aller Beuten nach Milben. Das Ergebnis ist, dass bei einem Volk eine erhöhte Varroenzahl vorliegt: 7 - 8 natürlich abgefallene Milben täglich. Bei den anderen Völkern liegt die Zahl bei unter einer Milbe täglich.

Heute habe ich bei diesem Volk (Nr. 21) fast alle Drohnenzellen herausgeschnitten. Nach der Rapshonigernte plane ich das Volk mit AS zu entmilben. Ich denke, bis in 3 Wochen, wenn der Raps verblüht ist, in dem einen oder anderen Volk, das "varroaresistenter" zu sein scheint, eine Weiselzelle zu finden, die ich dann zur Erstellung eines Ablegers verwenden kann, um ihn später mit Volk 21 zu vereinigen.

Gibt es eine bessere Methode?
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Re: Schadschwellenmethode

Beitragvon irbis » Sa 23. Apr 2011, 21:47

Ich habe mehrfach gelesen, dass das Zählen nichts bringt.

http://www.apidologie.org/index.php?opt ... T0006.html

Diese Studie z.B. sagt, dass das Alarmpheromon der Bienen die Milben zum sofortigen (30 sec) Verlassen der Bienen bringt. Wenn Dein Volk erfolgreich räubern war, hat es Milben mitgebracht, wie soll man da ein Urteil abgeben.


Vielleicht probierst Du, das Volk ordentlich grantig zu machen.

http://www.bee-info.de/biologie-biene/t ... ssinn.html
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Re: Schadschwellenmethode

Beitragvon hanjoheyer » So 24. Apr 2011, 09:55

Hier eine automatische Übersetzung:

In einem simultanen Test waren die Bienen, die durch Einfrieren getötet wurden, attraktiver als Bienen, die zum Tod gebracht wurden, indem sie durch andere Bienen gestochen wurden. Der Geruch des Stechapparates war abstoßend für Varroa. Zusätzlich waren 6 aus 9 Warnungspheromonmittel erheblich abstoßend. Nahe bei Isopentyl-azetat, das keinen Effekt zeigte, ist 1 Oktanol das am quantitativsten wichtige Warnungspheromonmittel von API mellifera. Mit dieser Substanz zeigte Varroa den stärksten abstoßenden Effekt im Geruchssinn. Eine Menge von 0.5 μl 1 Oktanol, vorhanden in 1 Stechapparat, eingespritzt in tote Bienen, veranlaßte deutlich mehr Milben, diese Bienen zu verlassen, nachdem nur 30 s als das Wasser, das in Kontrollbienen eingespritzt wurde. 1 Oktanol ist offensichtlich ein wichtiger chemischer Auslöser, damit Varroa eine Biene verlässt, die gestochen wird oder gerade mit Warnungspheromon während des Beraubens verschmutzt.

Wie findest du bloß immer wieder diese seltsamen Expertenstudien mit diesen hier völlig unbekannten Ergebnissen? Kein Imker, mit dem ich je gesprochen habe und in keinem Lehrbuch über Imkerei las ich bisher, dass Biene, die im "Wirrbau" oder Naturbau leben (zB in Christbeuten), in Winterstarre verfallen können und kaum Futter brauchen. Und jetzt die Info, dass Milben die Bienen - oder den Bienenstock? - verlassen, wenn sie mit Warnpheromonen in Kontakt kommen. Die Bienen könnten also die Milben sehr leicht selbst vertreiben. Vllt solte ich mal Bananenschalen unter Beuten legen.
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Re: Schadschwellenmethode

Beitragvon irbis » So 24. Apr 2011, 13:56

Christ wusste auch vom "Erstarren"
§ 11

http://books.google.at/books?id=zp5bAAA ... &q&f=false


und B. Kraus, der Autor, taucht mit seinem Reppelent hier wieder auf

http://www.pherobase.com/database/genus ... Varroa.php

kann es so ganz unbekannt nicht sein.
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Re: Schadschwellenmethode

Beitragvon hanjoheyer » Do 28. Apr 2011, 22:51

Herrn Kraus hab ich an der Belegstelle hier in der Nähe kennengelernt. Für ihn waren alle, die behaupten, varroaresistente Bienen zu haben, Spinner. Interessant waren seine Schilderungen der Betriebsweise an seinen privaten Völkern. Er hält seine Bienen in einem Brutraum - entweder DN oder Zander - und hängt Waben mit Brut übers Absperrgitter mittig in den 1. HR zum Auslaufen. Die Kö bleibt stets in der untersten Zarge. Leider kapierte ich nicht, warum das gut sein sollte. Ich hätte aber schon gern genauer gewusst, wie seine Betriebsweise genau funktioniert. Hat dieses ominöse Verfahren einen Namen?
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Re: Schadschwellenmethode

Beitragvon irbis » Do 28. Apr 2011, 23:37

Joachim, ich lese seit einigen Jahren täglich irgendwelche Studien über Bienen, und bin zu dem Schluss gekommen, dass diese Leute nicht ganz richtig ticken im Oberstübchen. Mal ist es dies, mal das, jedesmal unerhört wichtig. Laß Dich nicht ablenken, denn nichts anderes ist es. Dieser Wust an Einzelheiten, und mit der Zeit kriegt man Übung wo was methodisch "ergebnisorientiert" angelegt ist, im Grunde völliger Unsinn.
Widme Deine Aufmerksamkeit Deinen Bienen, und gut ist.
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Re: Schadschwellenmethode

Beitragvon hanjoheyer » Do 28. Apr 2011, 23:57

Hier war meine Erinnerung an den Vortrag von Kraus noch frischer:

viewtopic.php?nxu=94856264nx35755&f=2&t=20&p=57&hilit=kraus#p57
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Re: Schadschwellenmethode

Beitragvon irbis » Fr 29. Apr 2011, 14:16

Das ist ein anderer Hr. Kraus - Johannes.
Der Autor des Artikels ist ein Hr. B. Kraus.
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Re: Schadschwellenmethode

Beitragvon hanjoheyer » Fr 29. Apr 2011, 21:23

Stimmt! Ich bin schon ganz kraus im Kopf...
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