Bienengerechtes Imkern




Hier stelle ich die von mir bevorzugte imkerliche Betriebsweise vor. Kritik und Diskussion sind erwünscht.

Re: Bienengemäßes Imkern

Beitragvon hanjoheyer » Sa 3. Jul 2010, 00:09

Es gibt viele Methoden der Schwarmverhinderung:

zB:
1. Weiselzellen herausbrechen,
2. auf den Beutenboden kommt eine Zarge mit Leerwaben und Kö. Darüber Absperrgitter und darüber der Honigraum, dann ein Brett und auf das Brett die Brutzargen samt improvisiertem Flugloch. Die Flugbienen verlassen die Bruträume durch das improvisierte Flugloch und fliegen ins alte Flugloch hinein zur Königin, wo ein Flugling entsteht. Der Schwarmtrieb im oberen Brutraum erlischt mangels Flugbienen. Nach ein paar Wochen man kann die Volksteile wiedervereinigen.
3. Schröpfen
4. Brutraumerweiterung

Ich denke, 1. bis 3. rühren kräftig im Brutraum herum.

Die sog. Brutraumerweiterung ist wohl die beste Methode. Bisher war bei mir Schröpfen wegen der Erstellung von Brutablegern gebräuchlich. Man entnimmt drei Brutwaben (+ Pollen und Honigwabe) für den Ableger und gibt in die Lücke Leerwaben oder Mittelwände. Mir wurde erklärt, dass die Bienen- und Brutentnahme - also das Schröpfen - den Schwarmtrieb beende, aber ich glaube heute vielmehr, dass die mit dem Schröpfen verbundene Gabe von Leerwaben diesen Trieb zum Versiegen bringt.

die Checkerboardmethode scheint diese Annahme zu bestätigen.

Da ich künftig dank deiner Empfehlung keine Brutableger mehr machen möchte, sondern Schwarmvorwegnahme, werde ich künftig wohl auf andere Weise für ausreichend Brutraum sorgen müssen. Da auch ich ohne Absperrgitter imkere, dürfte das kein Problem werden. Hat das Volk im Frühling die erste Zarge fast vollständig besetzt, setze ich eine 2. Zarge auf, die von den Bienen mittig für Brut, außen für Honigeinlagerung genutzt wird. Gegen Mitte der Rapstracht wird dann eine 3. Zarge aufgesetzt, und die Honigwaben vom Rand der 2. Zarge werden nach oben gehängt. In der 2. Zarge, dem Brutraum, entsteht für die Königin neuer Platz zum Stiften. Ich sehe hier kein Problem für mich und die Bienen.
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Re: Bienengemäßes Imkern

Beitragvon Mannfred » Sa 3. Jul 2010, 17:11

Grüß Dich Joachim,

Das ist eine Draufsicht auf die untere Zarge eines durchschnittlich überwinterten Jungvolkes, Ende März.

http://img13.imageshack.us/img13/9844/b ... ung001.jpg

Der dicht von Bienen besetzte Raum entspricht zu diesem Zeitpunkt dem Volumen von etwas mehr als einer Flachzarge. Deine 8-rahmigen EHM-Zargen haben in etwa den gleichen Rauminhalt.

Herzliche Grüße Mannfred
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Re: Bienengemäßes Imkern

Beitragvon hanjoheyer » So 4. Jul 2010, 07:49

Das sieht so aus, als besetzten die Bienen bereits zu dieser frühen Jahreszeit 2 Zargen! So stark war bei mir bisher noch kein Volk - außer einer Ausnahme, bei der ein Volk aufgrund der Störung durch eine Maus komplett die Beute verlassen und das Nachbarvolk verstärkt hatte. Ich habe meine 8-Waben-Beuten entwickelt, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass meine Völker mit 16 Brutwaben auskommen. Als ich dann bei Golz las, dass seine Beuten 17 Waben beinhalten, empfand ich das als Bestätigung. Ich baute also die 8er-Magazine. Ich wollte diese kleineren und dafür umso höheren Beuten haben, weil das das Imkern ohne Absperrgitter erleichtert. Heute haben meine 11er-Magazine allesamt 3 Stockwerke und die 8er haben 4 Stockwerke (Zargen): 2 BR und 2 HR.

