Schadschwellenmethode




Hier stelle ich die von mir bevorzugte imkerliche Betriebsweise vor. Kritik und Diskussion sind erwünscht.

Frage zur Toleranzzucht

Beitragvon hanjoheyer » Do 2. Jun 2011, 23:20

Ich zähle bereits seit Monaten alle 3 Tage die Milben auf den Bodeneinlagen der Beuten. Dabei stellt sich nun heraus, dass drei (von 20) Völkern inzwischen recht hohe Milbenzahlen aufweisen. Bei einem vierten Volk, einem zugeflogenen Schwarm aus 2010, der bereits letztes Jahr sehr stark befallen war und dieses Jahr wieder Platz 1 meiner Varroastatistik einnimmt und zudem 10 % gelbe Bienen aufweist, hatte ich die Weisel entnommen und damit einen Brutstopp hergestellt. Die Nachschaffungszellen sind nun verdeckelt. Ich wollte eigentlich nun eine BW aus einem varroaarmen Volk einhängen und die Weiselzellen zerdrücken, aber beim Betrachten der schönen Weiselwiegen kam ich auf die Idee, bei varroabelasteten Völkern nicht umzuweiseln, sondern bloß die Generationenfolge der Weiseln zu beschleunigen. Ich möchte die Weiselzellen unangetastet lassen.

Wie gehe ich nun bei den anderen beiden Völkern im Garten vor? Ihre Varroazahlen sind im Verhältnis zu den restlichen 17 Völkern recht hoch und ich erwarte, dass diese Völker es nicht schaffen. Da sie im Gartenstand stehen und ich im Gartenstand durchaus eine Minimalbehandlung mit AS vorgesehen ist, könnte ich sie in 4 Wochen oder so einmal mit AS behandeln. Aber was taugt meine Idee, auch diese beiden Völker jetzt zu entweiseln? Es würde ein Brutstopp eintreten, der schon mal die Milben reduziert. Außerdem kommen in 4 Wochen neue Königinnen zum Zuge, die evtl bessere genetisch verankerte Eigenschaften aufweisen.

An den Außenständen ist alles klar: Auch dort gibt es 1 Volk, bei die Milben jetzt beginnen, kräftig zuzulegen, aber an allen Außenständen bin ich ja entschlossen, nichts zu tun: Kefuss' Bond-Methode.

Das bereits entweiselte Volk hat bisher insgesamt 259 Milben. Die beiden belasteten Gartenvölker haben bisher 179 und 153 Milbern. Das vierte oben angesprochene Volk hatte bisher 62 Milben. Die geringbelastetn Völkern hatten bishr zwischen 4 und 30 Milben.

Was haltet ihr von der Idee, relativ stark belastete Völker zu entweiseln, statt sie evtl eingehen zu lassen und Varroen streuen zu lassen? Sollte ich das Entweiseln auch auf den Außenständen einführen oder dort konsequent die Bond-Methode anwenden?

Am Gartenstand habe ich zudem bei den belasteten Völkern mehrfach einen großen Teil der verdeckelten Drohnenwaben herausgenommen, damit die Drohnen dieser Völker nicht meine jungen Königinnen begatten. Sinnvoll?
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Re: Schadschwellenmethode

Beitragvon irbis » Fr 3. Jun 2011, 09:38

Hallo Joachim,

bin da grad wieder über ein Patent gestolpert, dass mich an Deine Ameisen - Beobachtung erinnnert

http://www.freepatentsonline.com/EP0218162.html

Demnach wäre es ja wünschenswert, wenn da Ameisen drin wohnen, und ganz falsch, wenn man sie fernhält.
Sind Deine minderbelasteten Völker jene, bei denen Du die Ameiseninvasion beobachten konntest?

Liebe Grüße
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Re: Schadschwellenmethode

Beitragvon hanjoheyer » Fr 3. Jun 2011, 10:30

Ich beobachte bereits seit Wochen mein Volk Nr. 7 an einem Außenstand, an dem hunderte kleine, schwarze Ameisen aus- und eingehen. Auf den Waben selbst sind so gut wie keine Ameisen zu sehen, aber ich denke mal, dass der Abwehrkampf der Bienen gegen die Ameisen auch die Waffen gegen die Milben schärft. Außerdem könnte die Säure der Ameisen den Milben zu schaffen machen. Auch die Völker 16 und 17 werden von Ameisen reichlich besucht.

