Kritik an konventionellen Betriebsweisen




Hier stelle ich die von mir bevorzugte imkerliche Betriebsweise vor. Kritik und Diskussion sind erwünscht.

Kritik an konventionellen Betriebsweisen

Beitragvon hanjoheyer » So 19. Mai 2013, 10:42

Die konventionellen Betriebsweisen, wie sie beispielsweise in Zeitschriften wie "die Biene" und "Deutsches Bienenjournal" empfohlen werden, verdienen aus drei Hauptgründen Kritik:

1. Sie sind so ausgelegt, dass es dem Bien unmöglich ist, Varroaresistenz zu erlangen.
2. Sie sind so ausgelegt, dass sich unmöglich Ökotypen herausbilden können. Auch dann nicht, wenn es um Ökoimkerei geht.
3. Reinzucht (s. zB http://mellifera.jimdo.com/ )

Zu 1. Diese Betriebsweisen können nicht akzeptiert werden. Einerseits wird es dem Bien unmöglich gemacht, varroaresistent zu werden; andererseits behauptet die Bienenwissenschaft und die AGT (Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht), dass sie sich der Varroaresistenzzucht befleißigen. Der Grund, der für diesen Widerspruch genannt wird, ist der, dass man angeblich zur Resistenzzucht komplizierte Methoden anwenden müsse, die man dem normalen Imker nicht zumuten möchte. Man verfahre zweigleisig, empfehle dem Normalimker die Behandlung mit organischen Säuren oder Thymol und die Wissenschaft und die Resistenzzüchter wenden komplizierte Verfahren an.

Die Experten-Empfehlungen an die normalen Imker sind besonders deshalb abzulehnen, weil sie dem Imker suggerieren, es sei richtig, der Milbe möglichst vollständig den Garaus zu machen. In keinster Weise wird darauf hingewiesen, es sei sinnvoll, nicht sämtliche Milben vernichten zu wollen, weil die Bienen nur in Gegenwart der Milben Resistenzverhalten entwickeln/lernen können. Es gibt keinen vernünftigen Grund, im Winter mit Oxalsäure den Milben "den Rest" geben zu wollen. Die Experten sollten endlich damit beginnen, der Imkerschaft nahezulegen, nicht mit Maximalbehandlung möglichst alle Völker retten zu wollen, sondern mit einer Minimalbehandlung bloß dafür zu sorgen, dass etwa nur 2/3 der Völker überleben, damit es Selektion Richtung Resistenz geben kann.

Diese komplizierten technischen Verfahren sind allesamt höchst fragwürdig, und es ist keineswegs klar, dass sie zum Erfolg führen. Selbst die Experten glauben nicht recht an diese Verfahren, da sie erste Erfolge erst in 30 bis 50 Jahen erwarten. Es gibt jedoch eine einfache Methode, die jedermann anwenden kann, aber von genau dieser wird dem Imker abgeraten.

Ich denke hier an meine Methode und an die von Dr. Ralph Büchler empfohlende "Soft-Bond-Methode".

Die radikale Bond-Methode, benannt von ihrem "Erfinder" John Kefuss, besagt nichts anders, als dass auf jegliche Behandlung verzichtet wird. Die Überlebenden werden vermehrt. Diese Methode funktiert allerdings nur bei Imkern, die über viele Völker verfügen oder bei Züchterverbänden, die das Bond-Verfahren koordiniert anwenden. Bei Kleinimkern mit nur 20 Völkern ist die Gefahr des Totalverlustes zu hoch. Aus diesem Grund propagiere auch ich eine weichere Methode, nämlich die der Minimalbehandlung mit Ameisensäure.

Statt 4 x mit AS und 1 x mit Oxalsäure behandele ich 2 x mit AS. Und sobald 70 % und mehr meiner Bienen überleben, wird nur noch einmal mit AS behandelt. Die Zuchtziele "Honigleistung" und "Friedlichkeit" werden ausgesetzt, solange Varroaresistenz nicht erreicht ist.

Zu 2: Die in o.g. Zeitschriften empfohlenen Betriebsweisen missachten allesamt die Wichtigkeit*, dass der Bien Ökotypen herausbilden kann. Bedenkenlos wird der Bienenhandel empfohlen und zB der Kauf von Weiseln der Bieneninstitute schmackhaft gemacht, obwohl auch Gerhard Liebig mehrfach betont hat, dass die Edelweiseln nicht besser sind, als jene, die man auf dem eigenen Stand gezogen hat. Es wird auch nichts gegen das Wandern in entfernte Trachtgebiete gesagt. So werden die Bienen bedenkenlos durch ganz Europa transportiert - und gleichzeitig wird darüber schwadroniert, dass der Ökohonig im Kommen sei.

* Die Wichtigkeit ergibt sich aus der Tatsache, dass die Anpassung an die lokalen Begebenheiten (Kleinklima, Tracht) mit dem Immunsystem korrespondiert. Gute Anpassung - starkes Immunsystem. Zum Immunsystem zählen nicht nur weiße Blutkörperchen und Antikörper im Blut, sondern auch ererbtes und erlerntes Verhalten des Biens wie zB das Ausräumen befallener Brut und die aktive Beseitigung von Milben von den Leibern der Artgenossen und das Abbeißen der Milbenbeine.

zu 3. Außer den beiden o.g. Hauptkritikpunkten gibt es einen dritten Kritikpunkt, die positive Beurteilung der Reinzucht, obwohl der Wissenschafts- und Züchtergemeinde bewusst ist, dass Reinzucht gleich Inzucht ist. Und Inzucht schwächt das Immunsystem, das zur Varroaabwehr so wichtig ist. In sämtlichen Arbeiten über den Vergleich von Reinzuchtbienen mit Landbienen wird das reichhaltigere genetische Spektrum der Landbiene hervorgehoben. Trotzdem wird Werbung für Edelbienen gacht.
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von Anzeige » So 19. Mai 2013, 10:42

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Re: Kritik an konventionellen Betriebsweisen

Beitragvon hanjoheyer » Mo 20. Mai 2013, 11:46

Zusammenfassung sämtlicher Praktiken, die ich zugunsten einer bienengemäßen Imkerei ablehne

1. Umlarven, künstliche Befruchtung
2. Reinzucht
3. Brutscheunen
4. Drohnenbrutentnahme
5. Auflösen schwacher Völker
6. Austausch aller Weiseln, die älter als 2 Jahre sind.
7. Belegstellen, außer jene für die Wiedereinfühung der Dunklen Biene
8. Wandern über 20 km
9. Bienen- und Königinnenhandel über 20 km
10. Zucht auf Fleiß und Friedlichkeit, solange wir keine varroaresistenten Bienen haben, da die ersten Zuchtziele die Erreichung des dritten verhindern.

eingeschränkt: Absperrgitter
eingeschränkt: ganze Mittelwände
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Re: Kritik an konventionellen Betriebsweisen

Beitragvon hanjoheyer » Mo 20. Mai 2013, 16:22

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