Da beim Imkern ohne Absperrgitter immer wieder einmal Brutfelder auf Honigwaben zu finden sind, hänge ich diese Waben, falls die Brutfelder klein sind, in den oberen HR, wo sie auslaufen und nicht wieder bestiftet werden. Sie werden mit Honig gefüllt. Auf diese Weise wird der Nachteil, den absperrgitterloses Imkern hat, einigermaßen aufgewogen. Sind die Brutfelder im HR sehr groß, hänge ich diese Wabe in den BR um, wo ich, um Platz zu für sie zu schaffen, eine HW entnehme. Ich vermute, du nennst dieses Praxis "rühren". Ich rühre allerdings nur am Rand der Brutgebiete.

Sobald ich mehr Honig habe, als ich verkaufen kann - mein angestrebtes Ziel - werde ich sukzessive auf das Füttern verzichten und wie du die Bienen auf Honig überwintern. Das ist bienengemäß und spart Kosten (ich hab grade für 240 Euro Flüssigfutter bestellt). Ich denke, dass ich nächstes Jahr mit 20 Völkern dieses Ziel bereits erreicht haben werde. Dann kann ich den Bienen sämtliche Honigwaben, die etwas Brut enthalten, belasssen. Noch kann ich auf den Honig nicht verzichten, weil ich hohe Ausgaben habe und kaum Einnahmen.
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Re: Bienengemäßes Imkern

Beitragvon Mannfred » So 4. Jul 2010, 17:39

Guten Abend,

Hast Du schon einmal versucht, 2 oder 3 zargig zu überwintern ?

Herzliche Grüße Mannfred
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Re: Bienengemäßes Imkern

Beitragvon hanjoheyer » So 4. Jul 2010, 22:31

ich bin da nichtdogmatisch. Es hängt von der jeweiligen Volksgröße ab, ob ich ein Volk auf einer oder 2 Zargen überwintere. Würde ich ein zu kleines Volk auf 2 Zargen überwintern, würden die ungenutzten Waben verschimmeln.
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Re: Bienengemäßes Imkern

Beitragvon Mannfred » Mo 5. Jul 2010, 13:22

Grüß Dich, Joachim

Alles klar, ich hatte den Eindruck, du "mußt" auf 1 Zarge überwintern.
Wie schauen Deine Böden aus ?

Ich verwende flache Gitterböden, ca. 1 cm unter dem Boden liegt ganzjährig eine Hartfaserplatte eingeschoben. Das ist praktisch die Visitenkarte des Volkes.
Schimmelprobleme habe ich so gut wie keine.

http://img249.imageshack.us/img249/6127/berwinterunggitterboden.jpg

Das ist der Boden eines nicht sonderlich putztriebigen Volkes zum Zeitpunkt der Auswinterung. Die Böden des Großteils der Völker waren zum damaligem Zeitpunkt und auf diesem Stand unabhängig von der Volksstärke schon blank.

Herzliche Grüße Mannfred
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Re: Bienengemäßes Imkern

Beitragvon hanjoheyer » Mo 5. Jul 2010, 20:11

In http://www.hanjoheyer.de/imker12.html kannt du meine Bodenteile sehen. Über den Gitterboden wird eine Zarge gestülpt. Sie schließt das Flugloch nach oben hin, sodass ein Schlitz entsteht. Unter dem Gitterboden sind zwei "Kufen", zwischen die eine weiße Platte zum Milbenzählen geschoben werden kann.
Ich habe übrigens heute Morgen die "Windeln" untergeschoben. Eben um 21:00 Uhr waren noch keine Milben auf den weißen Brettern.