Volk 7 hat insgesamt erst 10 Milben aufgewiesen. V16 deren 12 und V17 27. Die Völker liegen also allesamt im sehr positiven Bereich. Die Völker 18 und 19, die ich vllt. entweiseln möchte, haben 153 und 179 Milben und haben die Schadschwelle von täglichen 10 überschritten.
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Re: Schadschwellenmethode

Beitragvon irbis » Fr 3. Jun 2011, 12:50

Hm, Deine Ergebnisse bestätigen eigentlich den Zusammenhang. Ich könnte mir auch vorstellen, dass wir die scheinbare Abwehr der Bienen falsch interpretieren. Von Vögeln weiß man ja, dass sie Ameisenhaufen aktiv aufsuchen, wenn sie Ungeziefer loswerden wollen, und die Ameisen ärgern, um die Säure ins Gefieder zu kriegen.

Wenn dieser Rückschluss auf die Ameisen stimmt, hätte das im Prinzip nichts mit Varroatoleranz zu tun, im Sinne aktiver Abwehr, denn würdest Du die Bienen irgendwo hinstellen, wo keine Ameisen sind, könnte das Ergebnis ganz anders aussehen.
Die Weiseln der Völker mit den hohen Milbenzahlen könnten ganz unschuldig sein, wenns an den Ameisen läge, die vielleicht aus irgendeinem Grund nicht da sind.

Jedenfalls werde ich jetzt auch die Meisen etwas genauer im Auge behalten.
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Re: Schadschwellenmethode

Beitragvon hanjoheyer » Fr 3. Jun 2011, 14:31

Ich fürchte, die Völker 18 und 19 könnten aus einem ganz anderen Grund unschuldig an den vielen Milben sein: an irgendwelchen mir unbekannten schlechteren Startbedingungen im letzten Jahr. Sie stehen zudem unmittelbar nebeneinander! Unmittelbar nebeneinander stehen auch die beiden vergleichbaren Völker 16 und 17, die beide sehr viel weniger Milben haben.

Obwohl deine "Meisen" wohl auf einen Tippfehler zurückzuführen sind, sollte man sie im Auge behalten. Seit ich Bienen habe, haben sich die Meisen im Garten rasant vermehrt. Den ganzen Winter über kamen sie täglich mehrfach zu den Fluglöchern, um nach Bienen zu suchen.
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Re: Schadschwellenmethode

Beitragvon irbis » Fr 3. Jun 2011, 20:04

Der Erfinder will beobachtet haben, dass von Ameisen heimgesuchte Bienenvölker binnen drei bis vier Wochen nahezu varroafrei sind, aufgrund des Ameisensäuredunstes. Wenn Du ein wenig runterscrollst - es ist eh in deutscher Sprache. Wie immer viel Einleitungs - blabla.
Ich hab heute ein paar Völker auf Ameisen abgesucht - nix.
Unsere nicht - Völker - Führung ist halt auch nicht vergleichbar.

Die Meisen pecken mir im Winter die Mauerbienen aus den Röhren, und sonst beobachte ich da und dort eine Spatzenhorde, die auf patscherte Drohnen lauert.
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Re: Schadschwellenmethode

Beitragvon hanjoheyer » Fr 3. Jun 2011, 20:38

Hier die entsheidende Passage (ich hatte den dt. Text tatsächlich übersehen!):

"Der Erfindung liegt dabei die Aufgabe zugrunde, in einer Bienenbeute eine vergleichbare Ameisensauredunstkonzentration zu erzeugen und aufrechtzuerhalten, wie sie sonst der von Ameisen selbst in einer Bienenbeute erzeugten entspricht, um so die Varroa-Milben praktisch ruckstandsfrei und auf nahezu naturliche Weise zum Absterben zu bringen.

Dieser Aufgabe liegt die durch Beobachtungen gewonnene Erkenntnis zugrunde, dass die durch Ameisen heimgesuchten Bienenvolker aufgrund des durch die Ameisen in der Bienenbeute erzeugten Ameisensauredunstes innerhalb von drei bis vier Wochen nahezu varroafrei sind."

Man kann also auch sagen: Die Natur hilft sich selbst. Warum sollen die Bienen keine Symbiose mit Ameisen eingehen, um die Milben loszuwerden? Für mich gehören ab sofort die Ameisen zum natürlichen Immunsystem des Biens. Wir kennen derartige Symbiosen zwischen großen Fischen und den Putzerfischen oder - weiteres Beispiel: zwischen Rindviechern und Madenhackern, speziellen Vögeln.
Ich halte es sogar für denkbar, dass die Bienen instinktiv, aber gezielt, den Ameisen Honig "opfern", um von Parasiten befreit zu werden. Die Symbiose muss ja nicht nur der Varroaabwehr dienen, sondern auch der Tracheemilbenabwehr und anderem. Wer weiß, wieviele Millionen Jahre diese Symbiose bereits besteht.