Zu "Ich verwende flache Gitterböden, ca. 1 cm unter dem Boden liegt ganzjährig eine Hartfaserplatte eingeschoben. Das ist praktisch die Visitenkarte des Volkes. ": Verstehe ich nicht. Wozu dient die Hartfaserplatte? Wieso Visitenkarte? Du meinst, weil dort das Gemüll drauf fällt?

Im Winter lege ich auch ab und zu die Varroawindeln ein. Am nächsten oder übernächsten Tag liegt Gemüll drauf, an dem ich ablesen kann, wieviele Wabengassen besetzt sind. Wenn im Gemüll Bienenbeine sind, muss man nachschauen wegen Mäusen.

Im Februar hebe ich an einem warmen Tag die Zargen ab und fege mit einem Besen die toten Bienen raus. Das spart den Bienen Arbeit und trägt wohl auch zur Gesundheit bei.
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Re: Bienengemäßes Imkern

Beitragvon Mannfred » Di 6. Jul 2010, 09:51

Ja, die Hartfaserplatte dient als Windel und liefert brauchbare Hinweise auf die internen Vorgänge.

Aktuell zeigt sich, daß die Nektartracht versiegt ist, es liegt sehr viel Honiggrieß auf den Windeln. Das heißt, daß die Völker im Brutbereich vorhandenen alten Vorrat umtragen. Der Bautrieb ist immer noch gut - viele Wachsschuppen. Es kommt sehr viel Phacelia- und Kürbispollen rein. Allererste Sonnenblumenpollenbrösel lassen hoffen, daß in Bälde die Sonnenblumentracht einsetzt.

Auf zwanzig Einschüben mit der Fracht von einigen Tagen (weißgarnichtmehrgenau wann ich die zum letzenmal abgefegt habe) habe ich 1 Varroa gefunden.

http://img693.imageshack.us/img693/9194/windel.jpg

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Re: Bienengemäßes Imkern

Beitragvon hanjoheyer » Fr 9. Jul 2010, 08:15

Hallo Mannfred,

meine erste Milbenzählung ergab zwischen Null und 2 Milben in 2 Tagen. Letztes Jahr war es ebenso: Zuerst kaum Milbenfall, und dann mit einemal geht es Schlag auf Schlag.

Hier endet die Tracht nun leider auch - vor allem wegen der Trockenheit. Der Klee brüht zwar noch, aber ich glaube nicht, dass er noch viel Nektar produziert angesichts der trockenen Wiesen. Die Linde blüht auch noch stellenweise, außerdem die Kornblume - und 2 Phazeliafelder in der Nähe. Trotzdem werde ich diese Woche noch die Fluglöcher einengen müssen wegen Räubereigefahr, zumal ich Wirtschaftsvölker und Ableger nebeneinanderstehen habe.

Gestern habe ich noch einmal 34 kg Honig geschleudert; mindestens 30 kg warten noch unverdeckelt in den Waben dreier Völker. Jetzt, während der Honigente, merke ich, dass Absperrgitter wirklich nicht wichtig sind. Sie behindern bloß die Bienen. Ich denke, dass diese Gitter erst gebraucht werden, wenn ein Imker so viele Völker bearbeitet, dass er seine Arbeit rationalisieren muss. Ich mit meinen derzeit 10 Wirtschaftsvölkern kann es mir leisten, hinzuschauen - und belasse Honigwaben mit Brut in der Beute.

joachim
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Re: Bienengemäßes Imkern

Beitragvon Mannfred » Di 13. Jul 2010, 11:27

Grüß Dich, Joachim

Hier zeigt die Landschaft zur Zeit wieder ihren Steppencharakter, die Sonnenblume honigt allerdings gut. Die kurze Trachtunterbrechung hat keinen Stimmungsumschwung in den Völkern bewirkt - ältere Königinnen stiften immer noch eifrig Drohnenbau. Wespen und Hornissen haben zur Zeit immer noch Seltenheitswert, denen hat wahrscheinlich der Mai schwer zu schaffen gemacht.

Herzliche Grüße Mannfred
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