Bekanntermaßen gibt es eine weitere Symbiose zwischen Ameisen und Bienen - und Läusen. Die Ameisen haben sich im Laufe von Jahrmillionen bestimmte Läuse gezüchtet, die sie wie Haustiere halten. Im Winter kommen die Läuse in den Ameisenbau, wo sie gepflegt werden; im Sommer werden sie an bestimmte Stellen bestimmter Nadelbäume ausgesetzt, wo sie Baumsaft trinken. Die Ameisen leben vom von den Läusen eingedickten Saft und beschützen im Gegenzug die Läuse vor Fressfeinden. Bei Massenvermehrungen dieser Läuse kommen auch die Bienen auf ihre Kosten. Sie lecken wie die Ameisen den eingedickten Baumsaft von den Läusen ab, die dadurch vor dem Erstickungstod bewahrt weden. Die Läuse würden ohne fremde Hilfe in ihrem eigenen Saft ertrinken.

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Ich werde nun neben einigen Beuten bewusst Steinplatten plazieren, unter denen diese kleinen Ameisen (lasius niger?) ihre Nester errichten können. Mal sehen, ob's was bringt. Warum nicht diese natürliche Milbenabwehr forcieren?
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Re: Schadschwellenmethode

Beitragvon Koizchen » Sa 4. Jun 2011, 05:23

Hallo Ihr beiden,

ich habe auf meinem Stand ein Bienenvolk / Ameisenvolk in Koexistenz. Die Ameisen hausen unter dem Blechdeckel und haben dort ihr Nest errichtet. Lediglich einzelne Arbeiterinnen suchen die Honigzarge auf, um sich zu bedienen.

Mich stört das nicht. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass es die Anzahl von Ameisen in einem Bienenbau geben wird, um die AS Konzentration zu erreichen.
Man sollte auch nicht vergessen, dass die Ameisen irgendwann nicht mehr alleine an den Honig gehen, sondern evtl. auch an die Larven.

Da beide Spezies strikte Strukturen haben, die in etwa gleich sind, wird keiner dem anderen mehr zugestehen, als nötig. Beide kennen nur sich.

Koi
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Re: Schadschwellenmethode

Beitragvon hanjoheyer » Sa 4. Jun 2011, 08:37

Die Larven werden - von starken Völkern - rund um die Uhr beschützt. Ich glaube nicht, dass die Ameisen an sie herankommen. Ich dachte bisher ebenso, dass die Säurekonzentration der Ameisen nicht ausreichen könnte, die Milben zu töten. Deshalb erfreut mich der verlinkte Artikel so sehr! Ich dachte aber auch, dass die Ameisen vielleicht aktiv die Milben fangen und als Beute mitnehmen könnten. Ich beobachte immer wieder Ameisen auf den Bodeneinlagen, die im Gemüll nach Beute suchen. Dass sie sich dort tote oder lebende Milben gepackt hätten, konnte ich eider noch nicht beobachten.

Sicher ist, dass Ameisen und Bienen sich seit Jahrmillionen irgendwie miteinander arrangiert haben müssen. Bienen wohnten in Baumhöhlen, und viele Ameisenarten besteigen auf Nahrungssuche Bäume und gelangen selbstverständlich immer wieder in die Nisthöhlen der Bienen. Es wird bei der Erforschung des Zusammenlebens von Bien und Ameise sicher noch zu Überraschungen kommen.
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Re: Schadschwellenmethode

Beitragvon irbis » Sa 4. Jun 2011, 09:30

Ich habe mehrfach gelesen, dass die Ameisen die Milben wegtragen, und daher auszuschalten wären, um zu verlässlichen Zahlen zu kommen. Wenn die Milben auf der Ameisen - Menükarte stehen, ist es ihnen zuzutrauen, dass sie wissen, was zu tun ist, um die Leckerbissen regnen zu lassen, ganz eigennützig.

Wenn Joachim feststellen kann, dass in den Völkern mit den Ameisen die wenigsten Milben sind, so spricht das doch sehr dafür, dass es hier diesen Zusammenhang gibt.

Bemerkenswert ist auch, dass sich die Forschung für derlei so überhaupt nicht interessiert, dieses Patent hat ja auch schon einen langen Bart.
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